<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0">
  <teiHeader>
    <fileDesc>
      <titleStmt>
        <title>Borretschblüten-Latwerge</title>
        <author>Anonymus</author>
        <respStmt>
          <resp>Modernisierung, Übersetzung, Anmerkungen</resp>
          <name xml:id="fyndling">Fyndling.de</name>
        </respStmt>
      </titleStmt>
      <publicationStmt>
        <publisher>Fyndling.de</publisher>
        <availability>
          <licence target="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/">CC BY-SA 4.0 (Übersetzung &amp; Anmerkungen)</licence>
        </availability>
        <date when="2026-06-26">2026-06-26</date>
        <idno type="url">https://fyndling.de/rezepte/m384-010/</idno>
      </publicationStmt>
      <sourceDesc>
        <bibl>
          <title>München, Bayerische Staatsbibliothek, Cgm 384</title>
          <date when="1470">1470</date>
          <idno type="URI">https://gams.uni-graz.at/o:corema.m2/TEI_SOURCE</idno>
          <note>Transkription: CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages, Helmut W. Klug (Hg.), Universität Graz, Ms. M2 (CC BY 4.0, hdl.handle.net/11471/562.10)</note>
        </bibl>
      </sourceDesc>
    </fileDesc>
    <encodingDesc>
      <schemaRef type="interchangeODD" url="https://fyndling.de/rezepte-data/tei/fyndling.odd"/>
      <schemaRef type="interchangeRNG" url="https://fyndling.de/rezepte-data/tei/fyndling.rng"/>
    </encodingDesc>
    <profileDesc>
      <langUsage>
        <language ident="fnhd">Frühneuhochdeutsch (alemannisch, südwestdeutsch, 2. Hälfte 15. Jh.)</language>
        <language ident="de">Neuhochdeutsch (Übersetzung)</language>
      </langUsage>
    </profileDesc>
  </teiHeader>
  <text>
    <body>
      <div type="recipe" xml:id="m384-010">
        <head>Borretschblüten-Latwerge</head>
        <div type="original" xml:id="m384-010-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#m384-010-trans">
          <p>latwaerin

Niem buratz latwarin nym ij lib-?### buratz bluomen vnd hack die clain nym j lib-?### honig vnd 1/2 masz win vnd schum das honig vor hin gar wol vnd tuo die bluomen darin vnd sud sy wol bis das es dick werd dar nach czuch es durch bewurtz es denn wie du wilt vnd czuch es denn vff ain brett bis das es trucken werd</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="m384-010-trans" xml:lang="de" corresp="#m384-010-orig">
          <p>Nimm zwei Pfund Borretschblüten und hacke sie klein. Nimm ein Pfund Honig und ein halbes Maß Wein. Schäume den Honig zuvor sehr gut ab und gib die Blüten hinein. Siede alles gut, bis es dick wird. Danach ziehe es durch. Würze es dann, wie du willst, und ziehe es anschließend auf ein Brett, bis es trocken wird.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="buratz bluomen">Borretschblüten</ingredient> - 1 kg</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="honig">Honig</ingredient> - 500 g</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="win">Wein</ingredient> - 0.5 l</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="bewurtz es denn wie du wilt">Gewürze nach Wahl</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
    </body>
    <back>
      <div type="annotations">
        <note type="preparation_tip" target="#m384-010-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Eine Latwerge aus Borretschblüten - ein dick eingekochtes, getrocknetes Blüten-Mus, der direkte Verwandte von Quitten- und Birnen-Latwerge und nahe am Fruchtleder/Konfekt. Latwergen waren zugleich Süßspeise/Aufstrich und Hausapotheke.

Technik: Honig zuerst sehr gut abschäumen (klärt und entfernt Trübstoffe), Borretschblüten darin mit Wein dick einkochen, durch ein Tuch passieren, nach Wunsch würzen und auf einem Brett trocknen, bis eine feste, schneidbare Masse (Fruchtleder-Art) entsteht. Borretsch lässt sich auch wie ein Holunderblüten-Mus verarbeiten.

Praxis: Ca. 1 kg Borretschblüten (ersatzweise getrocknete Blüten oder andere essbare Blüten wie Veilchen/Rosen) klein hacken, mit ~500 g abgeschäumtem Honig und ~0,5 l Wein dick einkochen, passieren, mit Zimt/Ingwer/Nelken abschmecken und auf einem Brett bei trockener, warmer Lagerung mehrere Tage zu einer festen Latwerge trocknen.</note>
        <note type="gloss" target="#m384-010-orig" n="latwaerin" resp="#fyndling">Eine Latwerge ist ein dick eingekochtes Mus/eine Paste aus Früchten, Kräutern oder Blüten, oft durch Trocknen haltbar gemacht - zugleich Süßspeise/Aufstrich und Hausmittel. Vergleichbar mit Fruchtleder oder fester Konfitüre.</note>
        <note type="gloss" target="#m384-010-orig" n="buratz bluomen" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#buratz">Blüten des Borretsch (Borago officinalis) - eine beliebte Garten- und Heilpflanze des Mittelalters mit essbaren Blättern und blauen Blüten.</note>
        <note type="gloss" target="#m384-010-orig" n="lib-?### / masz" resp="#fyndling">lib = libra = Pfund (mittelalterlich ca. 500 g); masz = ein Flüssigkeitsmaß (regional ca. 1-1,5 l), hier 1/2 Maß ≈ 0,5 l.</note>
        <note type="gloss" target="#m384-010-orig" n="schum das honig vor hin gar wol" resp="#fyndling">Den Honig vorab gut abschäumen - das entfernt Trübstoffe und ergibt eine klarere Latwerge.</note>
        <note type="gloss" target="#m384-010-orig" n="czuch es durch ... vff ain brett" resp="#fyndling">Erst durch ein Tuch passieren (glätten), dann auf ein Brett ‚ziehen' und trocknen lassen, bis eine feste, schneidbare Masse entsteht (Fruchtleder-Prinzip).</note>
      </div>
    </back>
  </text>
</TEI>
