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      <titleStmt>
        <title>Klare Fischsülze mit Blüten</title>
        <author>Anonymus</author>
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          <resp>Modernisierung, Übersetzung, Anmerkungen</resp>
          <name xml:id="fyndling">Fyndling.de</name>
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        <publisher>Fyndling.de</publisher>
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          <title>München, Bayerische Staatsbibliothek, Cgm 5919</title>
          <date when="1505">1505</date>
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          <note>Transkription: CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages, Helmut W. Klug (Hg.), Universität Graz, Ms. M9 (CC BY 4.0)</note>
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        <language ident="fnhd">Frühneuhochdeutsch (mittelbairisch, Regensburg, um 1500-1510)</language>
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      <div type="recipe" xml:id="m5919-045">
        <head>Klare Fischsülze mit Blüten</head>
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          <p>Wie man ain clari sulcz macht Wildu machen ain clary sulcz So nimm nessel wurcz ain gute hant vol vnd wasch sy gar schon vnd geus ain virtel wasser darzw vnd las zbo stund sydenn vnd las ain orr oder zbo kalt werdenn vnd nimm dann visch vnd perait sy sauber vnd wasch voran hin vnd stupt sy schon vnd wirf sy In ain wasser vnd In wein vnd In essig das ains so vil sey als des andren dan des wasser sol minder sein vnd wirf dy fisch darein vnd wasch sy sauber vnd nym dy selbig prue vnd streuch sy durch vnd nym dann das nessel waser zu der prue ein wenig zw hilf das ains als vil werdt als des andren das macht ain clar hab vber das ander feur wan es warmm wil werden So wirt es oben trueb vnd thue das trueb als oben herab pis das der wol Ergett das es miner trueb sey so wirt Es schomme vnd wan Es nu schaimbt so ze= uch inchs herab vnd schaim sein nicht vnd las es wol syden das es nit vber gee vnd nimm dan ain pfeffer der nit gestossen sey der nur ain wenig zeprochen sey vnd gancze negel vnd zimet rinten vnd schneid es zu pisslein vnd las darin syden vnd salcz ain maß wildu dan das es als wol gestundt als Im winter vnd als reschleich so nimm kers plue vnd arbais so es erst aus scheust vnd der dy ander sunnen vnd nym der arbais plue so vil sam du vnter drein vingern magst gehabenn vnd kers plue zbir als vill vnd thu es In ain tuchlein vnd las es mit den vischenn sieden vnd wan Es gesoten hat so windt dy prue daraus vnd machs Es nit zw gelb guter essig vnd nit vil saffrann so gestet es Inn zbain stunden</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="m5919-045-trans" xml:lang="de" corresp="#m5919-045-orig">
          <p>Wenn du eine klare Sülze zubereiten möchtest, nimm eine gute Handvoll Nesselwurzeln, wasche sie sehr sauber und gieße etwa einen Liter Wasser dazu. Lasse die Wurzeln zwei Stunden lang sieden und dann ein bis zwei Stunden kalt werden.</p>
          <p>Nimm danach Fisch, bereite ihn sauber vor, wasche und schuppe ihn gründlich. Gib den Fisch in eine Mischung aus Wasser, Wein und Essig. Achte darauf, dass Wein und Essig jeweils gleich viel sind, das Wasser jedoch weniger als die beiden anderen Flüssigkeiten. Wasche den Fisch darin sauber.</p>
          <p>Nimm die Brühe vom Fischwaschen und seihe sie durch. Gib dann das Nesselwasser zur Brühe hinzu, sodass die Mengen etwa gleich sind. Dies sorgt für eine klare Flüssigkeit. Erhitze die Mischung über einem weiteren Feuer. Wenn sie warm wird, steigt Trübes nach oben. Schöpfe das Trübe von oben ab, bis die Flüssigkeit gut geklärt ist und weniger trüb erscheint. Danach wird sie schäumen. Wenn sie schäumt, ziehe den Topf vom Feuer und schöpfe den Schaum nicht ab. Lasse die Flüssigkeit gut sieden, damit sie nicht überkocht.</p>
          <p>Nimm dann Pfeffer, der nicht gemahlen, sondern nur leicht zerbrochen ist, sowie ganze Nelken und Zimtrinden. Schneide die Zimtrinden in kleine Stücke und lasse alles darin sieden. Salze die Flüssigkeit nach Geschmack.</p>
          <p>Wenn du möchtest, dass die Sülze so gut wie im Winter und so knackig-frisch hält, nimm Kirschblüten und Erbsentriebe, wenn sie gerade erst austreiben und die zweite Sonne (des Frühsommers) scheint. Nimm so viele Erbsenblüten, wie du zwischen drei Fingern halten kannst, und ebenso viele Kirschblüten. Gib sie in ein kleines Tuch und lasse sie mit dem Fisch in der Sülze sieden. Wenn alles gesotten hat, wringe die Brühe aus dem Tuch. Achte darauf, dass die Sülze nicht zu gelb wird - verwende guten Essig und nicht viel Safran. Dann wird sie in zwei Stunden fest.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ain nessel wurcz ain gute hant vol">Nesselwurzeln</ingredient>
            </item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="ain virtel wasser">Wasser</ingredient> - 1 l</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="visch">Fisch</ingredient>
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            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="wein">Wein</ingredient>
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            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="essig">Essig</ingredient>
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            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ain pfeffer der nit gestossen sey der nur ain wenig zeprochen sey">Pfeffer, leicht zerbrochen</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="gancze negel">Ganze Nelken</ingredient>
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            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="zimet rinten">Zimtrinde</ingredient>
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            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="salcz ain maß">Salz</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="kers plue">Kirschblüten</ingredient>
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            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="arbais so es erst aus scheust vnd der dy ander sunnen">Erbsenblüten oder -triebe</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="saffrann">Safran (optional, sparsam)</ingredient>
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      <div type="annotations">
        <note type="preparation_tip" target="#m5919-045-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Eine klare, geklärte Fischsülze - das Spitzenstück der Aspik-Kunst. Wichtig für die Praxis: Das Geliermittel ist der Fisch selbst - Haut, Schuppen und Gräten geben beim Kochen Kollagen ab. Reines Filet im Sud ergibt nur eine aromatische Brühe, keine Sülze.: die Brühe wird durch Abschöpfen geklärt, mit nur angedrücktem Pfeffer, ganzen Nelken und Zimtrinde gewürzt; eine Abkochung aus Nesselkraut hilft beim Klären. Mit raffiniertem Sommer-Trick: Kirsch- und Erbsenblüten (frisch im Frühsommer), in einem Tuch mitgesotten, lassen die Sülze „so gut wie im Winter“ stocken.

Cruxes. nessel wurcz lesen wir als Nesselkraut/-wurzel (Klärhilfe, hier die Pflanze - nicht Messing); die Blüten als saisonales Gelier-/Frischhalte-Mittel. Wenig Safran und guter Essig: die Sülze soll klar und nicht zu gelb sein, dann stockt sie in zwei Stunden.

Praxis. Fisch in Wein + Essig + wenig Wasser waschen/garen, Schuppen und Gräten fürs Gelieren nutzen; Brühe erwärmen, das aufsteigende Trübe abschöpfen, mit angedrücktem Pfeffer, Nelken und Zimt würzen, sparsam mit Safran färben, über die Fischstücke gießen und kalt stocken lassen. Vgl. m5919-041, m725-017.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-045-orig" n="clary sulcz" resp="#fyndling">Eine ‚klare Sülze' oder ‚Aspik' - ein Gericht, bei dem Fleisch oder Fisch in einer geklärten, gelierten Brühe serviert wird. Die Klärung ist hier ein aufwendiger Prozess.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-045-orig" n="Nessel wurcz" resp="#fyndling">Nesselwurzeln (Brennnesselwurzeln). Sie wurden in der mittelalterlichen Küche oft für ihre adstringierenden Eigenschaften oder zur Klärung von Flüssigkeiten verwendet, möglicherweise auch für einen erdigen Geschmack.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-045-orig" n="virtel" resp="#fyndling">Ein historisches Flüssigkeitsmaß, das regional variierte, aber oft etwa einem Liter entsprach.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-045-orig" n="stupt sy schon" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#schon">‚Stüpfen' oder ‚stiefen' bedeutet hier, den Fisch gründlich zu reinigen und zu schuppen.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-045-orig" n="dy selbig prue" resp="#fyndling">Die ‚Brühe' bezieht sich hier auf die Flüssigkeit, in der der Fisch zuvor gewaschen wurde - eine Mischung aus Wasser, Wein und Essig.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-045-orig" n="Ergett" resp="#fyndling">Althochdeutsch ‚irgetan', hier im Sinne von ‚erreicht' oder ‚gelingt', also bis die Klärung erfolgreich ist.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-045-orig" n="schomme / schaimbt" resp="#fyndling">Beide Begriffe bezeichnen ‚Schaum'. Die Anweisung, den Schaum nicht abzuschöpfen, ist Teil der spezifischen Klärungstechnik.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-045-orig" n="ze= uch inchs herab" resp="#fyndling">‚Ziehe es hinab' - gemeint ist, den Topf vom Feuer zu nehmen, um den Schaum zu kontrollieren und ein Überkochen zu verhindern.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-045-orig" n="gestundt" resp="#fyndling">‚Gestanden' oder ‚gesetzt' - bezieht sich auf das Gelieren und Festwerden der Sülze.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-045-orig" n="reschleich" resp="#fyndling">‚Resch' bedeutet im Bairischen ‚knackig' oder ‚frisch'. Hier bezieht es sich auf die gewünschte Textur und Frische der Sülze.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-045-orig" n="kers plue" resp="#fyndling">Kirschblüten. Eine ungewöhnliche, aber saisonale Zutat, die der Sülze eine feine, leicht bittere oder blumige Note verleihen könnte und möglicherweise zur Konservierung beiträgt.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-045-orig" n="arbais so es erst aus scheust vnd der dy ander sunnen" resp="#fyndling">Erbsenblüten oder junge Erbsentriebe, die gerade erst austreiben. ‚Die andere Sonne' bezieht sich auf den Frühsommer, nach der ersten intensiven Frühlingssonne, wenn diese Pflanzen in ihrer besten Phase sind.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-045-orig" n="zbain stunden" resp="#fyndling">‚Zwei Stunden' - die Zeit, die die Sülze zum Festwerden benötigt.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#m5919-045-orig" n="clary sulcz" resp="#fyndling">‚Klare Sülze' oder ‚Aspik'. Die Bezeichnung ‚clary' (klar) weist auf die aufwendige Klärung der Brühe hin, während ‚sulcz' die gelierte Form beschreibt.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#m5919-045-orig" n="stupt sy schon" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#schon">‚Stüpfen' oder ‚stiefen' bedeutet hier, den Fisch gründlich zu reinigen und zu schuppen, bevor er weiterverarbeitet wird.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#m5919-045-orig" n="ain virtel wasser" resp="#fyndling">Ein ‚Viertel' wird hier als etwa 1 Liter Wasser interpretiert, eine gängige Annahme für diese Maßeinheit in süddeutschen Quellen.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#m5919-045-orig" n="ain orr oder zbo kalt werdenn" resp="#fyndling">‚Orr' wird als ‚Stunde' gelesen, was bedeutet, die Flüssigkeit ein bis zwei Stunden abkühlen zu lassen.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#m5919-045-orig" n="ain wasser vnd In wein vnd In essig das ains so vil sey als des andren dan des wasser sol minder sein" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#sey">Die Flüssigkeitsmischung zum Waschen des Fisches wird als ein Teil Wein, ein Teil Essig und ein halber Teil Wasser interpretiert (Verhältnis 1:1:0.5), um die Anweisung ‚eins so viel sei als des anderen' und ‚das Wasser soll minder sein' zu erfüllen.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#m5919-045-orig" n="Ergett" resp="#fyndling">‚Ergett' wird als ‚erreicht' oder ‚gelingt' übersetzt, im Sinne von ‚bis die Klärung erfolgreich ist'.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#m5919-045-orig" n="schomme / schaimbt / ze= uch inchs herab vnd schaim sein nicht" resp="#fyndling">‚Schomme' und ‚schaimbt' bedeuten beide ‚Schaum'. Die Anweisung ‚ziehe es hinab und schöpfe es nicht ab' wird als ‚den Topf vom Feuer nehmen und den Schaum nicht entfernen' interpretiert, um die Klärung zu unterstützen und ein Überkochen zu verhindern.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#m5919-045-orig" n="gestundt / reschleich" resp="#fyndling">‚Gestundt' wird als ‚gestanden' (fest geworden, geliert) und ‚reschleich' als ‚knackig-frisch' übersetzt, was die gewünschte Konsistenz und Frische der Sülze beschreibt.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#m5919-045-orig" n="arbais so es erst aus scheust vnd der dy ander sunnen" resp="#fyndling">‚Arbais' wird als ‚Erbse' oder ‚Erbsentriebe' gelesen. Die Phrase ‚so es erst aus scheust und der die andere Sonne' bezieht sich auf junge Erbsentriebe oder -blüten, die im Frühsommer (nach der ersten intensiven Frühlingssonne) geerntet werden.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#m5919-045-orig" n="zbir als vill" resp="#fyndling">‚Zbir' wird hier als ‚ebenso viel' oder ‚gleich viel' interpretiert, passend zur Mengenangabe der Kirschblüten.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#m5919-045-orig" n="zbain stunden" resp="#fyndling">‚Zbain stunden' wird als ‚zwei Stunden' übersetzt, die Zeit, die die Sülze zum Festwerden benötigt.</note>
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