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        <title>Gebratener Kalbskopf</title>
        <author>Anonymus</author>
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          <resp>Modernisierung, Übersetzung, Anmerkungen</resp>
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        <publisher>Fyndling.de</publisher>
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        <date when="2026-06-22">2026-06-22</date>
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          <title>München, Bayerische Staatsbibliothek, Cgm 5919</title>
          <date when="1505">1505</date>
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          <note>Transkription: CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages, Helmut W. Klug (Hg.), Universität Graz, Ms. M9 (CC BY 4.0)</note>
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        <language ident="fnhd">Frühneuhochdeutsch (mittelbairisch, Regensburg, um 1500-1510)</language>
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      <div type="recipe" xml:id="m5919-053">
        <head>Gebratener Kalbskopf</head>
        <div type="original" xml:id="m5919-053-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#m5919-053-trans">
          <p>Von ainem kalbs haupt Schneid dy vnter keu von ainem kalbs kopf vnd seudt den gar wol vnd darnach prich dy hiren schall auff vnd sae gut gbircz auff das hiren vnd geus hais smalcz darein vnd prat es auff ainem rast das wirt ain guter kalbs kopff</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="m5919-053-trans" xml:lang="de" corresp="#m5919-053-orig">
          <p>Schneide die unteren Kinnbacken (die fleischige Kehlpartie) von einem Kalbskopf ab und siede den übrigen Kopf sehr gut. Brich danach die Hirnschale auf und streue gutes Gewürz auf das Hirn. Gieße heißes Schmalz hinein und brate es auf einem Rost. Das wird ein guter Kalbskopf.</p>
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            <item><ingredient en="" commodity="" orig="ainem kalbs kopf">Kalbskopf</ingredient> - 1</item>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="gut gbircz">Gewürz</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="hais smalcz">Schmalz</ingredient>
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      <div type="annotations">
        <note type="preparation_tip" target="#m5919-053-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein gebratener Kalbskopf mit gewürztem Hirn - ein Festgericht der spätmittelalterlichen Tafel, das den ganzen Kopf als ansehnliches Schaustück auf den Tisch brachte. Der Kalbskopf wird zweistufig zubereitet: erst weichgesotten, dann auf dem Rost gebräunt. Das Rezept hat enge, fast wortgleiche Verwandte im Korpus (Cgm 384, Clm 15632, Rheinfränkisches Kochbuch) - dieselbe Gerichtsfamilie war überregional verbreitet. Heute ist der Kalbskopf eine Nischenspezialität für Liebhaber kräftiger Innereien.

Schneid dy vnter keu - die unteren Kinnbacken bzw. die fleischige Kehlpartie - werden vor dem Sieden abgetrennt, damit der Kopf flach auf den Rost passt; sie lassen sich separat verwerten. Praktisch heißt das: den Kopf zuvor 1-2 Stunden wässern, Blut und Borsten am Kinn absengen, dann in leise wallendem Wasser 2-3 Stunden sieden, bis sich das Fleisch löst und die Kopfhaut weich ist.

Die hiren schall - die Hirnschale, also die Schädeldecke - wird erst nach dem Sieden aufgebrochen, weil das Hirn dann fest genug ist, um nicht zu zerlaufen. Streue das Gewürz aufs Hirn und gieße heißes Schmalz an: das versiegelt, bräunt und gibt eine schöne Kruste.

Praxis. Auf dem Rost über mittlerer Glut nur noch bräunen und durchziehen lassen - nicht mehr garen. Das weiche Hirn nicht direkt über die Flamme halten, sonst läuft es aus. Hirn (eine Delikatess-Portion, ca. 100-130 g) und Kopffleisch (Backe, Zunge) werden zusammen serviert; das reicht als Hauptgericht für etwa vier Personen.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-053-orig" n="vnter keu" resp="#fyndling">Die unteren Kinnbacken bzw. die fleischige Kehlpartie des Kalbskopfes, die vor dem Sieden abgetrennt werden. Die alemannische Parallelüberlieferung Cgm 384 liest hier vndren keln (untere Kehlen). Für Cgm 5919 existiert keine deutsche Eich-Edition - die Lesart ist daher tentativ.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-053-orig" n="hiren schall" resp="#fyndling">Hirnschale, die Schädeldecke, die aufgebrochen wird, um das Hirn direkt im Schädel zu würzen und zu garen. Cgm 5919 liest die Singularform hiren schall; die Parallele Cgm 384 hat den Plural hiern schallen - eine reine Numerusvariante ohne Bedeutungsunterschied.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-053-orig" n="gbircz" resp="#fyndling">Frühneuhochdeutsche Schreibweise für ‚Gewürz‘ (das ‚b‘ steht für ‚w‘, eine mittelbairische Schreibereigenheit dieser Hand). Im Mittelalter war eine Mischung aus Pfeffer, Ingwer, Nelken und Muskat üblich; die konkrete Auswahl ist eine zeittypische Rekonstruktion, der Text nennt nur ‚gutes Gewürz‘.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-053-orig" n="rast" resp="#fyndling">Ein Rost, auf dem das Fleisch über offener Glut gebraten wird - für ein schweres, gesottenes Garstück wie einen ganzen Kalbskopf in der Praxis ein eiserner Bratrost. Ob hier ein hölzerner Rost gemeint sein könnte, lässt sich für dieses Rezept nicht belegen.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#m5919-053-orig" n="vnter keu" resp="#fyndling">Untere Kinnbacken / fleischige Kehlpartie des Kalbskopfes, die vor dem Sieden abgetrennt werden. Gestützt durch die nahezu wortgleiche Parallelüberlieferung Cgm 384 (vndren keln, untere Kehlen).</note>
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