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        <title>Sülze von Hosennestel - Reh-Haut-Sülze</title>
        <author>Anonymus</author>
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          <resp>Modernisierung, Übersetzung, Anmerkungen</resp>
          <name xml:id="fyndling">Fyndling.de</name>
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        <publisher>Fyndling.de</publisher>
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          <licence target="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/">CC BY-SA 4.0 (Übersetzung &amp; Anmerkungen)</licence>
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        <date when="2026-06-22">2026-06-22</date>
        <idno type="url">https://fyndling.de/rezepte/m5919-055/</idno>
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          <title>München, Bayerische Staatsbibliothek, Cgm 5919</title>
          <date when="1505">1505</date>
          <idno type="URI">https://gams.uni-graz.at/o:corema.m9/TEI_SOURCE</idno>
          <note>Transkription: CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages, Helmut W. Klug (Hg.), Universität Graz, Ms. M9 (CC BY 4.0)</note>
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        <language ident="fnhd">Frühneuhochdeutsch (mittelbairisch, Regensburg, um 1500-1510)</language>
        <language ident="de">Neuhochdeutsch (Übersetzung)</language>
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      <div type="recipe" xml:id="m5919-055">
        <head>Sülze von Hosennestel - Reh-Haut-Sülze</head>
        <div type="original" xml:id="m5919-055-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#m5919-055-trans">
          <p>Ain von hosen ne= stel Nym ain rechhautt vnd prue dy wol das das her aus gee vnd seudt dy hautt woll So rimpft sy sich zw samen fast das zw schneidt ainer span lanck vnd zbayr vinger praitt vnd mach daraus ain gute sulcz</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="m5919-055-trans" xml:lang="de" corresp="#m5919-055-orig">
          <p>Nimm eine Reh-Haut und brühe sie gut, damit die Haare abgehen. Siede die Haut anschließend gründlich, bis sie sehr weich ist; sie wird sich dabei stark zusammenziehen.</p>
          <p>Schneide die gekochte Haut dann in spannenlange und zwei Finger breite Streifen. Mache daraus eine gute Sülze.</p>
        </div>
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          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="rechhautt">Reh-Haut</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="(implied)">Wasser</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="(implied)">Salz</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="(implied)">Gewürze nach Geschmack</ingredient>
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      <div type="annotations">
        <note type="preparation_tip" target="#m5919-055-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Eine kollagenreiche Wildhaut-Sülze, die im Korpus 'Sülze von Hosennestel' heißt - eine Jagdverwertung aus der Haut des Rehs. Lebende Verwandte sind Galrey/Galantine, Aspik und jede klassische Sülze; die schmalen Streifen geben dem Gericht seinen bildhaften Namen (Hosennestel = Schnürband).

Die Lesung der Hauptzutat rechhautt als Reh-Haut ist cross-source gesichert: die nahezu wortgleichen Schwestern rech hautt (mha-015) und rech haut (ri15632-017) trennen die Wörter im Transkript. Wer keine Wildhaut bekommt, verwendet ersatzweise kollagenreiche Kalbs- oder Schweineschwarte - das ist Ersatz, nicht die historische Zutat.

Praxis. Reh-Haut (ersatzweise ca. 500-700 g dicke Schweine-/Kalbsschwarte oder die Haut von 2-3 Kalbs-/Schweinefüßen) gut abbrühen und die Haare abschaben. Dann in reichlich leicht gesalzenem Wasser 2,5-3,5 Stunden leise köcheln, bis die Haut glasig-weich ist und sich sichtbar zusammenzieht; die Brühe wird deutlich klebrig (Geliertest: ein Tropfen auf einem kalten Teller wird zäh). Die weiche Haut in spannenlange, zwei Finger breite (ca. 3-4 cm) Streifen schneiden. Streifen mit etwas durchgeseihter, mit Salz und Würze abgeschmeckter Kochbrühe in eine Form schichten und kühl erstarren lassen. Funktion der Schritte: Abbrühen reinigt und enthaart, langes Sieden löst das Kollagen in Gelatine, das Kaltstellen lässt die Brühe zur schnittfesten Sülze gelieren.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-055-orig" n="von hosen nestel" resp="#fyndling">Hosennestel = Schnürband/Schnürriemen der mittelalterlichen Hose. Figürlicher Gerichtname: die spannenlangen, zweifingerbreiten Hautstreifen erinnern an Schnürsenkel. Der Zwilling im Meister-Hans-Korpus (mha-015) trägt denselben Titel 'Sullz von hosennestel'.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-055-orig" n="rechhautt" resp="#fyndling">rech hautt = Reh-Haut (mhd. reh = Reh). Die getrennt geschriebenen Schwester-Transkripte mha-015 ('Nym ain rech hautt') und ri15632-017 ('nym ein rech haut') sichern die Lesart. 'rech' ist eine dokumentierte Lesefalle dieses Korpus, nicht als Rebhuhn/Qualitätsangabe zu deuten.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-055-orig" n="prue" resp="#fyndling">Brühen/Abbrühen - hier zum Enthaaren der Haut ('das das her aus gee' = damit die Haare herausgehen).</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-055-orig" n="rimpft sy sich zw samen" resp="#fyndling">Zieht sich zusammen - die Haut schrumpft beim Sieden, während das Kollagen in Gelatine übergeht. Die Zwillinge formulieren 'schnirpfft' (mha-015) bzw. 'schrimpft' (ri15632-017).</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-055-orig" n="span" resp="#fyndling">Eine Spanne - altes Längenmaß, Abstand zwischen Daumen- und Kleinfingerspitze bei gespreizter Hand (ca. 20-25 cm).</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-055-orig" n="zbayr vinger praitt" resp="#fyndling">Zwei Finger breit (ca. 3-4 cm). 'zbayr' = zwei (bairisch b für w, vgl. zbey=zwei); identisch in mha-015 'czwaier vinger praitt' und ri15632-017 'czwayer vinger prayt'.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-055-orig" n="sulcz" resp="#fyndling">Sülze, Gallert, Aspik - in gelierter Brühe erstarrtes Gericht.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#m5919-055-orig" n="rechhautt" resp="#fyndling">Reh-Haut (mhd. reh = Reh). Die Lesart ist cross-source gesichert: die nahezu wortgleichen Zwillinge mha-015 ('Nym ain rech hautt') und ri15632-017 ('nym ein rech haut') trennen die Wörter im Transkript, rfk-015 spricht von 'einer rechun'. 'rech' ist eine im Korpus dokumentierte Lesefalle.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#m5919-055-orig" n="Sülzflüssigkeit (Salz/Essig/Gewürz)" resp="#fyndling">Erschlossen. Der knappe m5919-Text nennt - wie die Zwillinge mha-015 und ri15632-017 - nur Haut, Sieden und 'mach daraus ain gute sulcz'. Salz und Würze sind für eine 'gute Sülze' impliziert, aber im Text nicht ausgeschrieben.</note>
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