<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0">
  <teiHeader>
    <fileDesc>
      <titleStmt>
        <title>Dreifarbige Mandel-Sülze</title>
        <author>Anonymus</author>
        <respStmt>
          <resp>Modernisierung, Übersetzung, Anmerkungen</resp>
          <name xml:id="fyndling">Fyndling.de</name>
        </respStmt>
      </titleStmt>
      <publicationStmt>
        <publisher>Fyndling.de</publisher>
        <availability>
          <licence target="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/">CC BY-SA 4.0 (Übersetzung &amp; Anmerkungen)</licence>
        </availability>
        <date when="2026-07-06">2026-07-06</date>
        <idno type="url">https://fyndling.de/rezepte/m5919-057/</idno>
      </publicationStmt>
      <sourceDesc>
        <bibl>
          <title>München, Bayerische Staatsbibliothek, Cgm 5919</title>
          <date when="1505">1505</date>
          <idno type="URI">https://gams.uni-graz.at/o:corema.m9/TEI_SOURCE</idno>
          <note>Transkription: CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages, Helmut W. Klug (Hg.), Universität Graz, Ms. M9 (CC BY 4.0)</note>
        </bibl>
      </sourceDesc>
    </fileDesc>
    <encodingDesc>
      <schemaRef type="interchangeODD" url="https://fyndling.de/rezepte-data/tei/fyndling.odd"/>
      <schemaRef type="interchangeRNG" url="https://fyndling.de/rezepte-data/tei/fyndling.rng"/>
    </encodingDesc>
    <profileDesc>
      <langUsage>
        <language ident="fnhd">Frühneuhochdeutsch (mittelbairisch, Regensburg, um 1500-1510)</language>
        <language ident="de">Neuhochdeutsch (Übersetzung)</language>
      </langUsage>
    </profileDesc>
  </teiHeader>
  <text>
    <body>
      <div type="recipe" xml:id="m5919-057">
        <head>Dreifarbige Mandel-Sülze</head>
        <div type="original" xml:id="m5919-057-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#m5919-057-trans">
          <p>von ge sulecz mandel Wildu machen gesulcz mandel dy dreyerlay gestalt haben so nim hausen plater dy verseudt in wasser schon vnd nimm dan dick mandel milch vnd nimm dan das dritel der mandel milch darunter vnd zuchers woll ab das wirt dan ain gruene farb vnd nimm dy sen zbaytayl vnd seud In in ain ander vnd zuckers auch wol ab vnd las es dan sieden Nym der pfannen vnd geus ain tail also weys auf ain pfendel vnd dan das dritel mach gleich gelb vnd geus das auff ain pfandlein vnnd las es sten vnd seudt dan dy gruen varb auch In ain pfandlein vnd geus es dan auf ain pfannen also vnd las es sten das es hart wert also hastu dreyer lay varb gruen weis vnd gelb vnd hab es dann vber das feur pald vnd wider herab vnd schlag es vber ain panck vnd schneid es dan schach zaglatt vnd leg es dan auff dy schussel ain weyl weys ain weil gruen ain weil gelb pis das die schussel vol wirtt vnd es dan Enbeichtt</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="m5919-057-trans" xml:lang="de" corresp="#m5919-057-orig">
          <p>Willst du eine Mandel-Sülze in drei Farben zubereiten, so nimm Hausenblase und koche sie gut in Wasser ab. Nimm dann dicke Mandelmilch und teile sie in drei Teile. Den ersten Teil süße gut und färbe ihn grün - das ergibt die grüne Farbe. Nimm die übrigen zwei Drittel der Mandelmilch und koche sie in einem anderen Topf, süße sie gut und lasse sie sieden.</p>
          <p>Gieße einen Teil davon weiß auf ein flaches Pfännchen. Den zweiten Teil färbe gelb und gieße ihn ebenfalls auf ein Pfännchen. Lasse beides stehen, damit es fest wird. Koche dann auch die grüne Mandelmilch in einem Pfännchen auf und gieße sie auf eine Pfanne. Lasse alles stehen, bis es hart wird. So hast du drei Farben: grün, weiß und gelb.</p>
          <p>Halte es dann kurz über das Feuer und nimm es schnell wieder herunter, damit es sich vom Boden löst. Stürze es über eine Bank und schneide es schachbrettartig in Quadrate. Lege es dann abwechselnd auf die Schüssel: einmal weiß, einmal grün, einmal gelb, bis die Schüssel voll ist. Und richte es so an.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="hausen plater">Hausenblase</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="wasser">Wasser</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="dick mandel milch">Mandelmilch, dickflüssig</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="zuchers">Zucker</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="gruene farb">Petersilie (zum Grünfärben)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="gelb mach gleich gelb">Safran (zum Färben)</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
    </body>
    <back>
      <div type="annotations">
        <note type="preparation_tip" target="#m5919-057-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Eine dreifarbige, geschichtete Mandelmilch-Sülze - ein klassisches spätmittelalterliches Schaugericht für die Fastentafel. Mandelmilch (statt Milch) und Hausenblase (Fischblase statt Tier-Gelatine) machen es fastentauglich; die drei gelierten Farbschichten werden gestürzt, in Quadrate geschnitten und schachbrettartig neu angerichtet. Dasselbe Rezept wandert fast wortgleich durch den Korpus: koe-017 (Königsberger Kochbuch) und mha-261 (Meister Hans) sind direkte Zwillinge - sie sichern Ablauf, Grünfärbung (Petersilie) und Schnittform ab.

Grün aus gruene farb: Der bairische Schreiber nennt nur "grüne Farbe", ohne das Mittel zu benennen. Die beiden Zwillingsfassungen verwenden hier ausdrücklich fein gehackte Petersilie - die wahrscheinlichste historische Grünung. Gelb kommt aus Safran (im Fastenkontext, kein Eigelb).

Der Mittelteil geus Nym der pfannen ... gelb mach gleich gelb: Diese Stelle ist im Cgm 5919 verschrieben/dittographisch und für sich kaum lesbar. Die Schicht-Logik (alle drei Portionen einzeln aufkochen, süßen und je fest werden lassen) ist über die klarere Parallelfassung koe-017 rekonstruiert.

Schnittform schach zaglatt: Kompositum aus mhd. schâchzabel (Schachbrett) - also in Quadraten/Feldern geschnitten und farblich abwechselnd aufgelegt, wie die Felder eines Schachbretts. mha-261 annotiert die Parallelstelle ausdrücklich als "Schachbrettmuster".

Schlussformel Enbeichtt: Bedeutung unsicher (siehe Lesart-Hinweis).

Praxis. Ca. 600 ml sehr dicke Mandelmilch ansetzen, davon 1/3 für Grün, 2/3 für Weiß und Gelb; insgesamt ca. 60-80 g Zucker. Als Geliermittel statt Hausenblase Agar-Agar (ca. 1-2 g pro 250 ml, kurz aufkochen) - hitzestabil und schnittfest, hält die gestürzte Form und übersteht das kurze Anwärmen; Blattgelatine nur, wenn durchgehend kühl serviert wird. Jede Farbe einzeln aufkochen, süßen und in dünner Schicht in flache Pfännchen gießen, dann voll erkalten und fest werden lassen, bevor die nächste an die Reihe kommt. Zum Stürzen den Pfannenboden kurz übers Feuer halten (vber das feur pald vnd wider herab) und auf eine glatte Fläche/Bank kippen, in gleichmäßige Quadrate schneiden und farblich abwechselnd in die Schüssel schichten. Eine kleine Prise Salz balanciert die Süße.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-057-orig" n="hausen plater" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#hausen">Die Schwimmblase des Hausens (einer Störart), die als hochwertiges Geliermittel verwendet wurde. Sie ist heute schwer erhältlich und steht unter Artenschutz. Moderne Nachkocher verwenden Agar-Agar oder Gelatine.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-057-orig" n="dick mandel milch" resp="#fyndling">Eine eingedickte Mandelmilch, die durch langes Kochen oder die Zugabe von Reismehl oder Brotkrume eine cremigere Konsistenz erhält. Sie dient als Basis für viele weiße Speisen und war auch in der Fastenzeit erlaubt.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-057-orig" n="gruene farb" resp="#fyndling">Der Schreiber nennt nur "grüne Farbe". Die nahezu wortgleichen Parallelfassungen koe-017 (Königsberger Kochbuch) und mha-261 (Meister Hans) verwenden hier ausdrücklich fein gehackte Petersilie - die wahrscheinlichste historische Grünung (alternativ Spinat).</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-057-orig" n="gelb mach gleich gelb" resp="#fyndling">Die gelbe Farbe wurde mit Safran erzielt, einem sehr teuren Gewürz, das den Status des Gerichts unterstrich. Eigelb wäre im Fastenkontext nicht erlaubt; das Gericht ist mit Mandelmilch und Fisch-Hausenblase bewusst fastentauglich angelegt.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-057-orig" n="schach zaglatt" resp="#fyndling">Schachbrettartig: zu mhd. schâchzabel (Schachbrett). Die Sülze wird in gleichmäßige Quadrate geschnitten und farblich abwechselnd angeordnet wie die Felder eines Schachbretts. Die Parallelfassungen koe-017 ("schagzaglett") und mha-261 ("schaffczaglat") bestätigen die Lesart.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-057-orig" n="Enbeichtt" resp="#fyndling">Schlussformel, Bedeutung unsicher; vermutlich "anrichten/auftragen". Das Wort kommt im gesamten Korpus nur hier vor (Hapax) und ist für diesen bairischen Schreiber nicht eindeutig belegt; eine deutsche Eich-Edition zum Gegencheck fehlt. An derselben Position haben die Zwillingsfassungen andere Formeln (mha-261 "gib es hin zue essen", koe-017 "versalze nicht").</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#m5919-057-orig" n="zaglatt" resp="#fyndling">Als 'schachbrettartig / in Quadraten geschnitten' übersetzt: 'schach zaglatt' ist eine Adjektiv-/Adverbbildung zu mhd. schâchzabel (Schachbrett). Die Sülze wird in gleichmäßige Felder geschnitten und farblich abwechselnd angeordnet. Bestätigt durch den Drei-Quellen-Konsens (koe-017 'schagzaglett', mha-261 'schaffczaglat' = ausdrücklich Schachbrettmuster).</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#m5919-057-orig" n="Enbeichtt" resp="#fyndling">Vermutlich Schlussformel im Sinne von 'anrichten / auftragen' - positionell durch die Parallele mha-261 ('gib es hin zue essen') gestützt.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#m5919-057-orig" n="Mittelteil (geus Nym der pfannen ... gelb mach gleich gelb)" resp="#fyndling">Alle drei Farbportionen werden einzeln aufgekocht, gesüßt und nacheinander in dünnen Schichten gegossen und je fest werden gelassen.</note>
      </div>
    </back>
  </text>
</TEI>
