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        <title>Geschmorte Gans mit Knoblauch-Safran-Milch</title>
        <author>Anonymus</author>
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          <resp>Modernisierung, Übersetzung, Anmerkungen</resp>
          <name xml:id="fyndling">Fyndling.de</name>
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        <publisher>Fyndling.de</publisher>
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        <date when="2026-06-23">2026-06-23</date>
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          <title>München, Bayerische Staatsbibliothek, Cgm 5919</title>
          <date when="1505">1505</date>
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          <note>Transkription: CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages, Helmut W. Klug (Hg.), Universität Graz, Ms. M9 (CC BY 4.0)</note>
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        <language ident="fnhd">Frühneuhochdeutsch (mittelbairisch, Regensburg, um 1500-1510)</language>
        <language ident="de">Neuhochdeutsch (Übersetzung)</language>
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      <div type="recipe" xml:id="m5919-070">
        <head>Geschmorte Gans mit Knoblauch-Safran-Milch</head>
        <div type="original" xml:id="m5919-070-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#m5919-070-trans">
          <p>Von den gensen merck Ein gancze gans dan das der dros abgeschnten sey dy steck in ainen engen erdein copff geus wasser darauf das sy pedeckt sey las sy vnten aus syden auf ainem trifues mach vor den copf das der proden nicht aus gee schir zw ain clain feur las sy sieden das sy vil nahent nach trueg werdt doch nym gar suesse milch vnd vj totter vnd zbay haupt knoflichs dicz mall zw samen vnd las es mit der gens sieden vnd saffran vnd gib es gancz hin</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="m5919-070-trans" xml:lang="de" corresp="#m5919-070-orig">
          <p>Nimm eine ganze Gans, deren Schlund (Kehle/Kropf) abgeschnitten ist und die so schlachtfertig ausgenommen wurde. Stecke sie in einen engen, irdenen Topf. Gieße Wasser darüber, sodass die Gans vollständig bedeckt ist.</p>
          <p>Lass die Gans auf einem Dreifuß über kleinem Feuer von unten her langsam sieden. Dichte den Topf gut ab, damit der Dampf nicht entweicht. Schüre nur ein schwaches Feuer, sodass die Gans langsam köchelt, bis sie beinahe trocken (der Sud fast vollständig eingekocht) ist.</p>
          <p>Nimm derweil frische süße (nicht saure) Milch, sechs Eigelb und zwei Knoblauchköpfe. Verarbeite dies alles zusammen und gib es mit Safran zur Gans. Lass es nochmals mit der Gans aufwallen und trage das Gericht dann im Ganzen auf.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Ein gancze gans">Gans</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="wasser">Wasser</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="gar suesse milch">Milch (frisch)</ingredient>
            </item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="vj totter">Eigelb</ingredient> - 6</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="zbay haupt knoflichs">Knoblauchköpfe</ingredient> - 2</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="saffran">Safran</ingredient>
            </item>
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      </div>
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      <div type="annotations">
        <note type="preparation_tip" target="#m5919-070-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Eine ganze Gans, langsam im Topf weichgeschmort, bis der Sud fast eingekocht ist, und zum Schluss mit einer cremigen Liaison aus Milch, Eigelb, Knoblauch und Safran übergossen - im Grunde ein frühes Gänse-Frikassee. Es ist die bairische Redaktion eines weit verbreiteten Rezepts: das Buch von guter Speise überliefert mit bgs-042 nahezu denselben Text Satz für Satz, die mittelniederländische Edelike Spijse (wes-029) dieselbe Sauce-Logik (Gans + Safran + Knoblauch/Lauch + sechs Eigelb + Milch zusammen aufgekocht). Lebt heute weiter im klassischen Geflügelfrikassee und in jeder mit Eigelb gebundenen hellen Sauce.

Die Stelle dicz mall zw samen wird oft zu "zerstoße alles zu einer feinen Paste" zugespitzt - das gibt der Text aber nicht her. Der Paralleltext bgs-042 ist hier präziser: dort werden nur die Knoblauchköpfe (mit etwas Salz) gestoßen und dann mit der Milch vermengt - Milch und Eigelb werden nicht mitzerstoßen. Es geht also um ein Zusammenfügen/Verrühren der Zutaten, nicht um ein Pürieren der ganzen Mischung.

gar suesse milch meint nicht "besonders süße" (gezuckerte) Milch, sondern - wie in spätmittelalterlichen Kochtexten üblich - frische, nicht saure Milch (Gegensatz zu Sauer-/Buttermilch). Bei einem herzhaften Knoblauch-Safran-Gericht ist das auch kulinarisch die einzig sinnvolle Lesart.

Praxis. Gans (2-3 kg) im engen Topf knapp mit Wasser bedecken und über schwacher Glut langsam köcheln, bis das Fleisch gar und der Sud fast eingekocht ist - das konzentriert den Geschmack. Für die Sauce zwei Knoblauchköpfe schälen und mit etwas Salz zu einer Paste stoßen (Salz nennt das Original nicht, vgl. aber bgs-042 - ohne Salz bleibt die Paste stückig und beißend), mit etwa 400-500 ml frischer Vollmilch und sechs Eigelb verrühren, den Safran vorab in der warmen Milch ziehen lassen. Diese Liaison erst kurz vorm Servieren über die heiße Gans geben, den Topf von der starken Hitze ziehen und nur einmal sanft aufwallen lassen, sonst krümelt das Eigelb. Ein Spritzer Verjus oder Weißwein nimmt der Sauce die Schwere.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-070-orig" n="kappauner" resp="#fyndling">Ein Kapaun ist ein kastrierter, gemästeter Hahn mit besonders zartem, fettreichem Fleisch; er galt als Luxusgeflügel. Steht hier nur als Sammel-Rubrik über dem Geflügel-Abschnitt (Von dem kappauner Von den gensen) - das Rezept selbst behandelt durchgehend die Gans.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-070-orig" n="dros" resp="#fyndling">Frühneuhochdeutsch ‚Droß/Drossel‘ = Kehle, Schlund bzw. Kropf des Geflügels. ‚der dros abgeschnten‘ meint die schlachtfertige Vorbereitung (ausgenommen). Da zu Cgm 5919 keine deutsche Eich-Edition existiert, bleibt die exakte anatomische Zuordnung (Kehle beim Schlachten vs. Schlund/Kropf beim Ausnehmen) unsicher; sachlich folgenlos.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-070-orig" n="erdein copff" resp="#fyndling">Ein irdener Topf aus Ton oder Keramik. ‚Copff‘ ist eine ältere Form von Topf.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-070-orig" n="trifues" resp="#fyndling">Ein Dreifuß, ein Gestell, um den Topf über dem Feuer zu platzieren und die Hitze zu regulieren.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-070-orig" n="proden" resp="#fyndling">Hier Brüden / Dampf - das Abdichten soll das Entweichen des Dampfes verhindern. Der wortgleiche Paralleltext bgs-042 (Buch von guter Speise) bestätigt die Lesart eindeutig: dort steht ‚daz der bradem iht vz ge‘. Typische Lesefalle dieses Schreibers (b für br/w).</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-070-orig" n="trueg" resp="#fyndling">Mittelhochdeutsch ‚truoc‘ = trocken, hier ‚stark reduziert / fast eingekocht‘. Durch bgs-042 (‚biz sie vilnach trucken si‘) cross-source eindeutig belegt.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-070-orig" n="totter" resp="#fyndling">Dotter, also das Eigelb.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-070-orig" n="knoflichs" resp="#fyndling">Knoblauch. ‚haupt knoflichs‘ = Knoblauchköpfe (zwei ganze Köpfe sind eine kräftige, aber zeittypische Dosierung).</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#m5919-070-orig" n="dros abgeschnten" resp="#fyndling">Schlund/Kropf entfernt - die Gans ist küchenfertig ausgenommen und vorbereitet.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#m5919-070-orig" n="mall zw samen" resp="#fyndling">Die Zutaten zusammenfügen / verrühren (Knoblauch stoßen, dann mit Milch und Eigelb mengen).</note>
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