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        <title>Mörserkuchen (Fasttagsspeise)</title>
        <author>Anonymus</author>
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          <resp>Modernisierung, Übersetzung, Anmerkungen</resp>
          <name xml:id="fyndling">Fyndling.de</name>
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        <publisher>Fyndling.de</publisher>
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        <date when="2026-06-25">2026-06-25</date>
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          <title>München, Bayerische Staatsbibliothek, Cgm 5919</title>
          <date when="1505">1505</date>
          <idno type="URI">https://gams.uni-graz.at/o:corema.m9/TEI_SOURCE</idno>
          <note>Transkription: CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages, Helmut W. Klug (Hg.), Universität Graz, Ms. M9 (CC BY 4.0)</note>
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        <language ident="fnhd">Frühneuhochdeutsch (mittelbairisch, Regensburg, um 1500-1510)</language>
        <language ident="de">Neuhochdeutsch (Übersetzung)</language>
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      <div type="recipe" xml:id="m5919-097">
        <head>Mörserkuchen (Fasttagsspeise)</head>
        <div type="original" xml:id="m5919-097-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#m5919-097-trans">
          <p>Wildu machen morser kuchenn So reib semel vnd schlag ayr darein vnd thue dan schmalcz In den morser vnd secz In auff ain glut geus es dan dar ein vnd las es pachen vnd wan Es gepachen ist so sch= neid Es zw scheiben vnd gib es dan hin weg das ist gut an dem vastag</p>
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        <div type="translation" xml:id="m5919-097-trans" xml:lang="de" corresp="#m5919-097-orig">
          <p>Willst du Mörserkuchen zubereiten:</p>
          <p>Reibe Semmel und schlage Eier hinein. Gib dann Schmalz in den Mörser und setze ihn auf eine Glut. Gieße die Semmel-Ei-Mischung hinein und lasse es backen. Wenn es gebacken ist, schneide es in Scheiben und serviere es. Das ist gut an einem Fastentag.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
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              <ingredient en="" commodity="" orig="semel">Semmel</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="ayr">Eier</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="schmalcz">Schmalz</ingredient>
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      <div type="annotations">
        <note type="preparation_tip" target="#m5919-097-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Eine herzhafte Brot-Ei-Schnitte: reine Semmel-Ei-Masse, im gefetteten Mörser auf der Glut gestockt und in Scheiben geschnitten. Es ist die fleischlose Schwester der Geflügel-Pastete m5919-096 (gleiche Folio, gleiche Technik, aber mit Hühnerbrät) und die fast wortgleiche Parallele zum Königsberger Mörserkuchen koe-021 - der Schreiber hat hier nur Würze und Färbung weggelassen.

Backgefäß statt Stoßgefäß. Das fnhd morser ist hier kein Werkzeug zum Zerstoßen, sondern das feuerfeste Backgefäß: der schwere Stein- oder Metallmörser wird auf die Glut gesetzt und dient als Ofen-Ersatz. Secz In auff ain glut und das abschließende zw scheiben schneiden belegen eine feste, gestockte Masse - kein Brei.

Fleischlos für den vastag. Die Quelle sagt das ist gut an dem vastag - gut an einem einzelnen Fasttag, nicht für die ganze Fastenzeit. Fasten hieß in der Praxis vor allem fleischlos; Eier und schmalcz (Schweineschmalz als Backfett) waren an gewöhnlichen Fasttagen toleriert. Genau deshalb steht diese fleischlose Variante neben der Geflügel-Schwester.

Praxis. Modern in einer gefetteten Auflaufform oder gusseisernen Pfanne: eine Handvoll Semmelbrösel oder -würfel (altbackenes Weißbrot bindet besser) mit etwa 4-6 Eiern verrühren, bei rund 180 °C goldgelb stocken lassen, auskühlen, in Scheiben schneiden. Mengen nennt das Original wie alle Mörserkuchen-Twins nicht. Auf offener Glut den Topf an den Rand des Glutbetts oder auf eine dünne Aschenschicht stellen und gegebenenfalls Glut auf den Deckel geben (Oberhitze wie beim Dutch Oven) - sonst brennt der Boden an, bevor die Mitte stockt.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-097-orig" n="semel" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#semel">Geriebene Semmel oder Weißbrotkrume, die als Bindemittel und zur Texturgebung dient. Eine im Spätmittelalter gängige Zutat, um Speisen zu binden.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-097-orig" n="morser" resp="#fyndling">Im mittelalterlichen Kochkontext ist ein 'Mörser' oft ein großer Fleischmörser aus Stein oder Metall, der als Küchengerät zum Zerstoßen diente. Hier wird er jedoch als feuerfestes Backgefäß genutzt - vergleichbar einem gusseisernen Topf oder Dutch Oven.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-097-orig" n="glut" resp="#fyndling">Glühende Kohlen oder Asche, auf die der Mörser zum Backen gesetzt wird. Dies entspricht dem Backen im Dutch Oven oder feuerfesten Topf am Feuer oder auf einer Kochstelle.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-097-orig" n="vastag" resp="#fyndling">Fasttag, ein einzelner Abstinenztag - nicht die gesamte Fastenzeit. An gewöhnlichen Fasttagen (Freitage, Quatember, Vigilien) bedeutete fasten in der spätmittelalterlichen Praxis vor allem fleischlos; Eier, Milchprodukte und Fett waren weithin toleriert. Diese fleischlose Semmel-Ei-Variante ist daher genau das passende Fasttagsgericht - im Gegensatz zur Geflügel-Schwester m5919-096.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#m5919-097-orig" n="morser kuchenn" resp="#fyndling">Mörserkuchen. Der Mörser wird hier als Backgefäß genutzt, nicht zum Zerstoßen von Zutaten.</note>
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