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        <title>Drei Zubereitungen von einem Hecht</title>
        <author>Anonymus</author>
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          <resp>Modernisierung, Übersetzung, Anmerkungen</resp>
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        <publisher>Fyndling.de</publisher>
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        <date when="2026-06-25">2026-06-25</date>
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          <title>München, Bayerische Staatsbibliothek, Cgm 5919</title>
          <date when="1505">1505</date>
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          <note>Transkription: CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages, Helmut W. Klug (Hg.), Universität Graz, Ms. M9 (CC BY 4.0)</note>
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        <language ident="fnhd">Frühneuhochdeutsch (mittelbairisch, Regensburg, um 1500-1510)</language>
        <language ident="de">Neuhochdeutsch (Übersetzung)</language>
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      <div type="recipe" xml:id="m5919-102">
        <head>Drei Zubereitungen von einem Hecht</head>
        <div type="original" xml:id="m5919-102-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#m5919-102-trans">
          <p>Wildu machen dreyr lay essen von ainem vischen Von ainem visch das der visch denoch gancz sey So nym ainen hecht vnd schlag vmb das mitel tayl ain nas tuch vnd leg In dan auf ain rast vnd salcz In vnd las in praten vnd des fadertail des kops das pegeus mitt hayssem schmalcz vnd pespreng es mit melb vnd das thuch pegeus fursich dar mit hayssem wein vnd das hinter taill das prett sich selber auff dem rost vnd ain gute salssen dar zue</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="m5919-102-trans" xml:lang="de" corresp="#m5919-102-orig">
          <p>Willst du drei Arten von Speisen aus einem einzigen Fisch zubereiten, sodass der Fisch am Ende dennoch ganz erscheint?</p>
          <p>Nimm einen Hecht und schlage um das Mittelteil ein nasses Tuch. Lege den Fisch dann auf einen Rost, salze ihn und lasse ihn braten. Das vordere Teil mit dem Kopf übergieße mit heißem Schmalz und bestreue es mit Mehl. Das Tuch begieße fortwährend mit heißem Wein. Das hintere Teil brät sich selbst auf dem Rost. Serviere dazu eine gute Sauce.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
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              <ingredient en="" commodity="" orig="ainem vischen">Hecht</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="nas tuch">Nasses Tuch</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="salcz">Salz</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="hayssem schmalcz">Heißes Schmalz</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="melb">Mehl</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="hayssem wein">Heißer Wein</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="gute salssen">Sauce</ingredient>
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        <note type="preparation_tip" target="#m5919-102-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein Schaugericht der Festtafel: Ein einziger ganzer Hecht wird so gegart, dass drei verschiedene Zubereitungen an demselben Fisch zu sehen sind und der Fisch dennoch ganz bleibt. Das ist der mittelbairische Vertreter eines europaweit verbreiteten Typus - die nächsten Verwandten sind Fisch auf dreierlei Art (Meister Hans) und Fisch auf dreierlei Art (Rheinfränkisch), die Schritt für Schritt fast wortgleich sind. Dazu der vierfache Hecht der Koch- und Kellermeisterei, der dreifach zubereitete ganze Fisch bei Martino und die Neunaugen auf dreierlei Art.

Drei Zonen an einem Fisch. Anders als die meisten Verwandten, die den Fisch in Stücke zerteilen, bleibt der Hecht hier ganz und wird über seine Länge zonenweise behandelt. Das Mittelteil bekommt ein nasses Tuch umgewickelt, das Vorderteil mit dem Kopf wird mit Schmalz und Mehl versehen, das Hinterteil brät schlicht.

Das nasse Tuch und der heiße Wein. Das nas tuch um die Mitte, zusätzlich fursich (fortwährend, immer wieder) mit heißem Wein begossen, hält das Mittelstück feucht und gart es im Dampf - ein Vorläufer des Garens en papillote, der das Fleisch zugleich von außen würzt. fursich ist hier nicht „vorsichtig", sondern „fortwährend/immer weiter": die Anweisung ist technisch, das Tuch darf nicht trocken werden.

Schmalz und Mehl am Kopf. Das fadertail des kops (Vorderteil mit Kopf) wird mit heißem Schmalz übergossen und mit Mehl bestreut. Das knochige, magere Kopfstück bekommt so eine schützende Kruste, bräunt und trocknet nicht aus. Dieselbe Schmalz-Mehl-Behandlung steht fast wörtlich beim zweiten Stück in mha-279 und rfk-070 - kein Konfit, sondern eine Krusten- und Schutztechnik.

Praxis. Die drei Zonen liegen gleichzeitig am selben Fisch auf dem Rost und brauchen unterschiedliche Hitze, was anspruchsvoller ist als das Stück-für-Stück-Garen der Verwandten. Bewährt hat sich die Lösung aus mar-265: flache Steine unter den Rost legen, sodass die volle Glut nur unter das Mittelteil kommt, während Vorder- und Hinterteil mildere Hitze bekommen. Den heißen Wein in einem Topf am Feuer bereithalten und das Tuch immer wieder begießen, solange der Fisch gart.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-102-orig" n="rast" resp="#fyndling">Ein Rost, oft aus Holz, auf dem Speisen über Glut gegart wurden. Siehe auch die Grundlagen-Seite zu hölzernen Rosten.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-102-orig" n="salcz In vnd las in praten" resp="#fyndling">Hier als Verben zu lesen: „salze ihn und lass ihn braten".</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-102-orig" n="pegeus" resp="#fyndling">Eine mittelbairische Form von „begieße" (p für b).</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-102-orig" n="fursich" resp="#fyndling">Hier „fortwährend, immer wieder", nicht „vorsichtig". Das nasse Tuch wird laufend mit heißem Wein begossen, damit es feucht bleibt und das Mittelstück weiter dämpft.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-102-orig" n="melb" resp="#fyndling">Eine mittelbairische Form von „Mehl".</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-102-orig" n="salssen" resp="#fyndling">Salse - eine Würzsauce als Begleitung zum Gericht.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#m5919-102-orig" n="dreyr lay" resp="#fyndling">‚dreierlei‘ oder ‚drei Arten von‘. Die Endung ‚-yr‘ ist eine mittelbairische Schreibvariante für ‚-er‘.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#m5919-102-orig" n="fursich" resp="#fyndling">‚fortwährend / immer weiter‘. Das Tuch wird laufend mit heißem Wein begossen, damit es feucht bleibt und das Mittelstück weiter dämpft - eine technische Garanweisung.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#m5919-102-orig" n="fadertail" resp="#fyndling">‚Vorderteil‘. Die Schreibweise ‚fader-‘ statt ‚vorder-‘ ist eine mittelbairische Lautvariante, bei der ‚f‘ für ‚v‘ steht; gemeint ist der vordere Teil mit dem Kopf.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#m5919-102-orig" n="pespreng" resp="#fyndling">‚bestreue‘. Die Schreibweise ‚pespreng‘ ist eine mittelbairische Variante von ‚besprengen‘ oder ‚bestreuen‘, wobei ‚p‘ für ‚b‘ steht.</note>
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