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        <title>Grüne Mai-Kräutersalse</title>
        <author>Anonymus</author>
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          <resp>Modernisierung, Übersetzung, Anmerkungen</resp>
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        <publisher>Fyndling.de</publisher>
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          <title>München, Bayerische Staatsbibliothek, Cgm 811</title>
          <date when="1440">1440</date>
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          <note>Transkription: CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages, Helmut W. Klug (Hg.), Universität Graz, Ms. M7 (CC BY 4.0, hdl.handle.net/11471/562.10)</note>
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        <language ident="fnhd">Frühneuhochdeutsch (ostschwäbisch-bairisch, Liederbuch des Jakob Käbitz)</language>
        <language ident="de">Neuhochdeutsch (Übersetzung)</language>
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      <div type="recipe" xml:id="m811-003">
        <head>Grüne Mai-Kräutersalse</head>
        <div type="original" xml:id="m811-003-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#m811-003-trans">
          <p>Wiltu machen ein gut maysche selcz so nym peterlein vnd pfeffer krawt vnd salway vnd iung piessen pleter vnd hack das gar klain vnder ein ander vnd an dem morgen frue so fach den tau auff ein tuoch vnd leg das krawt dar ein vnd tuo es denn in ein muoltern vnd ses secz es an dye sunnen so uerleusset es den taw vnd la eß trucken werden als ein geppupp vnd tuo eß denn in ein plater vnd wan du wilt in dem iar so gegen der schrat elsen mit der selchen so necz esz ab mit wein oder mit essig als ein ander selßen</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="m811-003-trans" xml:lang="de" corresp="#m811-003-orig">
          <p>Willst du eine gute Mai-Salse zubereiten, so nimm Petersilie, Pfefferkraut, Salbei und junge Mangoldblätter. Hacke dies alles sehr fein untereinander.</p>
          <p>Am frühen Morgen fange den Tau auf ein Tuch und lege die Kräuter hinein. Gib es dann in einen Trog und setze es in die Sonne, damit es den Tau verliert und wie ein trockenes Gestäube wird. Gib es dann in eine Blase.</p>
          <p>Wann immer du im Jahr damit essen möchtest, so befeuchte das Kräuterpulver mit Wein oder mit Essig, wie du es auch mit einer anderen Salse tun würdest.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
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              <ingredient en="" commodity="" orig="peterlein">Petersilie</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="pfeffer krawt">Bohnenkraut</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="salway">Salbei</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="iung piessen pleter">Junge Mangoldblätter</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="tau">Morgentau</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="wein oder essig">Wein</ingredient>
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      <div type="annotations">
        <note type="preparation_tip" target="#m811-003-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Eine getrocknete grüne Kräuterwürze auf Vorrat - eine 'Mai-Salse'. Junge Frühlingskräuter (Petersilie, Bohnenkraut/Pfefferkraut, Salbei und junge Mangoldblätter) werden fein gehackt, mit aufgefangenem Morgentau angesetzt, in der Sonne zu einem trockenen Pulver ('Gestäube') getrocknet und in einer Blase aufbewahrt. Bei Bedarf rührt man das Pulver mit Wein oder Essig zur frischen Salse an - mittelalterliches 'Instant'-Kräutergrün für die kräuterlose Jahreszeit.

Der Morgentau dient zum Anfeuchten und Reinigen der Kräuter (mit volkstümlich-symbolischem Beiklang); ersetzbar durch sauberes bzw. destilliertes Wasser.

Praxis. Kräuter sehr fein hacken, leicht befeuchten, dünn ausgebreitet in einem Trog oder auf einem Tuch der Sonne aussetzen (oder im Dörrgerät bei niedriger Temperatur), bis sie vollständig durchtrocknen und von selbst zu einem krümeligen Pulver zerfallen; luftdicht aufbewahren. Zum Servieren mit Wein oder Essig zu einer Salse anrühren.</note>
        <note type="gloss" target="#m811-003-orig" n="selcz" resp="#fyndling">Mittelhochdeutsch für ‚Salse‘ oder ‚Sauce‘, eine würzige Tunke, oft fruchtig-sauer, die zu Fleisch oder Fisch gereicht wird. Nicht zu verwechseln mit ‚Sülze‘.</note>
        <note type="gloss" target="#m811-003-orig" n="muoltern" resp="#fyndling">Ein Trog oder eine Mulde, wie er sonst zum Kneten von Teig oder Reinigen von Getreide verwendet wurde. Hier dient er lediglich als flaches Gefäß, in das die angefeuchteten Kräuter zum Trocknen in die Sonne gestellt werden - kein Mörser und keine Stoß- oder Reibhandlung.</note>
        <note type="gloss" target="#m811-003-orig" n="geppupp" resp="#fyndling">Ein ‚Gestäube‘, also ein trockenes Pulver oder feiner Staub. Hier bezieht es sich auf die in der Sonne getrockneten Kräuter, die von selbst krümelig werden.</note>
        <note type="gloss" target="#m811-003-orig" n="plater" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#plater">Eine ‚Blase‘, meist eine Schweinsblase, die im Mittelalter als luftdichter Behälter zur Aufbewahrung von Pulvern, Pasten oder Flüssigkeiten diente.</note>
        <note type="gloss" target="#m811-003-orig" n="pfeffer krawt" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#pfeffer">Trotz des Namens nicht das Gewürz Pfeffer, sondern ein Gartenkraut (Bohnenkraut, Satureja hortensis), das im Mittelalter oft als Ersatz für den teuren, nicht immer verfügbaren echten Pfeffer diente.</note>
        <note type="gloss" target="#m811-003-orig" n="gegen der schrat elsen" resp="#fyndling">Eine im Original verderbte Stelle, die in der gesamten Parallelüberlieferung als unverständlich gilt bzw. dort fehlt. Sinngemäß: ‚wann immer du im Jahr davon essen willst‘ - der genaue Wortlaut bleibt ungeklärt.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#m811-003-orig" n="gegen der schrat elsen" resp="#fyndling">Verderbte, in der gesamten Parallelüberlieferung als unverständlich geltende Stelle (fehlt dort ganz). Sinngemäß: ‚wann immer du im Jahr davon essen willst‘.</note>
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