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        <title>Weichsel-Latwerge mit Honig und Brot</title>
        <author>Anonymus</author>
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          <resp>Modernisierung, Übersetzung, Anmerkungen</resp>
          <name xml:id="fyndling">Fyndling.de</name>
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        <publisher>Fyndling.de</publisher>
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        <date when="2026-07-23">2026-07-23</date>
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          <title>München, Bayerische Staatsbibliothek, Cgm 811</title>
          <date when="1440">1440</date>
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          <note>Transkription: CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages, Helmut W. Klug (Hg.), Universität Graz, Ms. M7 (CC BY 4.0, hdl.handle.net/11471/562.10)</note>
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        <language ident="fnhd">Frühneuhochdeutsch (ostschwäbisch-bairisch, Liederbuch des Jakob Käbitz)</language>
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      <div type="recipe" xml:id="m811-004">
        <head>Weichsel-Latwerge mit Honig und Brot</head>
        <div type="original" xml:id="m811-004-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#m811-004-trans">
          <p>Wiltu machen guot latwerg uon weich seln so tue sy jn ein hafen vnd secz in auff ein guot gluot vnd geuß nit dar an vnd wen eß seydent wirt so laß eß kalt werden vnd streich es durch ein duoch vnd tuo es in ein kessel vnd secz es auff einen trifuß vnd tuo es ein guot gluot dar vnder vnd las eß syeden piß es dick wirt vnd tuo den dar ein honig vnd geribens prot vnd wrcz es wol vnd rur es piß es dick wirt et sufficit</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="m811-004-trans" xml:lang="de" corresp="#m811-004-orig">
          <p>Willst du eine gute Latwerge von Weichseln zubereiten, so gib die Sauerkirschen in einen Topf und setze diesen auf gute Glut, ohne Flüssigkeit hinzuzufügen. Wenn es zu sieden beginnt, lass es abkühlen.</p>
          <p>Danach streiche das Mus durch ein Tuch. Gib das passierte Mus in einen Kessel und setze diesen auf einen Dreifuß. Lege gute Glut darunter und lass es sieden, bis es dick wird.</p>
          <p>Füge dann Honig und geriebenes Brot hinzu und würze es gut. Rühre es, bis es dick wird. Und das genügt.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
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              <ingredient en="" commodity="" orig="weich seln">Sauerkirschen</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="honig">Honig</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="geribens prot">Geriebenes Brot</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="wrcz es wol">Gewürze</ingredient>
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      <div type="annotations">
        <note type="preparation_tip" target="#m811-004-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Eine Weichsel-Latwerge - ein dick eingekochtes, passiertes Sauerkirsch-Mus zum Aufbewahren, mit Honig gesüßt und mit geriebenem Brot gebunden. Eng verwandt mit der Tegernseer Kirschen-Latwerge (m725-010) und mit einer fast textgleichen Fassung im Kloster Rott am Inn (Clm 15632) - näher an heutigem Powidl oder Lekvar als an einer modernen, mit Gelierzucker gebundenen Marmelade.

Zwei Stufen. Zuerst die Weichseln ohne Zugabe von Flüssigkeit auf der Glut weich ziehen lassen (sie geben selbst Saft ab), abkühlen lassen und erst dann durch ein Tuch streichen - dabei werden Kerne und Häute in diesem einen Arbeitsgang entfernt. Danach das passierte Mus im Kessel über Glut erneut dick einkochen, mit Honig süßen, mit geriebenem Brot binden, würzen und rühren, bis es dick steht. „et sufficit“ - das genügt.

Praxis. Sauerkirschen ohne Wasserzugabe sanft erhitzen, bis sie weich sind und selbst Saft ziehen; abkühlen lassen und durch ein Tuch streichen (dabei werden Kerne und Schalen zugleich entfernt). Das Mus erneut über Glut oder auf kleiner Flamme einkochen, mit Honig und etwas geriebenem, trockenem Brot binden, mit den üblichen süßen Gewürzen abschmecken und rühren, bis es löffelfest ist.</note>
        <note type="gloss" target="#m811-004-orig" n="Latwerg" resp="#fyndling">Eine Art dickes Fruchtmus oder Konfitüre, oft gesüßt und gewürzt, die im Mittelalter als Süßspeise oder Beilage serviert wurde. In diesem Rezept (Cgm 811) und in der eng verwandten Fassung Clm 15632 als „latwerg/latwäring“ bezeichnet - die meisten anderen Textzeugen derselben Rezeptfamilie nennen dieselbe Zubereitung „salse“ (Soße), was auf eine fließende Grenze zwischen süßer Latwerge und würziger Fleischsoße in dieser Rezeptgruppe hindeutet.</note>
        <note type="gloss" target="#m811-004-orig" n="Weichseln" resp="#fyndling">Sauerkirschen, die im Mittelalter häufig für Mus, Latwergen und Saucen verwendet wurden.</note>
        <note type="gloss" target="#m811-004-orig" n="hafen" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#hafen">Ein Kochtopf, meist aus Keramik oder Metall.</note>
        <note type="gloss" target="#m811-004-orig" n="gluot" resp="#fyndling">Glühende Holzkohle oder Asche, die als Wärmequelle dient.</note>
        <note type="gloss" target="#m811-004-orig" n="duoch" resp="#fyndling">Ein Leinentuch zum Passieren von Flüssigkeiten oder Mus.</note>
        <note type="gloss" target="#m811-004-orig" n="trifuß" resp="#fyndling">Ein dreibeiniger Ständer, auf dem ein Kessel über dem Feuer oder der Glut platziert wird.</note>
        <note type="gloss" target="#m811-004-orig" n="geribens prot" resp="#fyndling">Fein geriebenes, oft getrocknetes Brot, das als Bindemittel und Geschmacksgeber verwendet wird.</note>
        <note type="gloss" target="#m811-004-orig" n="wrcz es wol" resp="#fyndling">Die genaue Gewürzmischung ist nicht angegeben, aber typisch für süße Latwergen wären Zimt, Nelken, Ingwer oder Muskat.</note>
        <note type="gloss" target="#m811-004-orig" n="et sufficit" resp="#fyndling">Lateinisch für „und es genügt“, eine häufige Abschlussformel in mittelalterlichen Rezepten.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#m811-004-orig" n="wrcz es wol" resp="#fyndling">Die Anweisung „würze es gut“ wurde als Aufforderung verstanden, die Latwerge mit den im Mittelalter üblichen süßen Gewürzen zu verfeinern.</note>
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