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        <title>Fleisch schön sieden</title>
        <author>Anonymus</author>
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          <resp>Modernisierung, Übersetzung, Anmerkungen</resp>
          <name xml:id="fyndling">Fyndling.de</name>
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        <publisher>Fyndling.de</publisher>
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        <date when="2026-07-06">2026-07-06</date>
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          <title>Libro de arte coquinaria</title>
          <date when="1465">1465</date>
          <idno type="URI">https://www.uni-giessen.de/de/fbz/fb05/germanistik/absprache/sprachverwendung/gloning/tx/martino2.htm</idno>
          <note>Transkription: Thomas Gloning / Valeria Romanelli, Universität Giessen (Digitale Edition 2004)</note>
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        <language ident="it-med">Frühitalienisch (15. Jh.)</language>
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      <div type="recipe" xml:id="mar-003">
        <head>Fleisch schön sieden</head>
        <div type="original" xml:id="mar-003-orig" xml:lang="it-med" corresp="#mar-003-trans">
          <p>Per haver ogni carne bella allesso.

Chi vole haver bella carne allesso la deve dividere in pezi come gli piace, et porla a mollo in aqua fresca per spatio de una hora, poi lavarla bene con aqua calda, et poi iterum con aqua fresca, et ponerla al foco in un caldaro dove non stia a stretto aziò che rimanghi più bianca. Poi gli devi ponere el sale secondo che è necessario, et schiumarla bene sopratutto; et se il sale non fosse netto, ponilo in una pocha d'acqua calda, che in breve spatio serrà dileguato, et converso in salimora, la quale come sia rasectata se potrà poner nel caldaro pianamente, aziò che non ve andassi la terra, che serrà sul fondo; et se la carne fusse vecchia et dura, specialmente cappone et gallina, cavala parechie volte da l'aqua bollente, et rinfredala ne l'aqua fresca, et in questo modo serrà più bella et più presto cotta.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mar-003-trans" xml:lang="de" corresp="#mar-003-orig">
          <p>Wer schönes gesottenes Fleisch haben möchte, teile es in Stücke nach Belieben und lege es für eine Stunde in frisches Wasser ein. Danach wasche es gut mit heißem Wasser und dann nochmals mit frischem Wasser. Setze es dann in einem Topf auf das Feuer, wo es nicht zu eng liegt, damit es weißer bleibt. Gib dann Salz hinzu, wie es nötig ist, und schäume es vor allem gut ab. Und falls das Salz nicht rein ist, gib es in etwas heißes Wasser; in kurzer Zeit wird es sich aufgelöst und in Salzlake verwandelt haben. Diese kannst du, sobald sie sich geklärt hat, vorsichtig in den Topf geben, damit die Erde, die sich am Boden abgesetzt hat, nicht hineingelangt. Und falls das Fleisch alt und zäh ist, besonders bei Kapaun und Huhn, nimm es mehrmals aus dem kochenden Wasser und kühle es in frischem Wasser ab. Auf diese Weise wird es schöner und schneller gar.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
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              <ingredient en="" commodity="" orig="ogni carne">Fleisch</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="aqua fresca">Frisches Wasser</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="aqua calda">Heißes Wasser</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="el sale">Salz</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="cappone et gallina">Kapaun oder Huhn</ingredient>
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      <div type="annotations">
        <note type="preparation_tip" target="#mar-003-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Kein Gericht im eigentlichen Sinn, sondern eine Grundtechnik: wie man Fleisch zu schönem, klarem allesso (Siedfleisch) gart - dem Vorfahr von Tafelspitz, Pot-au-feu und Suppenfleisch. Martino erklärt, wie man Brühe und Fleisch hell und sauber bekommt. Dieselbe Sorgfalt beschreibt das Registrum Coquine (boc-004) für „gekochtes Fleisch nach deutscher Art".

Wässern und Abschäumen. Das einstündige Einlegen in frisches Wasser und das anschließende Waschen ziehen Blut und Schlachtreste heraus - das hält die Brühe klar und das Fleisch più bianca (heller). Das gründliche Abschäumen (schiumarla) beim Aufkochen entfernt das geronnene Eiweiß, das die Brühe sonst trüb macht. Reichlich Platz im Topf (dove non stia a stretto) lässt das Fleisch frei sieden, statt im eigenen Trub zu liegen.

Salz klären. Weil Meersalz damals erdige Verunreinigungen enthielt, wird es vorab in heißem Wasser gelöst, absetzen gelassen und nur die klare salimora (Salzlake) vorsichtig abgegossen - der Bodensatz bleibt zurück. Mit modernem reinem Salz entfällt dieser Schritt.

Praxis. Fleisch eine Stunde in kaltem Wasser wässern, mit heißem und dann kaltem Wasser abspülen, in einen weiten Topf mit reichlich Wasser setzen, salzen und beim Aufkochen gründlich abschäumen. Zähes Fleisch (alter Kapaun, Suppenhuhn) mehrfach aus dem Sud heben und in kaltem Wasser abschrecken - der Temperaturschock lockert das Bindegewebe und beschleunigt das Garen.</note>
        <note type="gloss" target="#mar-003-orig" n="allesso" resp="#fyndling">Gesottenes, in Wasser gegartes Fleisch (im Gegensatz zum Braten, arrosto).</note>
        <note type="gloss" target="#mar-003-orig" n="caldaro" resp="#fyndling">Großer Kochkessel.</note>
        <note type="gloss" target="#mar-003-orig" n="schiumarla" resp="#fyndling">Abschäumen - das geronnene Eiweiß abnehmen, damit die Brühe klar bleibt.</note>
        <note type="gloss" target="#mar-003-orig" n="salimora" resp="#fyndling">Salzlake, in der das unreine Salz gelöst und vom erdigen Bodensatz getrennt wird.</note>
        <note type="gloss" target="#mar-003-orig" n="cappone" resp="#fyndling">Kapaun, ein kastrierter Masthahn.</note>
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