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        <title>Taube ohne Knochen zubereiten</title>
        <author>Anonymus</author>
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          <resp>Modernisierung, Übersetzung, Anmerkungen</resp>
          <name xml:id="fyndling">Fyndling.de</name>
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        <publisher>Fyndling.de</publisher>
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        <date when="2026-06-24">2026-06-24</date>
        <idno type="url">https://fyndling.de/rezepte/mar-039/</idno>
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          <title>Libro de arte coquinaria</title>
          <date when="1465">1465</date>
          <idno type="URI">https://www.uni-giessen.de/de/fbz/fb05/germanistik/absprache/sprachverwendung/gloning/tx/martino2.htm</idno>
          <note>Transkription: Thomas Gloning / Valeria Romanelli, Universität Giessen (Digitale Edition 2004)</note>
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        <language ident="it-med">Frühitalienisch (15. Jh.)</language>
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      <div type="recipe" xml:id="mar-039">
        <head>Taube ohne Knochen zubereiten</head>
        <div type="original" xml:id="mar-039-orig" xml:lang="it-med" corresp="#mar-039-trans">
          <p>Per cocer un pipione et farlo senza osse.

Acconcia il pipione et nettalo molto bene, et fallo stare a moglio in aceto ben forte per spatio de vintiquattro hore, et dapoi lavalo molto bene, et impielo de bone cose con bone spetie; et cocilo allesso, o arrosto como ti piace; et in questo lo trovarai senza ossa.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mar-039-trans" xml:lang="de" corresp="#mar-039-orig">
          <p>Richte die junge Taube her und reinige sie sehr gründlich. Lege sie anschließend für vierundzwanzig Stunden in sehr starken Essig ein. Danach wasche die Taube sehr gut ab und fülle sie mit guten Dingen und guten Gewürzen. Koche sie dann gesotten oder brate sie am Spieß, ganz wie es dir beliebt. Und auf diese Weise wirst du sie ohne Knochen finden.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
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            <item><ingredient en="" commodity="" orig="un pipione">junge Taube</ingredient> - 1</item>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="aceto ben forte">Starker Essig</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="bone cose">Zutaten für eine Füllung</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="bone spetie">Gewürze</ingredient>
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      <div type="annotations">
        <note type="preparation_tip" target="#mar-039-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Eine in Essig knochenweich gemachte, gefüllte Taube - dasselbe kulinarische Kunststück wie bei sauer eingelegtem Fisch (Brathering, Rollmops, Escabeche), dessen Gräten durch die Säure mitessbar weich werden. Im Korpus steht der böhmische Vögel ohne Knochen (sev-026) demselben Trick am nächsten, nur dort über zwei bis drei Wochen Essiglage statt einen Tag.

Der Essig-Trick (senza osse). Der Kern des Rezepts ist die 24-stündige Lage in aceto ben forte (sehr starkem Essig). Essigsäure entkalkt die feinen Knochen junger Tauben (Demineralisierung) und macht sie zäh-weich - der „Gummiknochen"-Effekt. Bei einer einzigen Nacht bleibt die Wirkung allerdings begrenzt: die zarten Rippen und Wirbelchen eines pipione werden biegsam und beim Essen kaum noch störend, aber zu echtem Verschwinden („senza ossa") reicht ein Tag nicht - das verspricht der Titel optimistischer, als die Chemie hält. Ehrlich gesagt ist das hier eher ein Show- und Genuss-Trick als ein verlässliches Verfahren.

Füllen und Garen. Impielo de bone cose con bone spetie - die ausgenommene Taube wird mit einer Farce aus „guten Dingen" (typisch: eingeweichtes Brot, gehackte Kräuter, Speck, Ei, ggf. Innereien) und Gewürzen gefüllt. Gegart wird wahlweise allesso (im Sud/in Brühe gesotten) oder arrosto (am Spieß gebraten) - Martino überlässt die Methode dem Koch.

Praxis. Eine küchenfertige Taube (ersatzweise Wachtel oder kleines Stubenküken) 24 Stunden in kräftigem Weißwein- oder Apfelessig kaltstellen, dann gründlich abspülen und gut trockentupfen. Mit einer Brot-Kräuter-Füllung (1 eingeweichte Semmel, 1 Ei, gehackte Petersilie/Salbei, etwas angeschwitzte Zwiebel, Speckwürfel, Salz, Pfeffer, Ingwer, eine Spur Zimt) locker füllen und mit Küchengarn schließen. Entweder bei 180 Grad ca. 40-50 Minuten im Ofen braten (Kerntemperatur 75 Grad) oder in würziger Brühe gut 30 Minuten leise sieden. Wer den knochenweichen Effekt wirklich will, sollte den Essig zwei bis drei Tage einwirken lassen - dann aber kräftig nachwürzen, weil das Fleisch sauer durchzieht.</note>
        <note type="gloss" target="#mar-039-orig" n="pipione" resp="#fyndling">Junge Taube, oft als Delikatesse geschätzt.</note>
        <note type="gloss" target="#mar-039-orig" n="senza osse" resp="#fyndling">Wörtlich ‚ohne Knochen‘. Die Säure entkalkt die feinen Vogelknochen und macht sie weich; ganz auflösen tut sie sich nicht - der Titel verspricht mehr, als ein Tag Essiglage hält.</note>
        <note type="gloss" target="#mar-039-orig" n="allesso" resp="#fyndling">Gesotten oder pochiert, d.h. in Flüssigkeit gegart.</note>
        <note type="gloss" target="#mar-039-orig" n="arrosto" resp="#fyndling">Gebraten oder geröstet, typischerweise am Spieß über offenem Feuer.</note>
        <note type="gloss" target="#mar-039-orig" n="a moglio" resp="#fyndling">Einweichen, marinieren.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mar-039-orig" n="senza osse" resp="#fyndling">‚Ohne Knochen‘ - interpretiert als eine Methode, die Knochen durch Essig so zu erweichen, dass sie beim Essen nicht stören oder leicht entfernt werden können, anstatt einer vollständigen Auflösung.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mar-039-orig" n="bone cose con bone spetie" resp="#fyndling">‚Gute Dinge mit guten Gewürzen‘ - eine Füllung oder Farce für die Taube. Das vorangehende impielo (fülle sie) macht eindeutig, dass es um eine Füllung geht; bone cose bleibt absichtlich offen für die jeweils verfügbaren Zutaten.</note>
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