<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0">
  <teiHeader>
    <fileDesc>
      <titleStmt>
        <title>Fenchel auf Martino-Art</title>
        <author>Anonymus</author>
        <respStmt>
          <resp>Modernisierung, Übersetzung, Anmerkungen</resp>
          <name xml:id="fyndling">Fyndling.de</name>
        </respStmt>
      </titleStmt>
      <publicationStmt>
        <publisher>Fyndling.de</publisher>
        <availability>
          <licence target="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/">CC BY-SA 4.0 (Übersetzung &amp; Anmerkungen)</licence>
        </availability>
        <date when="2026-06-24">2026-06-24</date>
        <idno type="url">https://fyndling.de/rezepte/mar-067/</idno>
      </publicationStmt>
      <sourceDesc>
        <bibl>
          <title>Libro de arte coquinaria</title>
          <date when="1465">1465</date>
          <idno type="URI">https://www.uni-giessen.de/de/fbz/fb05/germanistik/absprache/sprachverwendung/gloning/tx/martino2.htm</idno>
          <note>Transkription: Thomas Gloning / Valeria Romanelli, Universität Giessen (Digitale Edition 2004)</note>
        </bibl>
      </sourceDesc>
    </fileDesc>
    <encodingDesc>
      <schemaRef type="interchangeODD" url="https://fyndling.de/rezepte-data/tei/fyndling.odd"/>
      <schemaRef type="interchangeRNG" url="https://fyndling.de/rezepte-data/tei/fyndling.rng"/>
    </encodingDesc>
    <profileDesc>
      <langUsage>
        <language ident="it-med">Frühitalienisch (15. Jh.)</language>
        <language ident="de">Neuhochdeutsch (Übersetzung)</language>
      </langUsage>
    </profileDesc>
  </teiHeader>
  <text>
    <body>
      <div type="recipe" xml:id="mar-067">
        <head>Fenchel auf Martino-Art</head>
        <div type="original" xml:id="mar-067-orig" xml:lang="it-med" corresp="#mar-067-trans">
          <p>[Minestra di finocchi.]

Li finocchi si cocono como li chavoli, excepto che vogliono essere più menuti et più cotti con un pocho di pepe et carne salata, overo olio.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mar-067-trans" xml:lang="de" corresp="#mar-067-orig">
          <p>Den Fenchel kocht man wie Kohl, nur dass er feiner geschnitten und länger gegart sein will, mit etwas Pfeffer und gesalzenem Fleisch oder mit Öl.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Li finocchi">Fenchel</ingredient> - 500 g</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="un pocho di pepe">eine Prise Pfeffer</ingredient>
            </item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="carne salata">gesalzenes Fleisch</ingredient> - 100 g</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="overo olio">Öl</ingredient> - 1 EL</item>
          </list>
        </div>
      </div>
    </body>
    <back>
      <div type="annotations">
        <note type="preparation_tip" target="#mar-067-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Geschmorter Fenchel als warme Gemüsebeilage - der direkte Vorfahr der italienischen finocchi in umido bzw. finocchi brasati, die man bis heute zu Schmorgerichten reicht. Martino macht es sich kurz: Fenchel behandelt man genau wie sein Kohlrezept (minestra di cavoli), nur in zwei Punkten anders.

Feiner und länger. Die beiden Abweichungen, die Martino nennt: più menuti - feiner geschnitten - und più cotti - länger gegart. Beides hat denselben Grund: Fenchelknollen sind faseriger und fester als Kohlblätter, in groben Stücken bleiben sie bissfest und strähnig. Klein geschnitten und lange geschmort werden sie weich und süßlich-mild, das scharfe Anis-Aroma kocht sich heraus.

Würze und Fett. Gewürzt wird mit etwas Pfeffer; das Fett bringt entweder carne salata (gepökeltes, gesalzenes Fleisch, das beim Mitgaren Salz und Geschmack abgibt) oder, als Fasten- und Magervariante, schlicht Öl. Dasselbe Würzschema steht im Nachbarrezept, dem Rübenmus (mar-066): Gemüse weich garen, mit gesalzenem Fleisch und Pfeffer abschmecken.

Praxis. Etwa 500 g Fenchelknollen putzen, harte Strünke entfernen, in feine Streifen oder kleine Würfel schneiden. In wenig Wasser oder Brühe weich schmoren - rechne mit 25 bis 35 Minuten, deutlich länger als für Kohl. Dabei 80-100 g gepökelten Bauchspeck oder Pökelfleisch mitgaren oder, fleischfrei, 1-2 EL Olivenöl zugeben. Mit Pfeffer abschmecken; weil das Pökelfleisch salzt, erst zum Schluss nachsalzen. Wer es saftiger mag, lässt etwas vom Garfond am Gemüse.</note>
        <note type="gloss" target="#mar-067-orig" n="Minestra" resp="#fyndling">Ein Gericht, oft eine Suppe oder ein Eintopf, aber auch eine Beilage oder ein Gemüsegericht.</note>
        <note type="gloss" target="#mar-067-orig" n="chavoli" resp="#fyndling">Kohl, hier vermutlich Weißkohl.</note>
        <note type="gloss" target="#mar-067-orig" n="menuti" resp="#fyndling">Feiner geschnitten, kleiner.</note>
        <note type="gloss" target="#mar-067-orig" n="cotti" resp="#fyndling">Gekocht, hier länger gekocht.</note>
        <note type="gloss" target="#mar-067-orig" n="carne salata" resp="#fyndling">Gesalzenes, gepökeltes Fleisch.</note>
        <note type="gloss" target="#mar-067-orig" n="overo" resp="#fyndling">Oder.</note>
      </div>
    </back>
  </text>
</TEI>
