<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0">
  <teiHeader>
    <fileDesc>
      <titleStmt>
        <title>Petersilienwurzel-Mus in Brühe</title>
        <author>Anonymus</author>
        <respStmt>
          <resp>Modernisierung, Übersetzung, Anmerkungen</resp>
          <name xml:id="fyndling">Fyndling.de</name>
        </respStmt>
      </titleStmt>
      <publicationStmt>
        <publisher>Fyndling.de</publisher>
        <availability>
          <licence target="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/">CC BY-SA 4.0 (Übersetzung &amp; Anmerkungen)</licence>
        </availability>
        <date when="2026-06-24">2026-06-24</date>
        <idno type="url">https://fyndling.de/rezepte/mar-070/</idno>
      </publicationStmt>
      <sourceDesc>
        <bibl>
          <title>Libro de arte coquinaria</title>
          <date when="1465">1465</date>
          <idno type="URI">https://www.uni-giessen.de/de/fbz/fb05/germanistik/absprache/sprachverwendung/gloning/tx/martino2.htm</idno>
          <note>Transkription: Thomas Gloning / Valeria Romanelli, Universität Giessen (Digitale Edition 2004)</note>
        </bibl>
      </sourceDesc>
    </fileDesc>
    <encodingDesc>
      <schemaRef type="interchangeODD" url="https://fyndling.de/rezepte-data/tei/fyndling.odd"/>
      <schemaRef type="interchangeRNG" url="https://fyndling.de/rezepte-data/tei/fyndling.rng"/>
    </encodingDesc>
    <profileDesc>
      <langUsage>
        <language ident="it-med">Frühitalienisch (15. Jh.)</language>
        <language ident="de">Neuhochdeutsch (Übersetzung)</language>
      </langUsage>
    </profileDesc>
  </teiHeader>
  <text>
    <body>
      <div type="recipe" xml:id="mar-070">
        <head>Petersilienwurzel-Mus in Brühe</head>
        <div type="original" xml:id="mar-070-orig" xml:lang="it-med" corresp="#mar-070-trans">
          <p>Menestra de radici de petrosimolo.

Piglia le radicine del petrosimolo, et cacciane fore quel bastone di mezo, et nettale bene et falle ben cocere in brodo di carne. Dapoi battile menute menute et rimettile in altro bon brodo grasso di carne con un pocho di pepe et di zafrano.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mar-070-trans" xml:lang="de" corresp="#mar-070-orig">
          <p>Nimm die kleinen Petersilienwurzeln, entferne den harten mittleren Strunk. Reinige sie gründlich und koche sie weich in kräftiger Fleischbrühe. Danach zerstoße die Wurzeln sehr fein, bis ein Mus entsteht. Gib das Mus zurück in eine frische, fette Fleischbrühe und würze es mit etwas Pfeffer und Safran. Lasse es kurz ziehen und serviere.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="radicine del petrosimolo">Petersilienwurzeln</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="brodo di carne">Fleischbrühe</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="pepe">Pfeffer</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="zafrano">Safran</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
    </body>
    <back>
      <div type="annotations">
        <note type="preparation_tip" target="#mar-070-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein Petersilienwurzel-Püree in goldener Brühe - die direkte Verwandtschaft der heutigen italienischen minestra und unseres Wurzelgemüse-Pürees. Martino reiht es in seine Folge der menestre ein, Gemüse das in Fleischbrühe weich gekocht, zerstoßen und in frischer Brühe serviert wird. Die unmittelbare Schwester ist Martinos Rübenmus (vgl. mar-066): exakt dasselbe Verfahren mit Rüben statt Petersilienwurzel.

Das Verfahren. Auffällig ist, dass zweimal in Brühe gegart wird. Zuerst kochen die Wurzeln im ersten brodo di carne weich - dieser Sud nimmt das Erdige und etwaige Bitterkeit auf. Dann werden sie zu Mus zerstoßen (battile menute menute) und in eine frische, fette Brühe (bon brodo grasso) gegeben. Das ist kein verschwenderischer Schritt, sondern der Grund für die höfische Optik: Das Gericht erscheint nicht im trüben Kochwasser, sondern in klarer, glänzender Brühe, mit Safran golden gefärbt. Der harte Mittelstrang (bastone di mezo) muss raus, weil er auch beim langen Kochen zäh bleibt.

Praxis. Etwa 500 g Wurzelpetersilie schälen, holzige Mitte herausschneiden, in kräftiger Fleischbrühe weich kochen (20-25 Minuten). Abgießen, im Mörser oder mit dem Stampfer zu glatter Paste zerdrücken (moderner Pürierstab geht auch, ist aber feiner als das Original). In 0,5 l frischer, gut gefetteter Fleisch- oder Hühnerbrühe aufsetzen, mit Pfeffer und einer Prise Safran würzen, einmal aufkochen, kurz ziehen lassen. Ergibt eine sämige Püree-Suppe als Beilage. Vegetarisch mit kräftiger Gemüsebrühe und einem Schuss Olivenöl statt der fetten Fleischbrühe.</note>
        <note type="gloss" target="#mar-070-orig" n="menestra (radici de petrosimolo)" resp="#fyndling">Menestra ist bei Martino ein in Brühe gegartes, oft püriertes Gericht - der Vorfahr der italienischen minestra. Hier aus radici de petrosimolo, den Wurzeln der Petersilie (Wurzelpetersilie), nicht aus dem Blatt.</note>
        <note type="gloss" target="#mar-070-orig" n="bastone di mezo" resp="#fyndling">Der bastone di mezo ist der harte, holzige Strang in der Mitte größerer Petersilienwurzeln. Er wird herausgeschnitten, weil er auch beim Kochen zäh bleibt; bei kleinen, zarten Wurzeln (radicine) kann er fehlen.</note>
        <note type="gloss" target="#mar-070-orig" n="battile menute menute" resp="#fyndling">Wörtlich „hacke sie ganz, ganz fein“ - die Verdopplung menute menute betont das. Gemeint ist Zerstoßen im Mörser zu einer glatten Paste, der eigentliche Schritt vom gekochten Gemüse zum Mus.</note>
        <note type="gloss" target="#mar-070-orig" n="bon brodo grasso di carne" resp="#fyndling">Eine zweite, fette Fleischbrühe (grasso = fett, nicht „groß“) - das pürierte Wurzelmus wird nicht im trüben Kochsud serviert, sondern in frischer, glänzender Brühe aufgesetzt. zafrano (Safran) färbt sie golden und gibt Status, pepe (Pfeffer) die Schärfe.</note>
      </div>
    </back>
  </text>
</TEI>
