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        <title>Mandelmilchreis nach Martino</title>
        <author>Anonymus</author>
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          <resp>Modernisierung, Übersetzung, Anmerkungen</resp>
          <name xml:id="fyndling">Fyndling.de</name>
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        <publisher>Fyndling.de</publisher>
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        <date when="2026-06-21">2026-06-21</date>
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          <title>Libro de arte coquinaria</title>
          <date when="1465">1465</date>
          <idno type="URI">https://www.uni-giessen.de/de/fbz/fb05/germanistik/absprache/sprachverwendung/gloning/tx/martino2.htm</idno>
          <note>Transkription: Thomas Gloning / Valeria Romanelli, Universität Giessen (Digitale Edition 2004)</note>
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        <language ident="it-med">Frühitalienisch (15. Jh.)</language>
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      <div type="recipe" xml:id="mar-081">
        <head>Mandelmilchreis nach Martino</head>
        <div type="original" xml:id="mar-081-orig" xml:lang="it-med" corresp="#mar-081-trans">
          <p>Riso con lacte de mandole.

Per farne dece menestre, togli una libra de amandole et mondale bene che siano bianche. Et togli meza libra di riso, et lavalo doi o tre volte con acqua tepida, et ponilo al focho con acqua chiara et fallo ben cocere. Dapoi caccial fore et ponilo a sciucchare. Dapoi pista molto bene le ditte amandole bagnandole et sbroffandole di sopra spesso con un pocha d'acqua frescha, accioché non facciano olio; et distemperale con acqua frescha et passale per la stamegnia et mitti a bollire questo lacte in una pignatta giongendovi meza libra di zuccharo fino. Et como comincia a bollire mittivi dentro il riso et poni la pignatta sopra la brascia longi dal focho voltando spesso spesso col cocchiaro acciò che non pigli fume, et fallo bollire per spatio de meza hora. Similemente poterai cocere lo ditto riso con lacte di capra o con altro lacte. Et perché simele menestra piglia volentieri il fume, quando ne pigliasse, il modo da cacciarlo è questo: caccia fore la menestra de la pignatta, et guarda non toccare il fundo, et ponila in un'altra pignatta netta. Dapoi togli una pezza biancha et doppiala in tre o quattro doppie et bagnala d'acqua frescha. Dapoi premi fore l'acqua et mitti la pezza così doppia sopra la pignatta de la menestra; et lasciavella stare per un quarto d'ora, et bagnala un'altra volta et rimittila sopra la pignatta se serà necessario; et in questo modo il fume si cacciarà fore. Né trovo miglior remedio per cacciare questo fume. Et simelmente fa' al farro.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mar-081-trans" xml:lang="de" corresp="#mar-081-orig">
          <p>Um zehn Portionen zuzubereiten, nimm ein Pfund Mandeln und schäle sie gut, sodass sie weiß sind. Nimm ein halbes Pfund Reis, wasche ihn zwei- oder dreimal mit lauwarmem Wasser und setze ihn mit klarem Wasser auf das Feuer und lasse ihn gut kochen. Danach nimm ihn heraus und lasse ihn abtropfen. Zerstoße danach die besagten Mandeln sehr gut, indem du sie oft von oben mit etwas frischem Wasser benetzt und besprenkelst, damit sie kein Öl absondern. Verdünne sie mit frischem Wasser und passiere sie durch ein Seihtuch. Gib diese Milch in einen Topf und lasse sie kochen, indem du ein halbes Pfund feinen Zucker hinzufügst. Und sobald es zu kochen beginnt, gib den Reis hinein und stelle den Topf auf die Glut, fern vom Feuer, und rühre oft mit dem Löffel um, damit es keinen Rauchgeschmack annimmt, und lasse es eine halbe Stunde kochen. Ebenso kannst du den besagten Reis mit Ziegenmilch oder anderer Milch kochen. Und weil eine solche Speise leicht Rauchgeschmack annimmt, falls sie welchen annimmt, ist die Art, ihn zu entfernen, diese: Nimm die Speise aus dem Topf, achte darauf, den Boden nicht zu berühren, und gib sie in einen anderen sauberen Topf. Danach nimm ein weißes Tuch und falte es drei- oder viermal und befeuchte es mit frischem Wasser. Danach drücke das Wasser heraus und lege das so gefaltete Tuch auf den Topf mit der Speise; und lasse es eine Viertelstunde liegen, und befeuchte es noch einmal und lege es wieder auf den Topf, falls nötig; und auf diese Weise wird der Rauchgeschmack entfernt. Und ich finde kein besseres Mittel, diesen Rauchgeschmack zu entfernen. Und ebenso verfahre mit Dinkel.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="una libra de amandole">Mandeln</ingredient> - 1 Pfund</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="meza libra di riso">Reis</ingredient> - 0.5 Pfund</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="acqua tepida">Lauwarmes Wasser</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="acqua chiara">Klares Wasser</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="acqua frescha">Frisches Wasser</ingredient>
            </item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="meza libra di zuccharo fino">feiner Zucker</ingredient> - 0.5 Pfund</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="lacte di capra o con altro lacte">Ziegenmilch oder andere Milch</ingredient>
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            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="farro">Dinkel</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="pezza biancha">Weißes Tuch</ingredient>
            </item>
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      <div type="annotations">
        <note type="preparation_tip" target="#mar-081-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein Milchreis auf Mandelmilch - der höfische Vorfahr unseres Milchreises, hier in der Fasten- bzw. Sommervariante mit selbst gemachter Mandelmilch statt Tiermilch. Martino bringt im nächsten Kapitel (mar-267) die 'bessere' Variante auf Ziegen- oder Mandelmilch; beide gehören zusammen, ebenso die böhmische Schwester bgs-074a.

Mandelmilch selbst gemacht. Die geschälten Mandeln werden im Mörser fein gestoßen, dabei oft mit frischem Wasser benetzt, damit sie kein Öl absondern - das ist der entscheidende Kniff: Wasser hält die Masse emulgiert und verhindert, dass sich Mandelöl/-butter abscheidet. Anschließend mit Wasser verdünnen und durch das stamegnia (Seihtuch) passieren. So entsteht die 'Milch', in der der vorgekochte Reis gart.

Warum der Reis erst vorgekocht wird. Reis wird zwei-, dreimal gewaschen (entfernt Stärkestaub, gegen Verkleben) und in klarem Wasser vorgekocht, dann abgetropft. Erst dann zieht er in der gezuckerten Mandelmilch fertig - so nimmt er die Süße auf, ohne dass die empfindliche Mandelmilch lange auf dem Feuer steht und anbrennt.

Der Rauchgeschmack und das nasse Tuch. Martinos eigentliche Pointe: Mandelmilch nimmt am offenen Feuer leicht fume (Rauch-/Brandgeschmack) an. Sein Gegenmittel - die Speise in einen sauberen Topf umfüllen (Boden nicht berühren, da sitzt das Verbrannte) und ein mehrfach gefaltetes, feuchtes Tuch auflegen - ist kein Garschritt, sondern ein Deodorieren: das feuchte Tuch fängt die flüchtigen Rauchstoffe ab. Ein erstaunlich modernes Stück Küchenwissen.

Praxis. 200 g geschälte Mandeln mit Wasser im Mixer fein mahlen (das mittelalterliche Benetzen ersetzt der Mixerbecher), durch ein Tuch passieren - das gibt etwa 0,5-0,7 l Mandelmilch. 250 g Reis (Rundkorn) waschen, 5 Minuten vorkochen, abgießen. Mandelmilch mit 150-200 g Zucker aufkochen, Reis einrühren, 30 Minuten bei sehr milder Hitze (am Lager weit von der Glut) unter häufigem Rühren ausquellen lassen. Wer Tiermilch nimmt: Ziegenmilch laut Original; modern auch Kuhmilch. Funktioniert ebenso mit farro (Dinkel/Emmer) statt Reis.</note>
        <note type="gloss" target="#mar-081-orig" n="menestre" resp="#fyndling">Portionen oder Gänge einer Speise.</note>
        <note type="gloss" target="#mar-081-orig" n="libra" resp="#fyndling">Ein Pfund, in Norditalien zur Zeit Martinos etwa 340 Gramm.</note>
        <note type="gloss" target="#mar-081-orig" n="pista" resp="#fyndling">Zerstoßen, im Kontext von Mandeln meist im großen Mörser zu einer Paste verarbeiten.</note>
        <note type="gloss" target="#mar-081-orig" n="stamegnia" resp="#fyndling">Ein Seihtuch oder Sieb, oft aus grobem Wollstoff, zum Passieren von Flüssigkeiten.</note>
        <note type="gloss" target="#mar-081-orig" n="pignatta" resp="#fyndling">Ein irdener Kochtopf, typisch bauchig mit Deckel.</note>
        <note type="gloss" target="#mar-081-orig" n="brascia" resp="#fyndling">Glut, glühende Holzkohle.</note>
        <note type="gloss" target="#mar-081-orig" n="fume" resp="#fyndling">Rauchgeschmack, der beim Kochen über offenem Feuer entstehen kann.</note>
        <note type="gloss" target="#mar-081-orig" n="farro" resp="#fyndling">Dinkel, eine alte Getreidesorte.</note>
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