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      <titleStmt>
        <title>Gebratene Hirsecreme</title>
        <author>Anonymus</author>
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          <resp>Modernisierung, Übersetzung, Anmerkungen</resp>
          <name xml:id="fyndling">Fyndling.de</name>
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        <publisher>Fyndling.de</publisher>
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          <licence target="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/">CC BY-SA 4.0 (Übersetzung &amp; Anmerkungen)</licence>
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        <date when="2026-06-20">2026-06-20</date>
        <idno type="url">https://fyndling.de/rezepte/mar-136/</idno>
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          <title>Libro de arte coquinaria</title>
          <date when="1465">1465</date>
          <idno type="URI">https://www.uni-giessen.de/de/fbz/fb05/germanistik/absprache/sprachverwendung/gloning/tx/martino2.htm</idno>
          <note>Transkription: Thomas Gloning / Valeria Romanelli, Universität Giessen (Digitale Edition 2004)</note>
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        <language ident="it-med">Frühitalienisch (15. Jh.)</language>
        <language ident="de">Neuhochdeutsch (Übersetzung)</language>
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      <div type="recipe" xml:id="mar-136">
        <head>Gebratene Hirsecreme</head>
        <div type="original" xml:id="mar-136-orig" xml:lang="it-med" corresp="#mar-136-trans">
          <p>[Crema di miglio fritta.]

Habi lo meglio pisto lavato molto bene, che sia biancho et netto, et fallo cocere in bono lacte di capra, o di vaccha, et fa' che si coca stretto, et che sia ben cotto; e piglia un pocho di fiore di farina et doi bianchi d'ova, et distemperali inseme in la ditta farina, et a chi non piacesse l'ova pò distemperare con latte la farina, et distemperata la mettirai nel ditto miglio menandolo molto bene col cocchiaro, et anchora lo lassarai bollire un pochetto, agiongendovi di bon zuccharo, menandolo di novo et mescolandolo molto bene. Poi cavarai questa tale compositione sopra un gran tagliere, distendendola et allargandola al modo che farresti il pieno d'una torta, et lassarala infredare. Et quando la vorrai tagliare in tavola farande fette grandi o picciole como ti piace, et frigirale in la padella con bono structo, volgendole alcuna volta, et cocerale tanto che siano un pocho colorite di sotto et di sopra. Et cavandole a pezo a pezo le metterai ne lo piattello buttandoli di sopra del zuccharo et dell'acqua rosata. Similemente poi fare in tempo quadragesimale, mettendo lo lacte de amandole in loco dell'altro lacte sopra ditto et frigendolo in bono olio. Item il riso poterai aconciare in questi doi modi sopra dicti.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mar-136-trans" xml:lang="de" corresp="#mar-136-orig">
          <p>Nimm die Hirse, gut gestoßen und sehr gut gewaschen, sodass sie weiß und sauber ist, und koche sie in guter Ziegen- oder Kuhmilch. Achte darauf, dass sie dickflüssig und gut durchgekocht ist. Nimm ein wenig feines Mehl und zwei Eiweiße, und verrühre sie zusammen mit dem besagten Mehl. Wem die Eier nicht zusagen, der kann das Mehl auch mit Milch verrühren. Gib die verrührte Mischung zur Hirse, rühre sie sehr gut mit dem Löffel um und lasse sie noch ein wenig kochen. Füge guten Zucker hinzu, rühre erneut und vermische alles sehr gut. Dann nimm diese Masse auf ein großes Schneidebrett, verteile und verstreiche sie, wie du es mit der Füllung einer Torte tun würdest, und lasse sie erkalten. Wenn du sie dann bei Tisch schneiden willst, mache große oder kleine Scheiben, wie es dir gefällt, und brate sie in der Pfanne mit gutem Schmalz. Wende sie einige Male und koche sie, bis sie unten und oben ein wenig Farbe angenommen haben. Nimm sie Stück für Stück heraus und lege sie auf den Teller, bestreue sie mit Zucker und Rosenwasser. Ähnlich kannst du es in der Fastenzeit zubereiten, indem du Mandelmilch anstelle der oben genannten Milch verwendest und es in gutem Öl brätst. Ebenso kannst du Reis auf diese beiden oben genannten Arten zubereiten.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="lo meglio pisto lavato molto bene, che sia biancho et netto">Hirse</ingredient> - 200 g</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="bono lacte di capra, o di vaccha">Ziegen- oder Kuhmilch</ingredient> - 500 ml</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="un pocho di fiore di farina">Weizenmehl</ingredient> - 2 EL</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="doi bianchi d'ova">Eiweiße</ingredient> - 2</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="bon zuccharo">Zucker</ingredient> - 50 g</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="bono structo">Schweineschmalz</ingredient> - 50 g</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="zuccharo">Zucker</ingredient> - 2 EL</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="acqua rosata">Rosenwasser</ingredient> - 1 EL</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="lacte de amandole">Mandelmilch</ingredient> - 500 ml</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="bono olio">Pflanzenöl</ingredient> - 50 g</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="riso">Reis</ingredient> - 200 g</item>
          </list>
        </div>
      </div>
    </body>
    <back>
      <div type="annotations">
        <note type="preparation_tip" target="#mar-136-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Eine süße Hirse-Creme, die zu einem festen Pudding eingekocht, kalt geschnitten und dann in Scheiben goldbraun gebraten wird - ein naher Verwandter der gebratenen Grieß- und Reis-Schnitten, die quer durch die spätmittelalterliche Süßküche reichen (vgl. Mandel-Húsce in Schmalz gebacken sev-253, gebratene Reis/Hirse-Speisen sev-050). Das Verfahren entspricht im Kern dem, was wir heute als gebratene Grießschnitte kennen.

Martino kocht meglio pisto (gestoßene Hirse) in Ziegen- oder Kuhmilch zu einem dicken Brei, bindet mit etwas fiore di farina (feinem Mehl) und Eiweiß nach, süßt mit Zucker und streicht die Masse zum Erkalten flach aus - al modo che farresti il pieno d'una torta (wie die Füllung einer Torte). Die erkaltete, geschnittene Masse wird in structo (Schmalz) gebraten und mit Zucker und acqua rosata (Rosenwasser) bestreut.

Das Rezept ist bewusst flexibel: In der Fastenzeit (quadragesimale) tritt Mandelmilch an die Stelle der Tiermilch und Öl an die des Schmalzes; ebenso lässt sich Reis statt Hirse verwenden.

Praxis. Fein gemahlene Hirse in Milch zu einem dicken, gut durchgekochten Brei kochen. Mehl mit zwei Eiweiß (oder, wer keine Eier mag, mit etwas Milch) glattrühren, unter den Brei ziehen, kurz mitkochen und mit Zucker süßen. Die Masse fingerdick auf einem Brett ausstreichen und vollständig erkalten lassen. In Scheiben schneiden und in reichlich Schmalz (fastentauglich: Pflanzenöl) von beiden Seiten goldbraun braten. Mit Zucker und Rosenwasser bestreut servieren.</note>
        <note type="gloss" target="#mar-136-orig" n="meglio pisto" resp="#fyndling">Gestoßene Hirse, d.h. grob gemahlen oder im Mörser zerkleinert.</note>
        <note type="gloss" target="#mar-136-orig" n="fiore di farina" resp="#fyndling">Wörtlich „Blume des Mehls“, bezeichnet sehr feines, helles Mehl.</note>
        <note type="gloss" target="#mar-136-orig" n="structo" resp="#fyndling">Schmalz, tierisches Fett, meist Schweineschmalz.</note>
        <note type="gloss" target="#mar-136-orig" n="acqua rosata" resp="#fyndling">Rosenwasser, ein aromatisches Destillat aus Rosenblüten.</note>
        <note type="gloss" target="#mar-136-orig" n="quadragesimale" resp="#fyndling">Die Fastenzeit vor Ostern, in der bestimmte Speisen (Fleisch, Milchprodukte, Eier) verboten waren.</note>
        <note type="gloss" target="#mar-136-orig" n="lacte de amandole" resp="#fyndling">Mandelmilch, ein pflanzlicher Milchersatz, der in der Fastenzeit erlaubt war.</note>
        <note type="gloss" target="#mar-136-orig" n="tagliere" resp="#fyndling">Ein großes Schneidebrett oder eine Holzplatte.</note>
        <note type="gloss" target="#mar-136-orig" n="cocchiaro" resp="#fyndling">Löffel.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mar-136-orig" n="lo meglio pisto" resp="#fyndling">„Die Hirse, gut gestoßen“ - Dies wurde als Anweisung verstanden, die Hirse vor dem Kochen zu zerkleinern, um eine feinere Konsistenz zu erreichen.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mar-136-orig" n="un pocho di fiore di farina" resp="#fyndling">„Ein wenig feines Mehl“ - Die ungenaue Mengenangabe wurde mit einer Schätzung von 2 Esslöffeln übersetzt, um eine praktische Anleitung zu bieten.</note>
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