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      <titleStmt>
        <title>Pastete in Brühe</title>
        <author>Anonymus</author>
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          <resp>Modernisierung, Übersetzung, Anmerkungen</resp>
          <name xml:id="fyndling">Fyndling.de</name>
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        <publisher>Fyndling.de</publisher>
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          <licence target="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/">CC BY-SA 4.0 (Übersetzung &amp; Anmerkungen)</licence>
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        <date when="2026-06-20">2026-06-20</date>
        <idno type="url">https://fyndling.de/rezepte/mar-144/</idno>
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          <title>Libro de arte coquinaria</title>
          <date when="1465">1465</date>
          <idno type="URI">https://www.uni-giessen.de/de/fbz/fb05/germanistik/absprache/sprachverwendung/gloning/tx/martino2.htm</idno>
          <note>Transkription: Thomas Gloning / Valeria Romanelli, Universität Giessen (Digitale Edition 2004)</note>
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        <language ident="it-med">Frühitalienisch (15. Jh.)</language>
        <language ident="de">Neuhochdeutsch (Übersetzung)</language>
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      <div type="recipe" xml:id="mar-144">
        <head>Pastete in Brühe</head>
        <div type="original" xml:id="mar-144-orig" xml:lang="it-med" corresp="#mar-144-trans">
          <p>Torta in brodo.

Farai una pasta grossa como se usa ne li pastelli, di quella grandeza che ti pare; et habi di pollastri et pipioni un pocho allessati et smembrati in quarti facendo d'ogni quarto doi o tre pezi; et habi de l'amandole ben piste, et alcuno roscio d'ovo, del zafrano, et di bon brodo grasso con un pocho d'agresto; et facendo prima asciuccare la ditta pasta a modo di quella di pastelli, et per fare che le sponde stagano dritte empierala molto bene di farina, mettendogli sopra il suo coperchio di pasta, et lasciarai cocere tanto che ti para che stia dritta. Poi taglia via il coperchio, et tirane fora la farina, et metterali dentro li sopra detti pizoli di la carne conciandoli ad ordine como si fa un pastello; et di sopra gli gittarai la compositione del brodo et dell'altre cose sopra scripte; et fa' che senta bene del zenzevero et poco di pepe. Et questa torta faraila cocere nel forno, overo ne la padella, como si fanno l'altre torte.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mar-144-trans" xml:lang="de" corresp="#mar-144-orig">
          <p>Mache einen dicken Teig, wie er für Pasteten verwendet wird, in der Größe, die dir beliebt. Halte etwas leicht gesottenes Hühner- und Taubenfleisch bereit, in Viertel zerteilt, wobei du aus jedem Viertel zwei oder drei Stücke machst. Nimm gut zerstoßene Mandeln, einige Eigelb, Safran und gute, fette Brühe mit etwas Verjus. Lasse zuerst den besagten Teig trocknen, wie man es bei Pasteten macht. Damit die Ränder aufrecht stehen, fülle den Teig sehr gut mit Mehl, lege den Teigdeckel darauf und lasse ihn so lange backen, bis er dir fest erscheint. Schneide dann den Deckel ab, entferne das Mehl und gib die zuvor genannten Fleischstücke hinein, richte sie an, wie man eine Pastete füllt. Darüber gieße die Mischung aus Brühe und den anderen oben genannten Zutaten. Sorge dafür, dass sie gut nach Ingwer und etwas Pfeffer schmeckt. Diese Pastete backe im Ofen oder in der Pfanne, wie man andere Pasteten auch zubereitet.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="pasta grossa como se usa ne li pastelli">Dicker Pastetenteig</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="pollastri">Hühnerfleisch</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="pipioni">Taubenfleisch</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="amandole ben piste">Fein gemahlene Mandeln</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="alcuno roscio d'ovo">Eigelb</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="del zafrano">Safran</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="di bon brodo grasso">Fette Fleischbrühe</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="un pocho d'agresto">Etwas Verjus</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="farina">Weizenmehl</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="zenzevero">Ingwerpulver</ingredient>
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            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="poco di pepe">Pfeffer</ingredient>
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      </div>
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      <div type="annotations">
        <note type="preparation_tip" target="#mar-144-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Eine gebackene Geflügelpastete, deren Hülle nach dem Backen mit einer goldgelben Mandel-Brühe aufgefüllt wird - daher torta in brodo (Pastete in Brühe). Sie gehört zur Familie der gefüllten Hofküchen-Pasteten (vgl. Gefüllte Pasteten mit Gewürzen via-074, Knochenmark-Pastete via-070): vorgegartes Fleisch in einer freistehenden Teighülle, übergossen mit einer reichen, mit Eigelb und Safran gebundenen Sauce.

Das philologisch und technisch Bemerkenswerte ist die Blindbacken-Methode: Die leere Teighülle wird mit Mehl gefüllt und mit Deckel gebacken, bis sie fest steht - das Mehl stützt die Wände, damit sie nicht einfallen. Danach schneidet man den Deckel ab, schüttet das Stützmehl heraus, legt das gesotene, geviertelte Hühner- und Taubenfleisch ein und gießt die compositione aus brodo grasso (fetter Brühe), zerstoßenen Mandeln, Eigelb, Safran und etwas agresto (Verjus) darüber. Würze: Ingwer und etwas Pfeffer.

Der Schluss nel forno overo ne la padella lässt offen, ob im Ofen oder in der Pfanne gebacken wird - beides setzt regelbare, allseitige Hitze für die freistehende Hülle voraus.

Praxis. Aus festem Mehl-Wasser/Wein-Fett-Teig eine standfeste Hülle formen, mit Mehl füllen, Deckel auflegen und im Ofen vorbacken, bis sie fest ist. Mehl entfernen. Huhn und Taube leicht vorgaren, vierteln, in Stücke teilen und einschichten. Fein gemahlene Mandeln mit fetter Geflügelbrühe, Eigelb, Safran (gelbe Farbe) und einem Schuss Verjus zu einer Sauce verrühren, mit Ingwer und Pfeffer abschmecken, über das Fleisch gießen und die Pastete fertig backen, bis die Sauce gebunden ist.</note>
        <note type="gloss" target="#mar-144-orig" n="pastelli" resp="#fyndling">Kleine Pasteten oder Pastetchen, oft mit einem festen Teig, der eine freistehende Form ermöglicht.</note>
        <note type="gloss" target="#mar-144-orig" n="allessati" resp="#fyndling">Gesotten oder pochiert; in Wasser oder Brühe gegart.</note>
        <note type="gloss" target="#mar-144-orig" n="amandole ben piste" resp="#fyndling">Wörtlich ‚gut zerstoßene Mandeln‘, was sehr fein gemahlene Mandeln oder Mandelmehl bedeutet.</note>
        <note type="gloss" target="#mar-144-orig" n="roscio d'ovo" resp="#fyndling">Eigelb.</note>
        <note type="gloss" target="#mar-144-orig" n="brodo grasso" resp="#fyndling">Eine reichhaltige, fette Brühe, typischerweise aus Fleisch gekocht.</note>
        <note type="gloss" target="#mar-144-orig" n="agresto" resp="#fyndling">Verjus, der Saft unreifer Trauben, der als Säuerungsmittel verwendet wird.</note>
        <note type="gloss" target="#mar-144-orig" n="torta" resp="#fyndling">Im mittelalterlichen Kontext eine Pastete oder ein Kuchen, der sowohl süß als auch herzhaft sein konnte.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mar-144-orig" n="asciuccare la ditta pasta" resp="#fyndling">Den Teig vor dem Füllen antrocknen/anbacken lassen, damit er beim Befüllen mit Mehl standfest bleibt.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mar-144-orig" n="nel forno overo ne la padella" resp="#fyndling">Die Pastete wird im Ofen oder in der Pfanne gebacken - beides erfordert eine regelbare Hitze, die die freistehende Hülle gar werden lässt, ohne sie zu verbrennen.</note>
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