<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0">
  <teiHeader>
    <fileDesc>
      <titleStmt>
        <title>Gefüllte Feigen-Fritter</title>
        <author>Anonymus</author>
        <respStmt>
          <resp>Modernisierung, Übersetzung, Anmerkungen</resp>
          <name xml:id="fyndling">Fyndling.de</name>
        </respStmt>
      </titleStmt>
      <publicationStmt>
        <publisher>Fyndling.de</publisher>
        <availability>
          <licence target="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/">CC BY-SA 4.0 (Übersetzung &amp; Anmerkungen)</licence>
        </availability>
        <date when="2026-06-20">2026-06-20</date>
        <idno type="url">https://fyndling.de/rezepte/mar-173/</idno>
      </publicationStmt>
      <sourceDesc>
        <bibl>
          <title>Libro de arte coquinaria</title>
          <date when="1465">1465</date>
          <idno type="URI">https://www.uni-giessen.de/de/fbz/fb05/germanistik/absprache/sprachverwendung/gloning/tx/martino2.htm</idno>
          <note>Transkription: Thomas Gloning / Valeria Romanelli, Universität Giessen (Digitale Edition 2004)</note>
        </bibl>
      </sourceDesc>
    </fileDesc>
    <encodingDesc>
      <schemaRef type="interchangeODD" url="https://fyndling.de/rezepte-data/tei/fyndling.odd"/>
      <schemaRef type="interchangeRNG" url="https://fyndling.de/rezepte-data/tei/fyndling.rng"/>
    </encodingDesc>
    <profileDesc>
      <langUsage>
        <language ident="it-med">Frühitalienisch (15. Jh.)</language>
        <language ident="de">Neuhochdeutsch (Übersetzung)</language>
      </langUsage>
    </profileDesc>
  </teiHeader>
  <text>
    <body>
      <div type="recipe" xml:id="mar-173">
        <head>Gefüllte Feigen-Fritter</head>
        <div type="original" xml:id="mar-173-orig" xml:lang="it-med" corresp="#mar-173-trans">
          <p>Frictelle de fichi piene.

Piglia un poche de amandole, et di pignoli secundo la quantità che vole fare, et pistale molto bene, et fa' che siano bianche et nette, agiognendoli doi fiche secchi, et un poca de uva passa inseme a pistare. Poi habi un pocho di petrosillo tagliato menuto et un poca di uva passa integra con bone spetie. Et questa compositione se venisse troppo stretta agiognivi un poca d'acqua rosata; et habi le fiche secche aperte et busciate dal canto di sotto, cioè dal fiore; et la impierai molto bene di questa compositione frigendola ad ascio in bono oglio, infarinandole poi un pochetto di sopra.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mar-173-trans" xml:lang="de" corresp="#mar-173-orig">
          <p>Nimm eine Handvoll Mandeln und Pinienkerne, je nach der Menge, die du zubereiten möchtest. Stoße sie sehr gut im Mörser, sodass sie weiß und sauber sind. Füge zwei getrocknete Feigen und ein paar Rosinen hinzu und zerstoße alles zusammen. Dann nimm ein wenig fein geschnittene Petersilie und ein paar ganze Rosinen zusammen mit guten Gewürzen. Sollte diese Masse zu fest werden, gib ein wenig Rosenwasser hinzu. Nimm die getrockneten Feigen, öffne sie und entferne den Stielansatz von unten, also von der Blüte her. Fülle sie sehr gut mit dieser Masse und brate sie langsam in gutem Öl. Bestäube sie danach ein wenig mit Mehl.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="un poche de amandole">Mandeln, gemahlen</ingredient> - 100 g</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="pignoli">Pinienkerne, gemahlen</ingredient> - 50 g</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="doi fiche secchi">getrocknete Feigen, für die Füllung</ingredient> - 2</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="un poca de uva passa">Rosinen, für die Füllung</ingredient> - 20 g</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="un pocho di petrosillo tagliato menuto">Petersilie, frisch, fein geschnitten</ingredient> - 1 Bund</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="un poca di uva passa integra">Rosinen, ganz, für die Füllung</ingredient> - 20 g</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="bone spetie">Gewürzmischung</ingredient> - 1 TL</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="acqua rosata">Rosenwasser</ingredient> - 1 EL</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="le fiche secche">getrocknete Feigen, zum Füllen</ingredient> - 12</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="bono oglio">Olivenöl, zum Braten</ingredient> - 200 ml</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="un pochetto di sopra">Weizenmehl, zum Bestäuben</ingredient> - 1 EL</item>
          </list>
        </div>
      </div>
    </body>
    <back>
      <div type="annotations">
        <note type="preparation_tip" target="#mar-173-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Getrocknete Feigen, gefüllt mit einer marzipanartigen Nuss-Frucht-Paste, dann in Öl gebacken - ein süßes Gebäck für Fasten- und Festtage. Es steht in einer Familie gefüllter Trockenfrucht-Gerichte: die Rissolen aus Obst (foc-178), die Früchte-Pasteten Comadore (foc-184) und das gewürzte Feigen-Rosinen-Mus (foc-081) teilen dieselbe Feigen-Rosinen-Gewürz-Basis.

Die Füllung entsteht im pistare (Mörser-Stoßen): Mandeln und Pinienkerne werden „weiß und sauber“ zu Paste gestoßen, dann Feigen und Rosinen eingearbeitet - im Grunde ein gewürztes Marzipan. Fein geschnittene Petersilie und ganze Rosinen geben Farbe und Biss, bone spetie (die üblichen edlen Gewürze: Zimt, Ingwer, Nelke, Pfeffer) das Aroma. Rosenwasser hält die Masse geschmeidig, falls sie zu fest gerät.

Der kniffligste Satz ist busciate dal canto di sotto, cioè dal fiore: Die Feigen werden vom unteren Ende her - dort, wo der Blütenansatz sitzt - geöffnet, um sie zu füllen, ohne sie ganz aufzuschneiden. So bleibt die Frucht als Hülle erhalten.

Praxis. Ca. 100 g Mandeln und 50 g Pinienkerne mörsern oder fein mahlen, 2 getrocknete Feigen und etwas Rosinen mitstoßen. Fein gehackte Petersilie, ganze Rosinen und eine kräftige Prise süßer Gewürze untermischen; bei zu fester Masse mit etwas Rosenwasser geschmeidig machen. 10-12 getrocknete Feigen vom Blütenende her aufdrücken, satt füllen, in ca. 160-170 °C heißem Öl ad ascio - langsam und behutsam - goldbraun backen. Zum Schluss leicht mit Mehl bestäuben.</note>
        <note type="gloss" target="#mar-173-orig" n="pistale" resp="#fyndling">Im Mörser zu Paste stoßen - hier ein größerer Mörser, kein kleiner Gewürzmörser.</note>
        <note type="gloss" target="#mar-173-orig" n="ad ascio" resp="#fyndling">Langsam, behutsam, bei milder Hitze backen.</note>
        <note type="gloss" target="#mar-173-orig" n="bone spetie" resp="#fyndling">„Gute Gewürze“ - die übliche edle Mischung der Zeit (Zimt, Ingwer, Nelke, Pfeffer).</note>
        <note type="gloss" target="#mar-173-orig" n="busciate dal canto di sotto, cioè dal fiore" resp="#fyndling">Die Feige vom unteren Blütenende her öffnen, um sie zu füllen, ohne sie ganz aufzuschneiden.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mar-173-orig" n="busciate dal canto di sotto, cioè dal fiore" resp="#fyndling">Die Feige vom unteren Ende - dem Blütenansatz gegenüber dem Stiel - her aufdrücken/öffnen, sodass sie als Hülle erhalten bleibt und gefüllt werden kann.</note>
      </div>
    </back>
  </text>
</TEI>
