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        <title>Käse-Eier-Gericht im Mai</title>
        <author>Anonymus</author>
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          <resp>Modernisierung, Übersetzung, Anmerkungen</resp>
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        <publisher>Fyndling.de</publisher>
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        <date when="2026-07-05">2026-07-05</date>
        <idno type="url">https://fyndling.de/rezepte/meb-012/</idno>
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          <title>Augsburg, Universitätsbibliothek, Cod. III.1.2°43 (CoReMA A1)</title>
          <date when="1450">1450</date>
          <idno type="URI">https://gams.uni-graz.at/o:corema.a1/TEI_SOURCE</idno>
          <note>Transkription: CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages, Helmut W. Klug (Hg.), Universität Graz, Ms. A1 (CC BY 4.0)</note>
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        <language ident="fnhd">Frühneuhochdeutsch (bairisch, 15. Jh.)</language>
        <language ident="de">Neuhochdeutsch (Übersetzung)</language>
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      <div type="recipe" xml:id="meb-012">
        <head>Käse-Eier-Gericht im Mai</head>
        <div type="original" xml:id="meb-012-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#meb-012-trans">
          <p>Item Wiltu machen ein essen in dem meyen das heyßt ein gespoet So nym einen fliessendenn keß vnd schneid den in vil schnittenn die duenn sein vnd nym darzu sechs eyer vnd slach die auff den keß vnd nym meichßige putternn in ein pfannen vnd thue den keß mit den eyernn vber das fewrr vnd zeuch es ey dar mit auff das es slecht werr vnd richte es an vnd versaltz es nicht</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="meb-012-trans" xml:lang="de" corresp="#meb-012-orig">
          <p>Willst du im Mai ein Gericht zubereiten, das ‚Gespoet' genannt wird, so nimm einen weichen, fließenden Käse und schneide ihn in viele dünne Scheiben. Nimm dazu sechs Eier und schlage sie auf den Käse. Gib Mai-Butter in eine Pfanne und stelle den Käse mit den Eiern über das Feuer. Zieh es dabei nach und nach auf, sodass es glatt und eben wird. Richte es an und versalze es nicht.</p>
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        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
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              <ingredient en="" commodity="" orig="einen fliessendenn keß">Weicher, schmelzender Käse</ingredient>
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            <item><ingredient en="" commodity="" orig="sechs eyer">Eier</ingredient> - 6</item>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="meichßige putternn">Mai-Butter</ingredient>
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      <div type="annotations">
        <note type="preparation_tip" target="#meb-012-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Eine schlichte Mai-Käseschmelze: weicher, schmelzender Käse in dünnen Scheiben, sechs Eier darübergeschlagen, in frischer Mai-Butter in der Pfanne über dem Feuer gestockt und glattgezogen. Lebende Verwandtschaft ist das deftige Käse-Omelett bzw. eine einfache Käse-Frittata. Im Korpus steht das Gericht neben der Folio-Schwester Maischkuchen mit Petersilie und der reicheren Käse-Ei-Familie um Kräuter-Omelett mit Käse und Rosinen und Martinos Frittata - meb-012 ist die schlichteste, ungewürzte Variante.

Der Käse - fliessendenn keß: Gemeint ist ein weicher, schmelzfähiger Käse, dünn geschnitten, damit er rasch und gleichmäßig schmilzt, bevor die Eier zu fest sind. Das muss kein edelschimmel-gereifter Weichkäse sein: ein junger Frischkäse oder milder Schmelzkäse ist ebenso periodentreu wie Brie oder Camembert - die verwandten Rezepte nennen schlicht ‚frischen Käse'.

Die Butter - meichßige putternn: Mai-Butter, also die frische Frühjahrsbutter aus der ersten Weidemilch - ein Saisonbegriff, kein Konsistenz-Adjektiv. Frische Süßrahmbutter tut es heute genauso.

Die Technik - zeuch es ... auff das es slecht werr: Den Käse flach in die heiße Butterpfanne geben, die Eier darüberschlagen und das Ganze über mäßiger Glut bei langsamer Hitze stocken lassen. Dabei nach und nach glattziehen, bis eine ebene Fläche entsteht (slecht = glatt/eben). Es ist kein Spiegelei mit getrennten Eiern, sondern eine zusammengezogene, glatte Masse.

Praxis. Etwa sechs Eier, ein paar Scheiben Weichkäse und ein guter Löffel Butter ergeben eine Portion für zwei bis drei Personen. Milde Hitze und Geduld - nicht hart durchbraten, nur stocken und glätten. Mild würzen und, wie der Schreiber mahnt, nicht versalzen.</note>
        <note type="gloss" target="#meb-012-orig" n="meyenn" resp="#fyndling">‚Mai' - Das Gericht ist saisonal verortet: im Frühling/Frühsommer sind frische Milch, frischer Käse und Eier reichlich vorhanden.</note>
        <note type="gloss" target="#meb-012-orig" n="meichßige putternn" resp="#fyndling">Mai-Butter - die süße Frühjahrsbutter aus der ersten fetten Weidemilch. Der Begriff ist ein zweiter Saison-Anker neben ‚im Mai' und kein Konsistenz-Adjektiv (‚weich'). Extern bestätigt durch das Grimm'sche DWB unter ‚Maienbutter': ‚wie maibutter: meyenbutter, butyrum vernum' (Frühjahrsbutter) - phonetisch nah an ‚meichßige' und exakt derselbe Saisonbegriff.</note>
        <note type="gloss" target="#meb-012-orig" n="slecht" resp="#fyndling">Im Frühneuhochdeutschen bedeutet ‚slecht' hier ‚glatt' oder ‚eben' (nicht ‚schlecht' im heutigen Sinn). Gemeint ist die glatte Oberfläche der gestockten Masse.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#meb-012-orig" n="gespoet" resp="#fyndling">‚Gespoet' ist der Eigenname dieses Käse-Ei-Gerichts. Der Begriff ist im Korpus sonst nicht belegt und heute nicht mehr sicher zu deuten; die Zubereitung weist klar auf ein flaches Käse-Ei-Pfannengericht (Omelett-/Frittata-Familie) hin.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#meb-012-orig" n="meichßige" resp="#fyndling">‚Mai-' (in ‚Mai-Butter') - frische Frühjahrsbutter aus der ersten Weidemilch. Bindet an den Saisonbezug ‚in dem meyen'. Die w↔m-Vertauschung (‚weich') ist bei diesem Schreiber nicht belegt. Das Grimm'sche DWB führt unter ‚Maienbutter' die lautlich sehr nahe Schreibvariante ‚meyenbutter' (= butyrum vernum, Frühjahrsbutter) - eine direkte externe Bestätigung dieser Lesart.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#meb-012-orig" n="ey" resp="#fyndling">‚je' / ‚nach und nach' - eine Verstärkung von ‚dar mit' im Sinne von ‚zieh es stetig/allmählich dabei auf'. Da die Eier bereits genannt sind, ist die Lesart ‚Ei' syntaktisch unwahrscheinlich.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#meb-012-orig" n="slecht" resp="#fyndling">‚glatt/eben' - beschreibt die glatte Oberfläche der in der Pfanne ausgebreiteten und glattgezogenen Masse. Gestützt durch die gleiche ‚ziehen'-Technik in Gezogener Eierkuchen.</note>
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