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        <title>Guter Eierkuchen mit Rosinen</title>
        <author>Anonymus</author>
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          <resp>Modernisierung, Übersetzung, Anmerkungen</resp>
          <name xml:id="fyndling">Fyndling.de</name>
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        <publisher>Fyndling.de</publisher>
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        <date when="2026-06-26">2026-06-26</date>
        <idno type="url">https://fyndling.de/rezepte/meb-016/</idno>
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          <title>Augsburg, Universitätsbibliothek, Cod. III.1.2°43 (CoReMA A1)</title>
          <date when="1450">1450</date>
          <idno type="URI">https://gams.uni-graz.at/o:corema.a1/TEI_SOURCE</idno>
          <note>Transkription: CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages, Helmut W. Klug (Hg.), Universität Graz, Ms. A1 (CC BY 4.0)</note>
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        <language ident="fnhd">Frühneuhochdeutsch (bairisch, 15. Jh.)</language>
        <language ident="de">Neuhochdeutsch (Übersetzung)</language>
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      <div type="recipe" xml:id="meb-016">
        <head>Guter Eierkuchen mit Rosinen</head>
        <div type="original" xml:id="meb-016-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#meb-016-trans">
          <p>Wiltu machen gut kuchenn vonn eyernn So nym eyer wie vil du wilt vnd zu slach die wol vnd schneid semel funf lot dar vnter vnd thue dar ein weinperr vnd schmaltz in ein pfannen des genug sej vnd geuß die eyer dar ein vnd laß es packenn ynnenn vnd aussenn do mit slach es auff ein panck vnd hack dar vnter gut wurtz vnd schneid es zu scheubenn vnd richt es an</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="meb-016-trans" xml:lang="de" corresp="#meb-016-orig">
          <p>Wenn du einen guten Eierkuchen zubereiten möchtest, nimm Eier, so viele du willst, und schlage sie gut auf. Schneide fünf Lot geriebenes Weißbrot darunter und gib Weinbeeren (Rosinen) hinzu.</p>
          <p>Erhitze ausreichend Schmalz in einer Pfanne und gieße die Eier hinein. Lass den Eierkuchen innen und außen backen. Dann schlage ihn auf eine Arbeitsfläche oder ein Brett und hacke gute Gewürze darunter. Schneide den Kuchen in Scheiben und richte ihn an.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
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              <ingredient en="" commodity="" orig="eyer">Eier</ingredient>
            </item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="semel funf lot">Semmelbrösel</ingredient> - 75 g</item>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="weinperr">Rosinen</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="schmaltz">Schmalz</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="gut wurtz">Gewürze</ingredient>
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      <div type="annotations">
        <note type="preparation_tip" target="#meb-016-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein dichter, süßer Eierkuchen - im Kern eine süße Frittata. Geschlagene Eier mit untergeriebenem Weißbrot (semel) und Rosinen, beidseitig in Schmalz gebacken, dann gestürzt, gewürzt und in Scheiben geschnitten. Das geriebene Weißbrot ist hier kein Mehl, sondern Binder: Es macht die Eiermasse fest und schnittfähig, kein lockeres Omelett. Damit gehört das Rezept in die Semmel-Eierkuchen-Linie des Korpus - der nächste Zwilling ist der herzhaft gewürzte Eierkuchen nach Meißner Art mit derselben Signatur Eier + geriebene Semmel + Schmalz, dazu die Gebackenen Eierkuchen und auf der Süß-Achse die Pastete von Eiern und Käse und die Gemeine Torte mit Käse und Rosinen.

Binder und Backen. Das semel funf lot - rund 75 g geriebenes altes Weißbrot auf 4 bis 6 Eier - wird unter die Eier gehoben, dazu eine Handvoll Rosinen. In schmaltz ... des genug sej, also reichlich Fett, gießt man die Masse. Weil sie durch das Brot dick ist, muss sie wie eine Frittata gewendet werden: laß es packenn ynnenn vnd aussenn meint beidseitiges Durchbacken. Über dem Feuer braucht das eine moderate Glut, sonst ist der Kuchen außen dunkel und innen roh.

Die Reihenfolge-Besonderheit. slach es auff ein panck heißt: den fertigen Kuchen aus der Pfanne auf ein Brett oder eine Arbeitsfläche stürzen - nicht auf eine Sitzbank. Erst dort, auf der gestürzten Masse, kommt hack dar vnter gut wurtz zum Tragen: Die Gewürze werden nach dem Backen auf den fertigen Kuchen gehackt, nicht in den Teig gerührt. Das Original bleibt unspezifisch (gut wurtz = Standardformel); zum süßen Charakter mit Rosinen passen Zimt, Muskatnuss und Nelken.

Praxis. Schnelles Pfannengericht mit einfachem Gerät (Pfanne, Brett, Messer), in etwa 20 Minuten fertig - voll lagerküchentauglich. Eier und Schmalz am Markttag frisch verarbeiten. Zum Schluss in Scheiben schneiden und anrichten.</note>
        <note type="gloss" target="#meb-016-orig" n="semel" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#semel">Im Mittelalter war ‚Semmel‘ oder ‚Semmelmehl‘ geriebenes Weißbrot, das als Bindemittel oder Füllstoff verwendet wurde, nicht das moderne Weizenmehl.</note>
        <note type="gloss" target="#meb-016-orig" n="lot" resp="#fyndling">Ein ‚Lot‘ war eine historische Gewichtseinheit, die regional variierte. Im süddeutschen Raum entsprach ein Lot etwa 15 bis 16 Gramm.</note>
        <note type="gloss" target="#meb-016-orig" n="weinperr" resp="#fyndling">‚Weinperr‘ ist eine frühneuhochdeutsche Form von Weinbeere, also Rosine. Sie wurden häufig in süßen und herzhaften Gerichten verwendet.</note>
        <note type="gloss" target="#meb-016-orig" n="schmaltz" resp="#fyndling">Tierisches Fett, meist Schweineschmalz, war ein gängiges Kochfett. In Fastenzeiten wurde es durch Pflanzenöl oder Mandelmilch ersetzt.</note>
        <note type="gloss" target="#meb-016-orig" n="wurtz" resp="#fyndling">‚Wurtz‘ (Gewürze) ist hier unspezifisch. Bemerkenswert ist die Reihenfolge: Die Gewürze werden erst nach dem Backen auf den fertigen Kuchen gehackt, nicht in die Eiermasse gerührt. Zu Rosinen passen süße Gewürze wie Zimt, Muskatnuss oder Nelken.</note>
        <note type="gloss" target="#meb-016-orig" n="panck" resp="#fyndling">Eine ‚Bank‘ bezeichnet hier eine Arbeitsfläche oder ein Holzbrett, auf das der fertig gebackene Eierkuchen gestürzt und zum Würzen und Zerteilen ausgeklopft wird.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#meb-016-orig" n="wurtz" resp="#fyndling">Die unspezifische Angabe ‚gut wurtz‘ wurde als ‚gute Gewürze‘ übersetzt. ‚Wurtz‘ meint Gewürz, nicht Salz. Im Kontext eines süßen Eierkuchens mit Rosinen sind süße Gewürze wie Zimt, Muskatnuss oder Nelken am wahrscheinlichsten.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#meb-016-orig" n="panck" resp="#fyndling">‚Slach es auff ein panck‘ wurde als ‚stürze ihn auf ein Brett oder eine Arbeitsfläche‘ gelesen - das Herauslösen des fertigen Kuchens aus der Pfanne.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#meb-016-orig" n="eyernn / packenn / ynnenn / scheubenn" resp="#fyndling">Typische frühneuhochdeutsche Schreibweisen für ‚Eiern‘, ‚backen‘, ‚innen‘ und ‚Scheiben‘. Die -nn-Doppelung am Wortende ist ein gängiger orthografischer Zug bei Meister Eberhard.</note>
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