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        <title>Huhn im Glasgefäß</title>
        <author>Anonymus</author>
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          <resp>Modernisierung, Übersetzung, Anmerkungen</resp>
          <name xml:id="fyndling">Fyndling.de</name>
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        <publisher>Fyndling.de</publisher>
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        <date when="2026-06-26">2026-06-26</date>
        <idno type="url">https://fyndling.de/rezepte/meb-018/</idno>
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          <title>Augsburg, Universitätsbibliothek, Cod. III.1.2°43 (CoReMA A1)</title>
          <date when="1450">1450</date>
          <idno type="URI">https://gams.uni-graz.at/o:corema.a1/TEI_SOURCE</idno>
          <note>Transkription: CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages, Helmut W. Klug (Hg.), Universität Graz, Ms. A1 (CC BY 4.0)</note>
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        <language ident="fnhd">Frühneuhochdeutsch (bairisch, 15. Jh.)</language>
        <language ident="de">Neuhochdeutsch (Übersetzung)</language>
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      <div type="recipe" xml:id="meb-018">
        <head>Huhn im Glasgefäß</head>
        <div type="original" xml:id="meb-018-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#meb-018-trans">
          <p>hafen vnd geuß ein wasserr dar an vnd deck es zu vnd laß siedenn so wirt es sich strecken in dem glaß das man sicht sein fuß vnd flugel vnd den ganntzen pottich so ist es gerecht</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="meb-018-trans" xml:lang="de" corresp="#meb-018-orig">
          <p>[…] in einen Topf und gieße ringsum Wasser daran (nicht ins Glas). Decke es zu und lasse es sieden. So reckt es sich im Glas, sodass man seinen Fuß und Flügel und seine ganze Gestalt sieht. Dann ist es fertig.</p>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="(aus Titel und Schwester-Handschrift erschlossen)">Huhn</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="wasserr">Wasser</ingredient>
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        <note type="preparation_tip" target="#meb-018-trans" resp="#fyndling">Was ist das? Kein gewöhnliches Brathuhn, sondern der Schlussteil eines höfischen Schaugerichts - eine Tafel-Illusion. Der erhaltene Text ist nur ein Fragment (der Anfang fehlt); das vollständige Verfahren steckt in der fast wortgleichen Schwester-Handschrift Huhn im Glas, als Schaugericht. Verwandt sind weitere Häut- und Hüll-Kunststücke des Korpus: Gefülltes Huhn im Hautmantel, Gefüllter Hecht in eigener Haut und der doppelte Aal.

Das Verfahren (laut Schwester-Handschrift). Das Huhn wird gehäutet, die ganze Haut abgezogen, mit einem stumpfen Holzstäbchen in ein Glas hineingestoßen und der Halsrand über die Glasöffnung gestülpt. Das Fleisch gart man separat in Brühe und füllt es als Farce mit Eiern, Salbei und Gewürz zurück in die Haut. Das erhaltene Fragment setzt erst hier ein: das verschlossene Glas in einen hafen (irdenen Topf) stellen, ringsum Wasser angießen - nicht ins Glas -, zudecken und sieden lassen. Dabei streckt sich die gefüllte Haut im Glas und nimmt wieder Vogelgestalt an, sodass Fuß, Flügel und ganzer Körper sichtbar werden (den ganntzen pottich = der ganze Rumpf).

Praxis. Nichts zum Nachkochen, und bewusst ohne erfundenen Trick: Über offenem Feuer ist ein Glas im Wasserbad heikel (es springt leicht), und eine ganze Hühnerhaut essbar in ein Glas zu garen ist auch in der Profiküche kaum machbar - dazu ließe sich das ‚Huhn' weder herauslösen noch daraus essen. Wie schon beim Twin diskutiert, liegt der Verdacht eines Prahl- oder Scherzrezepts nahe. Die Zeitangabe (gut 10 Minuten) bezieht sich nur auf den sichtbaren Garrest; das Gesamtgericht ist ungleich aufwendiger.</note>
        <note type="gloss" target="#meb-018-orig" n="hafen" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#hafen">Der äußere Topf für das Wasserbad, in dem das mit dem Huhn gefüllte Glas steht (bair.-schwäb. ‚Hafen' = irdener Topf).</note>
        <note type="gloss" target="#meb-018-orig" n="glaß" resp="#fyndling">Das innere Gefäß, in dem die gefüllte Hühnerhaut gart - es muss hitzebeständig sein, damit es im Wasserbad nicht springt.</note>
        <note type="gloss" target="#meb-018-orig" n="strecken" resp="#fyndling">Der Schau-Effekt: Beim Garen reckt sich die gefüllte Haut im Glas auf, sodass die Vogelgestalt wieder erscheint (vgl. die Schwester-Handschrift: ‚so wirt es sich strecken In dem hals').</note>
        <note type="gloss" target="#meb-018-orig" n="pottich" resp="#fyndling">Hier nicht ein Gefäß, sondern Teil der Aufzählung der sichtbaren Körperteile: der ganze Rumpf bzw. die ganze Gestalt des Huhns (vgl. mhd. ‚botech/potech' = Rumpf, Leib). Die fast wortgleiche Schwester-Handschrift hat an genau dieser Stelle ‚sein gantz vermugen' = sein ganzes Aussehen.</note>
        <note type="gloss" target="#meb-018-orig" n="gerecht" resp="#fyndling">Bedeutet hier ‚fertig' bzw. ‚richtig zubereitet'.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#meb-018-orig" n="strecken" resp="#fyndling">‚sich recken / aufrichten‘ - die gefüllte Haut richtet sich beim Garen im Glas auf, sodass die Vogelgestalt wieder erscheint (so auch die Schwester-Handschrift: ‚strecken In dem hals‘).</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#meb-018-orig" n="pottich" resp="#fyndling">‚der ganze (gefüllte) Rumpf / die ganze Gestalt des Huhns‘ - Teil der Körperteil-Aufzählung ‚Fuß und Flügel und …‘ (vgl. mhd. ‚botech/potech‘ = Rumpf, Leib). Ein dritter Textzeuge, mon-126 (Mondseer Kochbuch), hat an genau dieser Schlussstelle ebenfalls ‚pottich‘ - zwei von drei Zeugen stützen diese Lesart, nur m5919-001 hat hier ‚vermugen‘.</note>
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