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        <title>Gewürz- und Potage-Anleitung</title>
        <author>Anonymus</author>
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          <resp>Modernisierung, Übersetzung, Anmerkungen</resp>
          <name xml:id="fyndling">Fyndling.de</name>
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        <publisher>Fyndling.de</publisher>
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        <date when="2026-06-20">2026-06-20</date>
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          <title>Le Ménagier de Paris</title>
          <date when="1393">1393</date>
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          <note>Transkription: Base de Français Médiéval, ENS Lyon (Etalab Open License)</note>
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      <div type="recipe" xml:id="men-061">
        <head>Gewürz- und Potage-Anleitung</head>
        <div type="original" xml:id="men-061-orig" xml:lang="fro" corresp="#men-061-trans">
          <p>Primo, nota que toutes espices qui doivent estre mises en potage doivent estre bien broyees et non coulees, exepté pour gellee. Et en tous potages l'en doit mectre les espices le plus tart que l'en peut, car tant plus perdent de leur saveur comme plus tost sont mises; et doit l'en couler le pain broyé.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="men-061-trans" xml:lang="de" corresp="#men-061-orig">
          <p>Erstlich merke, dass alle Gewürze, die für einen Potage bestimmt sind, fein gemörsert und nicht passiert werden sollen, außer wenn es sich um Gallerte handelt. Und in alle Potages gib die Gewürze so spät wie möglich hinzu, denn je früher sie beigefügt werden, desto mehr verlieren sie ihren Geschmack. Das gemörserte Brot sollst du passieren.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="toutes espices">Gewürzmischung</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="pain broyé">Brot</ingredient>
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      </div>
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      <div type="annotations">
        <note type="preparation_tip" target="#men-061-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Kein Gericht, sondern eine küchentechnische Grundregel des Ménagier de Paris zur Gewürz- und Bindungsbehandlung im potage (dem gebundenen Eintopf). Zwei zeitlose Profi-Prinzipien, die jeder gute Koch heute noch beherzigt: Gewürze erst spät zugeben, Brot zum Binden passieren.

Broyees et non coulees: Gewürze werden im Mörser fein zerstoßen, aber nicht durchgeseiht - das volle Gewürz bleibt im Topf, nur das Aroma soll wirken. Ausnahme ist die gellee (Sülze/Aspik), die glasklar werden muss und deshalb passiert wird.

Die Kernregel: les espices le plus tart que l'en peut - Gewürze so spät wie möglich zugeben, weil sie beim langen Mitkochen Aroma verlieren (perdent de leur saveur). Genau deshalb steht in den Rezepten oft au parcuire ('beim Fertiggaren'). Modern: ganze und gemahlene Gewürze gehören gegen Ende in den Topf, nicht an den Anfang.

Couler le pain broyé: Das im Mörser zerstoßene Brot, das als Bindemittel dient, soll durch ein Tuch passiert werden - so bindet es glatt und sämig statt klumpig. Brot war im Mittelalter das Standard-Bindemittel anstelle von Mehlschwitze oder Stärke.

Praxis. Beim Nachkochen mittelalterlicher Eintöpfe: Brot (altbacken, ohne Rinde) im Mörser oder Mixer mit etwas Brühe zerkleinern, durch ein Sieb streichen und damit binden. Gemahlene Gewürze immer erst in den letzten Minuten zugeben und nur kurz mitziehen lassen.</note>
        <note type="gloss" target="#men-061-orig" n="potage" resp="#fyndling">Ein dicker, gebundener Eintopf - nicht eine klare Suppe im modernen Sinn.</note>
        <note type="gloss" target="#men-061-orig" n="espices" resp="#fyndling">Gewürzmischung, typischerweise Ingwer, Zimt, Nelken, langer Pfeffer, Muskatnuss, Paradieskörner.</note>
        <note type="gloss" target="#men-061-orig" n="broyees" resp="#fyndling">Im Mörser fein zerstoßen.</note>
        <note type="gloss" target="#men-061-orig" n="non coulees" resp="#fyndling">Nicht durchgeseiht - die Gewürze bleiben im Topf statt herausgefiltert zu werden.</note>
        <note type="gloss" target="#men-061-orig" n="gellee" resp="#fyndling">Gallerte/Sülze - die einzige Ausnahme, bei der passiert wird, damit sie glasklar wird.</note>
        <note type="gloss" target="#men-061-orig" n="au parcuire" resp="#fyndling">Beim Fertiggaren - der späte Zeitpunkt, zu dem Gewürze zugegeben werden, damit ihr Aroma nicht verkocht.</note>
      </div>
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