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      <titleStmt>
        <title>Wildschweinbraten mit Gewürzsauce</title>
        <author>Anonymus</author>
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          <resp>Modernisierung, Übersetzung, Anmerkungen</resp>
          <name xml:id="fyndling">Fyndling.de</name>
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        <publisher>Fyndling.de</publisher>
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          <licence target="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/">CC BY-SA 4.0 (Übersetzung &amp; Anmerkungen)</licence>
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        <date when="2026-07-06">2026-07-06</date>
        <idno type="url">https://fyndling.de/rezepte/men-293/</idno>
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          <title>Le Ménagier de Paris</title>
          <date when="1393">1393</date>
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          <note>Transkription: Base de Français Médiéval, ENS Lyon (Etalab Open License)</note>
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        <language ident="fro">Moyen Français</language>
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      <div type="recipe" xml:id="men-293">
        <head>Wildschweinbraten mit Gewürzsauce</head>
        <div type="original" xml:id="men-293-orig" xml:lang="fro" corresp="#men-293-trans">
          <p>Une queue de sangler. Prenez nombletz de porc, lievres, et oiseaulx de riviere, et les mectez en la broche et une leschefricte dessoubz, et du vin franc et du vinaigre. Et puis prenez graine, gingembre, giroffle, nois muguectes, et du poivre long et canelle, et broyez, et ostez du mortier. Puis broyez pain brulé et trempé en vin franc et le coulez par l'estamine. Et puis coulez tout ce qui est en la leschefricte et les espices et le pain en une paelle de fer ou en ung pot, avec eaue de la char, et y mectez le rost de quoy vous le ferez, et l'ayez avant boutonné de cloux de giroffle. Ainsi couvient faire a ung bourberel de sanglier. Nota que les nois muguectes, macis et garingal font douloir la teste.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="men-293-trans" xml:lang="de" corresp="#men-293-orig">
          <p>Nimm einen Wildschweinschwanz. Bereite Schweinefilets, Hasen und Flussvögel vor. Spieße sie auf einen Bratspieß und stelle eine Bratpfanne darunter, um die herabtropfenden Säfte aufzufangen. Gib guten Wein und Essig in die Pfanne. Nimm dann Paradieskörner, Ingwer, Nelken, Muskatnüsse, langen Pfeffer und Zimt. Zerstoße diese Gewürze im Mörser und entnimm sie. Zerstoße anschließend geröstetes Brot, das in gutem Wein eingeweicht wurde, und seihe es durch ein feines Tuch. Gieße nun alles, was sich in der Bratpfanne gesammelt hat, zusammen mit den Gewürzen und dem Brot in eine Eisenpfanne oder einen Topf. Füge den Fleischsaft hinzu. Lege den Braten, den du zubereitest, hinein, nachdem du ihn zuvor mit Nelken gespickt hast. Ebenso verfahre mit einem jungen Wildschwein. Beachte, dass Muskatnüsse, Muskatblüte und Galgant Kopfschmerzen verursachen.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Une queue de sangler">Wildschweinschwanz</ingredient> - 1</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="nombletz de porc">Schweinefilet</ingredient> - 500 g</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="lievres">Hase</ingredient> - 1</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="oiseaulx de riviere">Flussvögel</ingredient> - 2</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="vin franc">kräftiger Rotwein</ingredient> - 500 ml</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="vinaigre">Weinessig</ingredient> - 100 ml</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="graine">Paradieskörner</ingredient> - 1 TL</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="gingembre">Ingwerpulver</ingredient> - 1 TL</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="giroffle">gemahlene Nelken</ingredient> - 1 TL</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="nois muguectes">Muskatnuss</ingredient> - 1</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="poivre long">Langer Pfeffer</ingredient> - 1 TL</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="canelle">Zimt</ingredient> - 1 TL</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="pain brulé">geröstetes Brot</ingredient>
            </item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="eaue de la char">Fleischsaft / Brühe</ingredient> - 200 ml</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="cloux de giroffle">ganze Nelken zum Spicken</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="macis">Muskatblüte</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="garingal">Galgant</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
    </body>
    <back>
      <div type="annotations">
        <note type="preparation_tip" target="#men-293-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein Spießbraten aus Wild und Geflügel, der in einer brotgebundenen Gewürz-Wein-Sauce vollendet wird - die festliche Pariser Variante des Wildbratens mit saulce. Im Korpus verwandt mit dem böhmischen Wildschwein sev-239, dem geschmorten Hasen ant-042 und den gefüllten Hühnern in Gewürzsauce mha-051. Heute am ehesten als Wildbraten mit reduzierter, würziger Rotweinsauce zu denken.

Die Fettpfanne ist das Herz des Rezepts. Unter den Spieß kommt die leschefricte (Fettpfanne), in der schon Wein und Essig stehen. Der herabtropfende Bratensaft mischt sich beim Garen mit dem Wein - das ist der konzentrierte Geschmacksträger, der später die Sauce trägt. Genau diese Technik macht das Gericht lagertauglich: alles passiert über offenem Feuer am Spieß.

Brotbindung, im Wein eingeweicht. Geröstetes Brot (pain brulé) wird in gutem Wein eingeweicht, fein zerstoßen und durch ein Tuch passiert - die zeittypische Bindung statt Mehlschwitze, hier zusätzlich durch ein Tuch geglättet für eine feine Konsistenz. Der gesammelte Pfannensaft, die gemörserten Gewürze und das passierte Brot werden in einer Eisenpfanne oder einem Topf vereint und mit etwas Fleischbrühe (eaue de la char) zur Sauce aufgekocht.

Mit Nelken gespickt. Der Braten wird vor dem Eintauchen in die Sauce mit ganzen Nelken gespickt (boutonné de cloux de giroffle), sodass sie wie Knöpfe hervorstehen und beim Ziehen in der heißen Sauce ihr Aroma abgeben.

Praxis. Wild- und Geflügelstücke (ersatzweise Schweinefilet, Hase/Kaninchen, Ente/Wachtel) am Spieß oder im Drehgrill über dem Feuer braten, eine Pfanne mit ~500 ml kräftigem Rotwein und einem Schuss Weinessig darunterstellen, um Saft und Fett aufzufangen. Paradieskörner, Ingwer, Nelken, Muskat, langen Pfeffer und Zimt mörsern. Eine Scheibe Brot rösten, in Wein einweichen, fein zerstoßen, durchs Tuch passieren. Pfannensaft, Gewürze, Brot und etwas Brühe verrühren, aufkochen, den nelkengespickten Braten kurz darin ziehen lassen, dann zerteilen und mit der Sauce anrichten.</note>
        <note type="gloss" target="#men-293-orig" n="leschefricte" resp="#fyndling">Eine Bratpfanne oder Fettpfanne, die unter dem Spieß platziert wird, um herabtropfende Säfte und Fette aufzufangen.</note>
        <note type="gloss" target="#men-293-orig" n="vin franc" resp="#fyndling">Kräftiger, guter Wein, oft unverschnitten.</note>
        <note type="gloss" target="#men-293-orig" n="graine" resp="#fyndling">Kurzform für 'Graine de Paradis' (Paradieskörner), ein pfeffrig-kardamomartiges Gewürz, das im Mittelalter häufig verwendet wurde.</note>
        <note type="gloss" target="#men-293-orig" n="pain brulé" resp="#fyndling">Brot, das stark geröstet bis randverkohlt wird, um Saucen zu binden und ihnen eine dunkle Farbe zu verleihen. Mittelalterliche Sauce-Technik, gemeint ist NICHT „zu Asche verbrannt", sondern eine kontrollierte dunkle Röstung knapp unter der echten Pyrolyse (vgl. modernes dark-roast Kaffee, Pumpernickel-Kruste). Mehr Hintergrund: Verbranntes Brot in mittelalterlichen Saucen.</note>
        <note type="gloss" target="#men-293-orig" n="eaue de la char" resp="#fyndling">Der beim Braten austretende Fleischsaft oder eine zusätzliche Fleischbrühe.</note>
        <note type="gloss" target="#men-293-orig" n="boutonné de cloux de giroffle" resp="#fyndling">Das Fleisch mit ganzen Nelken spicken, sodass sie wie kleine Knöpfe hervorstehen.</note>
        <note type="gloss" target="#men-293-orig" n="bourberel de sanglier" resp="#fyndling">Ein junges Wildschwein oder ein bestimmtes, kleineres Stück davon.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#men-293-orig" n="nombletz de porc" resp="#fyndling">Ein edles, gut zu bratendes Stück Schwein (Filet/Lende), das sich am Spieß neben Hase und Vögeln macht.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#men-293-orig" n="bourberel de sanglier" resp="#fyndling">Ein junges Wildschwein (Frischling) bzw. ein zarteres Teilstück, das ebenso zubereitet wird.</note>
      </div>
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