<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0">
  <teiHeader>
    <fileDesc>
      <titleStmt>
        <title>Ayrmuosz - einfaches Eier-Bratmus in Schmalz</title>
        <author>Anonymus</author>
        <respStmt>
          <resp>Modernisierung, Übersetzung, Anmerkungen</resp>
          <name xml:id="fyndling">Fyndling.de</name>
        </respStmt>
      </titleStmt>
      <publicationStmt>
        <publisher>Fyndling.de</publisher>
        <availability>
          <licence target="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/">CC BY-SA 4.0 (Übersetzung &amp; Anmerkungen)</licence>
        </availability>
        <date when="2026-07-12">2026-07-12</date>
        <idno type="url">https://fyndling.de/rezepte/mha-016/</idno>
      </publicationStmt>
      <sourceDesc>
        <bibl>
          <title>Maister Hannsen des von Wirtenberg Koch</title>
          <date when="1460">1460</date>
          <idno type="URI">https://gams.uni-graz.at/o:corema.bs1/TEI_SOURCE.2021-01-15</idno>
          <note>Transkription: Astrid Böhm &amp; Helmut W. Klug, CoReMA TEI-Edition (Uni Graz, 2021, CC BY 4.0); Sekundäredition: Anton Birlinger, Alemannia 1, Bonn 1865 (Public Domain)</note>
        </bibl>
      </sourceDesc>
    </fileDesc>
    <encodingDesc>
      <schemaRef type="interchangeODD" url="https://fyndling.de/rezepte-data/tei/fyndling.odd"/>
      <schemaRef type="interchangeRNG" url="https://fyndling.de/rezepte-data/tei/fyndling.rng"/>
    </encodingDesc>
    <profileDesc>
      <langUsage>
        <language ident="fnhd">Frühneuhochdeutsch (alemannisch-schwäbisch, 1460)</language>
        <language ident="de">Neuhochdeutsch (Übersetzung)</language>
      </langUsage>
    </profileDesc>
  </teiHeader>
  <text>
    <body>
      <div type="recipe" xml:id="mha-016">
        <head>Ayrmuosz - einfaches Eier-Bratmus in Schmalz</head>
        <div type="original" xml:id="mha-016-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mha-016-trans">
          <p>Ain ayr muosz

Item ain gepratten muosz von eyttel ayren vnd als vil schmalcz . vnd salcz das es nicht zue haisz sey vnd thue es In ain pfannen vnd pratt es das wirt ein pratten muoss .</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mha-016-trans" xml:lang="de" corresp="#mha-016-orig">
          <p>Ein gebratenes Mus nur aus Eiern und ebenso viel Schmalz, und Salz, dass es nicht zu heiß sei. Gib es in eine Pfanne und brate es - so wird ein gebratenes Mus.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="ayren">Eier</ingredient> - 4</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="schmalcz">Schweineschmalz</ingredient> - 2 EL</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="salcz">Salz</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
    </body>
    <back>
      <div type="annotations">
        <note type="preparation_tip" target="#mha-016-trans" resp="#fyndling">Was ist ein ‚Muosz‘? Bei Meister Hans ist ‚muosz‘ ein flexibler Sammelbegriff: meist eine breiartige Speise, aber - wie hier mit der ‚gepratten muosz‘-Spezifizierung - auch eine in der Pfanne gebratene Eierspeise. Praktisch entspricht das Rezept einer dicken Omelette oder einem Rührei mit Schmalz: einige verquirlte Eier in heißem Schmalz gebraten, am Ende vorsichtig gesalzen.

Zu ‚das es nicht zue haisz sey‘: Der Satz ist sprachlich mehrdeutig (im Originaltext steht klar ‚haisz‘ = ‚heiß‘, nicht ‚salzig‘). Drei plausible Lesarten:

Pfannen-Temperatur: Salz erst zugeben, wenn das Schmalz nicht (mehr) zu heiß ist. Sprachlich am direktesten - die kulinarische Begründung dafür ist allerdings umgekehrt: Nicht das Salz selbst lässt heißes Fett spritzen (trockenes Salz enthält kaum Feuchtigkeit, die schlagartig verdampfen könnte); im Gegenteil ist frühes Salzen ein bekannter Küchentrick GEGEN Spritzer, weil das Salz Feuchtigkeit aus dem Ei bindet, bevor sie unkontrolliert im heißen Fett verdampft. Als reine Temperatur-Anweisung (nicht zu scharf anbraten, damit nichts verbrennt) bleibt die Lesart trotzdem plausibel.
Humoralpathologie ‚heiß‘ = scharf/würzig-intensiv: in der mittelalterlichen Geschmacks-Skala steht ‚heiß‘ für scharf/würzig - also: nicht überwürzen.
‚nicht zu salzig‘ (figürliche Übertragung von ‚heiß‘ auf den Geschmack auf der Zunge): pragmatisch nachvollziehbar, sprachlich aber der schwächste Fit.

In der Praxis laufen alle drei Lesarten auf dieselbe Anweisung hinaus: maßvoll salzen, kontrolliert braten.

Mengen: ‚als vil schmalcz‘ heißt nicht 1:1-Volumen wie Eier - das wäre Fett-Tsunami. Im damaligen Sprachgebrauch eher ‚ausreichend viel Schmalz‘ = großzügig, sodass die Pfanne gut bedeckt ist. Modern: 1-2 EL Schmalz auf 4 Eier reicht.

Rührei oder Spiegelei? Das Rezept lässt es offen, aber die schlichte Anweisung ‚thue es In ain pfannen vnd pratt es‘ deutet auf eine verquirlte/vermischte Masse hin (Rührei oder Omelett-artig). Hätte der Schreiber Spiegeleier gemeint - also Eier ganz aufgeschlagen, Eigelb intakt -, wäre das wahrscheinlich explizit benannt worden (etwa ‚schlag sie ganz hinein‘).</note>
        <note type="gloss" target="#mha-016-orig" n="muosz" resp="#fyndling">Im Kochbuch des Meisters Hans ist ‚Muosz' ein Sammelbegriff für verschiedene Speisen, die oft breiartig sind, aber auch Aufläufe, Pfannkuchen oder, wie hier, gebratene Eierspeisen umfassen können.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-016-orig" n="eyttel" resp="#fyndling">Bedeutet ‚rein', ‚nur' oder ‚ausschließlich'. Hier: nur aus Eiern bestehend.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-016-orig" n="pratt es" resp="#fyndling">Eine Anweisung zum Braten oder Rösten in der Pfanne.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mha-016-orig" n="muosz" resp="#fyndling">Wir interpretieren ‚muosz' in diesem Kontext als eine gebratene Eierspeise, ähnlich einer dicken Omelette oder Rührei, da das Rezept die Zubereitung in einer Pfanne mit Schmalz vorsieht.</note>
      </div>
    </back>
  </text>
</TEI>
