<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0">
  <teiHeader>
    <fileDesc>
      <titleStmt>
        <title>Eidotter-Wein-Creme</title>
        <author>Anonymus</author>
        <respStmt>
          <resp>Modernisierung, Übersetzung, Anmerkungen</resp>
          <name xml:id="fyndling">Fyndling.de</name>
        </respStmt>
      </titleStmt>
      <publicationStmt>
        <publisher>Fyndling.de</publisher>
        <availability>
          <licence target="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/">CC BY-SA 4.0 (Übersetzung &amp; Anmerkungen)</licence>
        </availability>
        <date when="2026-07-12">2026-07-12</date>
        <idno type="url">https://fyndling.de/rezepte/mha-029/</idno>
      </publicationStmt>
      <sourceDesc>
        <bibl>
          <title>Maister Hannsen des von Wirtenberg Koch</title>
          <date when="1460">1460</date>
          <idno type="URI">https://gams.uni-graz.at/o:corema.bs1/TEI_SOURCE.2021-01-15</idno>
          <note>Transkription: Astrid Böhm &amp; Helmut W. Klug, CoReMA TEI-Edition (Uni Graz, 2021, CC BY 4.0); Sekundäredition: Anton Birlinger, Alemannia 1, Bonn 1865 (Public Domain)</note>
        </bibl>
      </sourceDesc>
    </fileDesc>
    <encodingDesc>
      <schemaRef type="interchangeODD" url="https://fyndling.de/rezepte-data/tei/fyndling.odd"/>
      <schemaRef type="interchangeRNG" url="https://fyndling.de/rezepte-data/tei/fyndling.rng"/>
    </encodingDesc>
    <profileDesc>
      <langUsage>
        <language ident="fnhd">Frühneuhochdeutsch (alemannisch-schwäbisch, 1460)</language>
        <language ident="de">Neuhochdeutsch (Übersetzung)</language>
      </langUsage>
    </profileDesc>
  </teiHeader>
  <text>
    <body>
      <div type="recipe" xml:id="mha-029">
        <head>Eidotter-Wein-Creme</head>
        <div type="original" xml:id="mha-029-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mha-029-trans">
          <p>Ain totter muosz mach also . Item wildu haben ein totter muosz Dar zue nym dreyzehen ayer vnd thue die totter dauon vnd ain achtail waellsch wein So wirt das muosz vein vnd ain wenig salcz vnd ain suosse milich schmalcz das ist auch guot vnd milich ram .</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mha-029-trans" xml:lang="de" corresp="#mha-029-orig">
          <p>Für ein Eidottermus dreizehn Eier nehmen und nur die Dotter davon abtrennen. Ein Achtel welschen (italienischen) Wein dazugeben, dadurch wird das Mus fein. Mit einer Prise Salz würzen.</p>
          <p>Dazu süße Milch geben, oder statt der Milch Schmalz, das ist ebenfalls gut, und Sahne unterrühren.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="dreyzehen ayer vnd thue die totter dauon">Eidotter</ingredient> - 13</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="ain achtail waellsch wein">Italienischer Wein</ingredient> - 125 ml</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ain wenig salcz">Salz</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ain suosse milich">Süße Milch</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="milich ram">Sahne</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
    </body>
    <back>
      <div type="annotations">
        <note type="preparation_tip" target="#mha-029-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Eine Eidotter-Creme aus dreizehn Dottern, welschem (italienischem) Wein, Salz, Milch oder Schmalz und Sahne - ein früher, ungesüßter Verwandter des heutigen Weinschaums oder der Zabaione. Eng verwandt ist m5919-088 (Glattes Eier-Mus mit Wein und Zucker, Regensburger Kochbuch): auch dort werden Eidotter mit Wein und Fett glattgekocht, dort mit Zucker statt Salz gewürzt. Im eigenen Buch steht ihr die Schwester mha-030 zur Seite (Rahm-Eigelb-Mus mit Schmalz): dieselbe Grundtechnik aus Eigelb, Fett und langsamer Hitze ohne Gerinnen, dort aber ohne Wein und mit Rahm statt Milch.

Was das Transkript zum Garen sagt. Das Transkript endet nach der Aufzählung der Zutaten, ohne ein Verb fürs Erwärmen, Sieden oder Kochen zu nennen - anders als bei den beiden Verwandten, die ein Sieden ausdrücklich benennen (mha-030: „sol das ab sieden“; m5919-088: „gesotten“). Ob hier ein Garschritt schlicht als selbstverständlich vorausgesetzt und nicht ausgeschrieben wurde, oder ob eine kalt gerührte Creme gemeint ist, lässt der Text offen.

Praxis. Da ein „muosz“ dieser Werkgattung sonst eine gegarte Speise bezeichnet und roher Eidotter sowie unerhitzte Milch modern vermieden werden sollten, empfiehlt es sich, die Mischung schonend zu erwärmen, bis sie leicht bindet - genau wie bei den beiden Textverwandten. Nur auf sehr schwacher Glut arbeiten und ständig rühren, da Eidotter mit Wein (Säure) leicht körnig gerinnen; sobald die Masse leicht andickt, sofort vom Feuer nehmen. Milch ODER Schmalz zugeben („das ist auch guot“ signalisiert eine gleichwertige Alternative, keine Zusatzzutat), dazu Sahne unterrühren. Dreizehn Eidotter sind eine stattliche Menge - das Rezept war wohl für ein festliches Mahl mit mehreren Gästen gedacht.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-029-orig" n="totter" resp="#fyndling">Eidotter/Eigelb - Hauptbestandteil dieser Creme.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-029-orig" n="muosz" resp="#fyndling">Mus/Brei im weiteren Sinn. In Meister Hans' Küche steht 'muosz' nicht immer für einen sämigen Brei, sondern kann auch eine gegarte Eierspeise bezeichnen - hier ohne Mehl, also eher eine Creme als ein Pfannengericht.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-029-orig" n="achtail" resp="#fyndling">Ein Achtel eines alten Flüssigkeitsmaßes ('Mass'), regional unterschiedlich, hier auf etwa 125 ml geschätzt.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-029-orig" n="waellsch wein" resp="#fyndling">Welscher Wein = italienischer Wein, ein damals importierter Statuswein (z. B. Vernaccia).</note>
        <note type="gloss" target="#mha-029-orig" n="milich ram" resp="#fyndling">Milchrahm, also Sahne.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mha-029-orig" n="ain suosse milich schmalcz das ist auch guot" resp="#fyndling">Als Alternative gelesen: süße Milch, oder ersatzweise Schmalz ('das ist auch gut'), gefolgt von Sahne als weiterer Zutat.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mha-029-orig" n="achtail" resp="#fyndling">Ein Achtel eines regionalen Flüssigkeitsmaßes ('Mass'), hier näherungsweise mit 125 ml angesetzt.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mha-029-orig" n="Garvorgang (Erhitzen) im Transkript nicht ausformuliert" resp="#fyndling">Praxis-Empfehlung: die Mischung schonend erwärmen, bis sie leicht bindet - in Anlehnung an die textnahen Zwillinge mha-030 ('ab sieden') und m5919-088 ('gesotten'), die ein Kochen explizit nennen.</note>
      </div>
    </back>
  </text>
</TEI>
