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        <title>Rindfleisch in Salzlake einlegen</title>
        <author>Anonymus</author>
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          <resp>Modernisierung, Übersetzung, Anmerkungen</resp>
          <name xml:id="fyndling">Fyndling.de</name>
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        <publisher>Fyndling.de</publisher>
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        <date when="2026-07-13">2026-07-13</date>
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          <title>Maister Hannsen des von Wirtenberg Koch</title>
          <date when="1460">1460</date>
          <idno type="URI">https://gams.uni-graz.at/o:corema.bs1/TEI_SOURCE.2021-01-15</idno>
          <note>Transkription: Astrid Böhm &amp; Helmut W. Klug, CoReMA TEI-Edition (Uni Graz, 2021, CC BY 4.0); Sekundäredition: Anton Birlinger, Alemannia 1, Bonn 1865 (Public Domain)</note>
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        <language ident="fnhd">Frühneuhochdeutsch (alemannisch-schwäbisch, 1460)</language>
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      <div type="recipe" xml:id="mha-043">
        <head>Rindfleisch in Salzlake einlegen</head>
        <div type="original" xml:id="mha-043-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mha-043-trans">
          <p>Das Rindflaisch behalt also Item nym Rindflaisch vnd mutschel als vil du Ir haben wild vnd salcz sy wol vnd lass sy ligen vierczigk tag vnd geuss die sulcz dauon Vnd thue Ir als du diser hast gethan vnd schwars zue als das kraut vnd secz es das es kalt werde In ainen keller wann die warmen tag werden kumen So nymm ain loffel vnd schoepff der sulcz dauon vnd kost sy ob sie nicht schmeck So thue sy dann dauon vnd nym dann ain frisch prunnen wasser vnd nym dann ain salcz ain klains schusselein vol vnd schlah das wasser vast durch einannder mit ainem pesen vnd lass es lauffen durch ain rain tuoch der sulcz muosz als vil sein das sy das fleisch bedecke .</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mha-043-trans" xml:lang="de" corresp="#mha-043-orig">
          <p>So bewahrst du Rindfleisch auf: Nimm Rindfleisch und Mutschel, so viel du davon haben willst, und salze es gut ein. Lass es vierzig Tage liegen und gieß danach die Salzlake davon ab.</p>
          <p>Behandle es genauso, wie du es zuvor getan hast, und beschwere es ab wie das eingelegte Kraut. Stelle es kalt in einen Keller.</p>
          <p>Wenn die warmen Tage kommen, nimm einen Löffel und schöpfe etwas von der Lake ab. Koste sie, ob sie noch gut schmeckt.</p>
          <p>Schmeckt sie nicht mehr, schütte die alte Lake weg. Nimm frisches Brunnenwasser und eine kleine Schüssel voll Salz. Schlage das Salzwasser kräftig mit einem Rührbesen durcheinander und lass es durch ein reines Tuch laufen. Die neue Lake muss so reichlich sein, dass sie das Fleisch vollständig bedeckt.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
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              <ingredient en="" commodity="" orig="Rindflaisch">Rindfleisch</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="mutschel">Mutschel</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="salcz">Salz, zum Einsalzen</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="frisch prunnen wasser">Frisches Brunnenwasser</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="ain salcz ain klains schusselein vol">Salz, für die neue Lake</ingredient>
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      <div type="annotations">
        <note type="preparation_tip" target="#mha-043-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? mha-043 ist keine Speise, sondern eine reine Nasspökel-Technik für Rindfleisch: einsalzen, vierzig Tage in der eigenen Salzlake ruhen lassen, mit einem Gewicht unter der Lake halten, kühl im Keller lagern und die Lake bei Bedarf durch frisch angerührte ersetzen. Das lebende Pendant ist gepökeltes Rindfleisch in der Art von Corned Beef oder Sauerfleisch: gleiches Prinzip aus Salzlake-Bad, Beschwerung und Nachpflege der Lake. Das unmittelbar folgende Rezept mha-044 überträgt dasselbe Verfahren auf Hammelfleisch.

Die Beschwerung. Die Anweisung, das Fleisch abzuschweren, ist zunächst schwer zu deuten - geklärt wird sie durch das Nachbarrezept mha-038 (eine Fischsülze), das für dieselbe Wendung wörtlich von einem Brett und zwei Ziegelsteinen als Gewicht spricht. Gemeint ist ein Gewicht auf einem Brett oder Deckel, das das Fleisch unter der Oberfläche der Lake hält, genau wie beim Einlegen von Sauerkraut. Ohne diese Beschwerung bekommen freiliegende Stellen Luftkontakt und verderben zuerst.

Die Mutschel. Die Zutat „Mutschel" bleibt ungeklärt, ein Hapax im Korpus. Denkbar wäre ein zweites Fleischstück, das zusammen mit dem Rind eingelegt wird, ebenso ein kleiner Brot- oder Käselaib. Für keine der Lesarten gibt es einen sicheren Beleg.

Die Salzlake. „Sulcz" meint hier durchgehend die flüssige Salzlake selbst, nicht ein geliertes Gericht. Man schöpft sie mit dem Löffel, kostet sie, und ersetzt sie, wenn sie schlecht geworden ist - erst später entwickelte sich aus demselben Wort auch die Bedeutung „Sülze" für ein festes, geliertes Gericht.

Praxis. Wer das nachkochen will: Rindfleisch trocken einsalzen, mit einem Gewicht auf einem Brett beschweren und kühl sowie dunkel lagern. Die eigene Flüssigkeit, die sich mit dem Salz zur Lake verbindet, muss das Fleisch stets vollständig bedecken. Für eine frische Ersatzlake Salz in Wasser mit einem Schneebesen vollständig auflösen und durch ein Tuch abseihen, damit keine ungelösten Kristalle zurückbleiben. Wichtig für die Küche von heute: Das Originalrezept salzt ohne Pökelsalz oder Nitrit. Eine mehrwöchige Rohfleisch-Reifung unter Lake ohne Nitritzusatz ist riskant, wenn Salzkonzentration oder Kühlung nicht durchgehend stimmen - Botulismus lässt sich am Geschmack der Lake nicht erkennen, der im Rezept genannte Kostprobe-Test schützt davor also nicht zuverlässig. Wer die Technik nachstellen will, sollte modernes Pökelsalz mit Nitrit verwenden und sich an aktuelle Pökel-Richtwerte halten. Für die Lagerküche eignet sich das Verfahren wegen der langen Reifezeit ohnehin nicht - fertig gepökeltes Fleisch mitbringen und die Technik nur erklären ist die praktikable Variante.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-043-orig" n="sulcz" resp="#fyndling">Meint hier die Salzlake selbst (Pökellake), die man schöpft, kostet und bei Bedarf erneuert. Später entwickelte sich aus demselben Wort auch die Bedeutung 'Sülze/Aspik' für das gelierte Gericht, hier ist aber die flüssige Lake gemeint.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-043-orig" n="vierczigk tag" resp="#fyndling">Vierzig Tage Ruhezeit im Salz, eine für Pökelverfahren typische lange Reifezeit.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-043-orig" n="schwars zue" resp="#fyndling">Bestätigt durch das Nachbarrezept mha-038, das für dieselbe Wendung wörtlich von einem Brett und zwei Ziegelsteinen als Gewicht spricht: gemeint ist 'beschwere es ab', also das Fleisch mit einem Gewicht unter der Lake niederhalten, genau wie beim Einlegen von Sauerkraut.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-043-orig" n="mutschel" resp="#fyndling">Bleibt ungeklärt, ein Hapax im Korpus. Möglich wäre ein zweites Fleischstück oder ein kleiner Brot-/Käselaib (vgl. Schweizerdeutsches Idiotikon), gesichert ist keine der Lesarten.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mha-043-orig" n="mutschel" resp="#fyndling">Unklare Zutat, im Kontext der Fleischeinlegung am ehesten ein weiteres tierisches Stück (z. B. ein zusätzliches Fleisch- oder Käsestück), das zusammen mit dem Rind eingesalzen und eingelegt wird.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mha-043-orig" n="sulcz" resp="#fyndling">Als Salzlake/Pökellake gelesen, die flüssige Substanz, in der das Fleisch liegt, nicht als geliertes Sülze-Gericht.</note>
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