<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0">
  <teiHeader>
    <fileDesc>
      <titleStmt>
        <title>Gelbe Sülze mit Mandelkernen</title>
        <author>Anonymus</author>
        <respStmt>
          <resp>Modernisierung, Übersetzung, Anmerkungen</resp>
          <name xml:id="fyndling">Fyndling.de</name>
        </respStmt>
      </titleStmt>
      <publicationStmt>
        <publisher>Fyndling.de</publisher>
        <availability>
          <licence target="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/">CC BY-SA 4.0 (Übersetzung &amp; Anmerkungen)</licence>
        </availability>
        <date when="2026-07-13">2026-07-13</date>
        <idno type="url">https://fyndling.de/rezepte/mha-047/</idno>
      </publicationStmt>
      <sourceDesc>
        <bibl>
          <title>Maister Hannsen des von Wirtenberg Koch</title>
          <date when="1460">1460</date>
          <idno type="URI">https://gams.uni-graz.at/o:corema.bs1/TEI_SOURCE.2021-01-15</idno>
          <note>Transkription: Astrid Böhm &amp; Helmut W. Klug, CoReMA TEI-Edition (Uni Graz, 2021, CC BY 4.0); Sekundäredition: Anton Birlinger, Alemannia 1, Bonn 1865 (Public Domain)</note>
        </bibl>
      </sourceDesc>
    </fileDesc>
    <encodingDesc>
      <schemaRef type="interchangeODD" url="https://fyndling.de/rezepte-data/tei/fyndling.odd"/>
      <schemaRef type="interchangeRNG" url="https://fyndling.de/rezepte-data/tei/fyndling.rng"/>
    </encodingDesc>
    <profileDesc>
      <langUsage>
        <language ident="fnhd">Frühneuhochdeutsch (alemannisch-schwäbisch, 1460)</language>
        <language ident="de">Neuhochdeutsch (Übersetzung)</language>
      </langUsage>
    </profileDesc>
  </teiHeader>
  <text>
    <body>
      <div type="recipe" xml:id="mha-047">
        <head>Gelbe Sülze mit Mandelkernen</head>
        <div type="original" xml:id="mha-047-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mha-047-trans">
          <p>Ain sulcz die Item wiltu machen gar gell sej . ain sulcz die gel sey . Da wirff zehen mandel keren darein oder mer .</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mha-047-trans" xml:lang="de" corresp="#mha-047-orig">
          <p>Eine Sülze [Würzsauce].</p>
          <p>Willst du sie besonders gelb machen, eine Sülze, die gelb sei: Wirf dann zehn Mandelkerne hinein, oder auch mehr.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="zehen mandel keren">Mandelkerne</ingredient> - 10</item>
          </list>
        </div>
      </div>
    </body>
    <back>
      <div type="annotations">
        <note type="preparation_tip" target="#mha-047-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein knapper Item-Vermerk zu einer bereits andernorts im Buch beschriebenen Sülze. Der lebende Nachfahre dieser Gerichtsfamilie ist die bis heute unter demselben Namen bekannte deutsch-österreichische Sülze (Fleisch oder Fisch in Aspik, etwa Presskopf oder saure Sulz). Ob hier eine feste Gallerte oder eine dickflüssige, kalt servierte Würzsauce gemeint ist, bleibt offen, da im Text kein Geliermittel (Fischblase, kollagenreiche Brühe) genannt wird.

Die Gelbfärbung. Die stehende Kochbuch-Formel 'mach ez gel mit saffran' und eine direkte CoReMA-Sachglosse zu diesem Rezept stützen, dass die gewünschte Gelbfärbung von Safran stammt - genannt wird das Gewürz im Fließtext allerdings nicht, weshalb es auch nicht in der Zutatenliste steht. Die zehn Mandelkerne selbst färben nichts gelb: geschälte Mandelkerne sind cremeweiß und kein Farbmittel. Der Text stellt hier auch keine Ursache-Wirkung her - 'Da wirf...' heißt schlicht 'dann/daraufhin wirf...', eine sequentielle Anweisung, keine Erklärung der Farbe.

Die Funktion der Mandelkerne. Vergleichbare, aufwendigere Sülze-Rezepte im Korpus verwenden Mandelkerne teils als Steckgarnitur auf der bereits fertigen, gefärbten Sülze statt als eingerührte Zutat. Ob mha-047 dasselbe meint oder die Kerne tatsächlich untergerührt werden, lässt sich aus dem kurzen Fragment nicht entscheiden.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-047-orig" n="sulcz" resp="#fyndling">CoReMA verzeichnet 'sulcz' als Aspik/Gallerte. Da hier aber kein Geliermittel (Fischblase, kollagenreiche Brühe) genannt wird, ist eher eine dicke, kalt servierte Würzsauce gemeint als ein festes, geliertes Gericht.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-047-orig" n="gar gell sej / die gel sey" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#sey">'gelb' war im Mittelalter oft gleichbedeutend mit 'mit Safran gefärbt' - CoReMA verzeichnet zu diesem Rezept eine direkte Sachglosse von 'gell/gel' auf Safran (Wikidata Q25434), nicht nur die formelhafte Analogie zur stehenden Wendung 'mach ez gel mit saffran'. Safran selbst wird im Fließtext dennoch nicht genannt.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-047-orig" n="mandel keren" resp="#fyndling">Gemeint sind geschälte, ganze oder halbierte Mandelkerne, keine Mandeln mit Schale. Ob sie hier in die Sülze eingerührt oder - wie in vergleichbaren, aufwendigeren Sülze-Rezepten des Korpus - als Garnitur aufgesteckt werden, lässt sich aus dem kurzen Fragment nicht entscheiden.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mha-047-orig" n="gell / gel" resp="#fyndling">Farbadjektiv 'gelb', das nach mittelalterlicher Konvention auf Safran als Färbemittel verweist, obwohl Safran im Text selbst nicht genannt wird.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mha-047-orig" n="sulcz" resp="#fyndling">Dicke, kalt servierte Würzsauce, da kein Geliermittel im Text genannt wird.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mha-047-orig" n="mandel keren (Funktion)" resp="#fyndling">Die Mandelkerne werden in die Sülze eingerührt, wie es der Wortlaut ('wirf... darein') nahelegt.</note>
      </div>
    </back>
  </text>
</TEI>
