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        <title>Heidnische Kuchen mit Honig</title>
        <author>Anonymus</author>
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          <resp>Modernisierung, Übersetzung, Anmerkungen</resp>
          <name xml:id="fyndling">Fyndling.de</name>
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        <publisher>Fyndling.de</publisher>
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        <date when="2026-07-06">2026-07-06</date>
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          <title>Maister Hannsen des von Wirtenberg Koch</title>
          <date when="1460">1460</date>
          <idno type="URI">https://gams.uni-graz.at/o:corema.bs1/TEI_SOURCE.2021-01-15</idno>
          <note>Transkription: Astrid Böhm &amp; Helmut W. Klug, CoReMA TEI-Edition (Uni Graz, 2021, CC BY 4.0); Sekundäredition: Anton Birlinger, Alemannia 1, Bonn 1865 (Public Domain)</note>
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        <language ident="fnhd">Frühneuhochdeutsch (alemannisch-schwäbisch, 1460)</language>
        <language ident="de">Neuhochdeutsch (Übersetzung)</language>
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      <div type="recipe" xml:id="mha-085">
        <head>Heidnische Kuchen mit Honig</head>
        <div type="original" xml:id="mha-085-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mha-085-trans">
          <p>Ain haydennischen

Item zertreib kuochen mach also . ain taig mit ayren vnd mit ainer wallczen dunne Als oblat vnd schneid es drej vinger dick . vnd lennger dann ain hannd vnd pach es In schmalcz vnd geuss darauf gepefferten honigk trannck oder honig wurczen . Gib es hin . das haist ain haydennischer kuoch oder ain hausen plasen .</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mha-085-trans" xml:lang="de" corresp="#mha-085-orig">
          <p>Bereite einen Teig aus Eiern und Mehl. Rolle diesen Teig mit einer Teigrolle so dünn aus wie eine Oblate. Schneide ihn dann in Streifen, die etwa drei Finger breit (ca. 5-6 cm) und länger als eine Hand (ca. 15-20 cm) sind.</p>
          <p>Backe diese Teigstreifen in heißem Schmalz goldbraun aus. Gieße anschließend gepfefferten Honig oder gewürzten Honig-Sirup darüber. Serviere die Speise. Man nennt sie 'Heidnischen Kuchen' oder auch 'Hausenblasen'.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
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              <ingredient en="" commodity="" orig="ayren">Eier</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="Mehl">Mehl</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="schmalcz">Schweineschmalz (oder Butterschmalz / Pflanzenöl)</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="gepefferten honigk trannck oder honig wurczen">Honig, mit Pfeffer und Gewürzen erwärmt (selbstgemachte Sauce)</ingredient>
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      <div type="annotations">
        <note type="preparation_tip" target="#mha-085-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Dies ist im Geiste ein Vorläufer unserer heutigen Krapfen und Berliner, ein knuspriges Schmalzgebäck, das warm mit einem würzigen Honigsirup übergossen wird.

So gelingt es. Der Schlüssel liegt in einem sehr festen Teig und dem hauchdünnen Ausrollen. Als Startpunkt nimmst du für zwei Eier (Größe M) etwa 200-250g Weizenmehl und knetest es so lange, bis ein sehr fester, aber elastischer Teig entsteht, der sich nicht mehr klebrig anfühlt - bei Bedarf gibst du noch etwas Mehl hinzu. Rolle den Teig dann wirklich hauchdünn aus, wie eine Oblate, sonst werden die Kuchen beim Frittieren zäh statt knusprig. Schneide die Streifen wie beschrieben zu und frittiere sie in reichlich auf 170-175°C erhitztem Schmalz (oder Pflanzenöl) goldbraun und knusprig. Der häufigste Fehler ist zu dick ausgerollter Teig, der sich mit Fett vollsaugt - das vermeidest du durch konsequentes Dünn-Ausrollen und die richtige Frittiertemperatur.

So wird es richtig gut. Für den Honigsirup erwärmst du den Honig sanft mit frisch gemahlenem schwarzem Pfeffer. ‚Honig wurczen‘ erlaubt dir, weitere zeittypische Gewürze wie Zimt, Nelken, Ingwer oder eine Prise Muskat hinzuzufügen - das gibt dem Sirup Tiefe. Eine winzige Prise Salz im Sirup hebt die Süße und die Gewürze hervor. Um die Süße des Honigs zu balancieren, kannst du einen kleinen Schuss Verjus oder Apfelessig in den warmen Sirup geben, das sorgt für eine angenehme Säurenote, die im Mittelalter sehr geschätzt wurde. Serviere die Heidnischen Kuchen sofort nach dem Frittieren, noch warm und knusprig, mit dem frisch übergossenen, gewürzten Honigsirup.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-085-orig" n="Ain haydennischen" resp="#fyndling">'Heidnisch' bzw. 'haydennisch' ist im spätmittelalterlichen deutschen Kochwortschatz ein etablierter Bezeichnungstyp für Speisen, die exotisch, ungewöhnlich oder 'fremdländisch' wirkten - selten mit direkter religiöser Konnotation, sondern als Verweis auf eine 'andere' Zubereitung oder Zutatenkombination. Wahrscheinliche Etymologie: entweder von 'Heiden' im Sinne von Buchweizen ('Heidenkorn', importiert aus dem Osten), oder als Verweis auf orientalisch-importierte Gewürze und Zubereitungsweisen. Im Korpus belegt mit verschiedensten Speisetypen: gefüllte Pasteten, Mandel-Erbsen-Pasten, Schaugericht-Köpfe (siehe bgs-005a, bgs-063, bgs-095).</note>
        <note type="gloss" target="#mha-085-orig" n="zertreib kuochen" resp="#fyndling">Das Verb 'zertreiben' bedeutet hier 'zubereiten' oder 'machen', nicht wörtlich 'zerreiben'.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-085-orig" n="wallczen" resp="#fyndling">Eine 'Walze' ist ein Nudelholz oder eine Teigrolle.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-085-orig" n="oblat" resp="#fyndling">Eine 'Oblate' ist ein sehr dünnes, ungesäuertes Gebäck, oft für Hostien verwendet - hier als Vergleich für die gewünschte Teigdicke ('dünn wie eine Oblate').</note>
        <note type="gloss" target="#mha-085-orig" n="drej vinger" resp="#fyndling">Mittelalterliche Maßangabe für die Streifen-Breite, etwa 5-6 cm.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-085-orig" n="lennger dann ain hannd" resp="#fyndling">Länger als eine Handbreite, also etwa 15-20 cm Streifen-Länge.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-085-orig" n="pach es In schmalcz" resp="#fyndling">'Backen in Schmalz' meint im Spätmittelalter das Frittieren oder Ausbacken im heißen Fett - die Vorform unserer modernen Krapfen- und Schmalzgebäck-Tradition (Berliner, Faschingskrapfen, Quarkbällchen).</note>
        <note type="gloss" target="#mha-085-orig" n="gepefferten honigk trannck" resp="#fyndling">Wörtlich 'gepfefferter Honig-Trunk', meint hier kein eigenständig vergorenes Getränk (Met), sondern eine schnell selbstgemachte warme Sauce aus erwärmtem Honig mit frisch gemahlenem Pfeffer.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-085-orig" n="honig wurczen" resp="#fyndling">Wörtlich 'Honig-Würzen'; analog zum gepfefferten Honig eine warme Sauce aus Honig mit ergänzenden Gewürzen (Zimt, Nelken, Ingwer, Kardamom etc.). Im Original durch 'oder' alternativ zum Pfeffer-Honig angeboten.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-085-orig" n="hausen plasen" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#hausen">Direkte Form-Vergleichs-Bezeichnung: Die Hausenblase, getrocknete Schwimmblase des Hausen-Störs, war im Mittelalter teure Importware zur Bier- und Wein-Klärung (Vorform der modernen Gelatine). Optisch: dünn, langgestreckt, glasig-durchscheinend, leicht goldig-bräunlich - exakt wie die in Schmalz frittierten dünnen Teigstreifen aussehen. Sympathische Demo-Speise: günstiges Gebäck, das wie kostbare Importware wirkt. Ergänzend: 'hausen' bezeichnet im Glossar auch den Stör selbst (fetter Fisch, wie Speck ausgelassen) - stützt die Kostbarkeits-Assoziation der Namensgebung.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mha-085-orig" n="zertreib kuochen" resp="#fyndling">Das Verb ‚zertreiben‘ bedeutet hier ‚zubereiten‘ oder ‚machen‘, nicht wörtlich ‚zerreiben‘.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mha-085-orig" n="honig wurczen" resp="#fyndling">Dies ist eine plausible Alternative zum gepfefferten Honigtrank, die einen gewürzten Honigsirup meint.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mha-085-orig" n="ain taig mit ayren" resp="#fyndling">Obwohl Mehl nicht explizit genannt wird, ist es für einen Teig, der ausgerollt und gebacken wird, eine notwendige Zutat.</note>
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