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        <title>Mittel gegen Krautwürmer (mit Randbemerkung)</title>
        <author>Anonymus</author>
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          <resp>Modernisierung, Übersetzung, Anmerkungen</resp>
          <name xml:id="fyndling">Fyndling.de</name>
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        <publisher>Fyndling.de</publisher>
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          <licence target="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/">CC BY-SA 4.0 (Übersetzung &amp; Anmerkungen)</licence>
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        <date when="2026-07-16">2026-07-16</date>
        <idno type="url">https://fyndling.de/rezepte/mha-110/</idno>
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          <title>Maister Hannsen des von Wirtenberg Koch</title>
          <date when="1460">1460</date>
          <idno type="URI">https://gams.uni-graz.at/o:corema.bs1/TEI_SOURCE.2021-01-15</idno>
          <note>Transkription: Astrid Böhm &amp; Helmut W. Klug, CoReMA TEI-Edition (Uni Graz, 2021, CC BY 4.0); Sekundäredition: Anton Birlinger, Alemannia 1, Bonn 1865 (Public Domain)</note>
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        <language ident="fnhd">Frühneuhochdeutsch (alemannisch-schwäbisch, 1460)</language>
        <language ident="de">Neuhochdeutsch (Übersetzung)</language>
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      <div type="recipe" xml:id="mha-110">
        <head>Mittel gegen Krautwürmer (mit Randbemerkung)</head>
        <div type="original" xml:id="mha-110-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mha-110-trans">
          <p>Fur Item die krautt wurmm . Nym piessen kraut vnd seud das gar wol . Dornach lass das kraut kalt werden vnd sprenng dann den pflannczen samen damit . So nun der sam getruck= net sej so lass In stan . So es die wurmm das kraut nicht Der sam ist beliben das fuget dir wol wann ich haimlich gemerckt han das du geren pottigen kraut yssest aber doch nicht vil So pin ich genaigt mit meiner natur zue dem haber muoss vnd darumb ich mit dir von essens wegen nicht wechseln wil .</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mha-110-trans" xml:lang="de" corresp="#mha-110-orig">
          <p>Gegen die Krautwürmer: Nimm Mangold und siede ihn recht gut durch.</p>
          <p>Danach lass das Kraut kalt werden und besprenge damit den Pflanzensamen. Wenn der Same getrocknet ist, so lass ihn stehen.</p>
          <p>(Hier eine kleine Lücke im Text) Fressen die Würmer das Kraut dann nicht an und bleibt der Same erhalten, so nützt dir das gut.</p>
          <p>Denn ich habe insgeheim bemerkt, dass du gerne getopftes Kraut isst, aber doch nicht viel davon. Meiner Natur nach bin ich eher zum Hafermus geneigt, und darum will ich mit dir des Essens wegen nicht tauschen.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
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            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="piessen kraut">Mangold</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="">Wasser</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="pflannczen samen">Pflanzensamen</ingredient>
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      <div type="annotations">
        <note type="preparation_tip" target="#mha-110-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Kein Speisegericht, sondern ein Garten- und Vorratstipp: eine Saatgut-Beize gegen „Krautwürmer“ (Raupen und ähnliche Schädlinge an jungen Gemüsepflanzen). Mangold wird gesotten, der Sud abgekühlt, das Saatgut damit besprengt und getrocknet. Der Kern lebt heute als volkstümliche, im Selbstversorger-Gartenbau weitergereichte Saatgutbehandlung fort. Als Text ist mha-110 die Basler Schwester der nahezu wortgleichen Mondseer Anleitung mon-251.

Die Handschrift bricht an einer Stelle unvollständig ab („So es die wurmm das kraut nicht ...“). Der Zwilling mon-251 füllt die Lücke eindeutig: die Würmer können den aus dem behandelten Saatgut wachsenden Samen nicht fressen. An einer weiteren Stelle gehen die beiden Zeugen auseinander - mha-110 lässt den getrockneten Samen stehen (liegen und aufbewahren), mon-251 lässt ihn aussäen.

Praxis. Mangold in reichlich Wasser gründlich durchsieden, dann den Sud (wörtlich heißt es „lass das Kraut kalt werden“) vollständig abkühlen lassen - ein kochend heißer Sud würde den Keimling im Korn abtöten. Das Saatgut mit dem kalten Sud besprengen oder beträufeln, nicht eintauchen oder einweichen: ein dünner Überzug genügt, stehende Flüssigkeit ließe den Samen ersticken oder faulen. Danach trocknen und trocken lagern. Ob ein Mangold-Sud Krautwürmer wirklich fernhält, behauptet allein das Rezept - ein nachvollziehbarer Wirkmechanismus ist nicht belegt.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-110-orig" n="Item" resp="#fyndling">Auflistungs-/Einleitungswort, hier etwa 'Punkt' - kein Gericht und keine Zutat, sondern eine Rubriküberschrift wie in Listen üblich.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-110-orig" n="krautt wurmm" resp="#fyndling">Krautwürmer, gemeint sind Raupen oder andere Schädlinge, die junge Kohl-/Gemüsepflanzen befallen.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-110-orig" n="piessen kraut" resp="#fyndling">Mangold (Beta vulgaris), von CoReMA eindeutig verlinkt (Wikidata Q157954).</note>
        <note type="gloss" target="#mha-110-orig" n="pflannczen samen" resp="#fyndling">Pflanzensamen, generisch - vermutlich Kohl- oder Gemüsesaatgut, das gegen Wurmfraß behandelt werden soll.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-110-orig" n="pottigen kraut" resp="#fyndling">Vermutlich „getopftes Kraut“, also in einem Topf gekochtes Gemüse (von „Pott“ = Topf). Da „Pott“ nord-/niederdeutsch ist und im alemannisch-schwäbischen Raum um 1460 eher „Hafen“ gälte, bleibt die Deutung unsicher; das Wort ist ein korpusweiter Hapax, siehe interpretive_choices.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-110-orig" n="haber muoss" resp="#fyndling">Hafermus/Haferbrei (von CoReMA als 'puree' verlinkt, Wikidata Q636056) - hier nur als persönliche Essens-Vorliebe des Schreibers erwähnt, nicht als Zutat der Anleitung.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-110-orig" n="haimlich" resp="#fyndling">'Heimlich' im Sinn von 'insgeheim, im Stillen' - der Schreiber hat etwas beobachtet, ohne dass es der Angesprochene bemerkt hat. Korpusweiter Hapax, aber sprachlich unproblematisch.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mha-110-orig" n="pottigen kraut" resp="#fyndling">Gelesen als „getopftes Kraut“, also in einem Topf gekochtes Gemüse (von „Pott“ = Topf).</note>
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