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        <title>Grüner Textilfarbstoff aus Tinte und Alaun</title>
        <author>Anonymus</author>
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          <resp>Modernisierung, Übersetzung, Anmerkungen</resp>
          <name xml:id="fyndling">Fyndling.de</name>
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        <publisher>Fyndling.de</publisher>
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        <date when="2026-07-06">2026-07-06</date>
        <idno type="url">https://fyndling.de/rezepte/mha-155/</idno>
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          <title>Maister Hannsen des von Wirtenberg Koch</title>
          <date when="1460">1460</date>
          <idno type="URI">https://gams.uni-graz.at/o:corema.bs1/TEI_SOURCE.2021-01-15</idno>
          <note>Transkription: Astrid Böhm &amp; Helmut W. Klug, CoReMA TEI-Edition (Uni Graz, 2021, CC BY 4.0); Sekundäredition: Anton Birlinger, Alemannia 1, Bonn 1865 (Public Domain)</note>
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        <language ident="fnhd">Frühneuhochdeutsch (alemannisch-schwäbisch, 1460)</language>
        <language ident="de">Neuhochdeutsch (Übersetzung)</language>
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      <div type="recipe" xml:id="mha-155">
        <head>Grüner Textilfarbstoff aus Tinte und Alaun</head>
        <div type="original" xml:id="mha-155-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mha-155-trans">
          <p>wiltu grun farb machen

Item wiltu grun farb machen wiltu guote grun machen So nymm dimpten vnd truck sy durch einannder mit gestossen Allaun . So hastu guote grun zue tuoch oder zue garen .</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mha-155-trans" xml:lang="de" corresp="#mha-155-orig">
          <p>Willst du grüne Farbe machen, ein gutes Grün erzielen:</p>
          <p>Nimm Tinte (Dimpten) und presse sie gut zusammen mit zerstoßenem Alaun durch. So hast du ein gutes Grün für Tuch oder Garn.</p>
          <p>'Dimpten' ist die frühneuhochdeutsche Form von Tinte (von lat. tinctura, Farbstoff/Tinktion). In Handschriften findet sich das Wort auch als dimpte, dinte oder dintten. Gemeint ist hier keine Schreibtinte, sondern eine Farbstofflösung, die zusammen mit Alaun als Beize ein gutes Grün auf Textilien ergibt.</p>
          <p>Dieses Rezept ist 'das Grün', auf das mha-156 (Braun aus Attich-Beeren) als bekanntes Verfahren verweist.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
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            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="dimpten">Tinte (grüne Farbstofflösung)</ingredient>
            </item>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="gestossen Allaun">Alaun, zerstoßen</ingredient>
            </item>
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      <div type="annotations">
        <note type="preparation_tip" target="#mha-155-trans" resp="#fyndling">Welches Rezept ist das? Im Geiste ist das eine Färbeanleitung für Textilien: Farbstofflösung (Dimpten/Tinte) und zerstoßener Alaun werden zusammen vermischt, um Tuch oder Garn grün zu färben. Ein direkter handwerklicher Nachfahre ist die Naturfärberei mit Alaunbeize, wie sie bis heute im Textil-Kunsthandwerk praktiziert wird - das Grundprinzip Farbstoff plus Alaun-Mordant ist seit Jahrhunderten unverändert.

So gelingt es. Das Original nennt nur einen Arbeitsschritt: die Farbstofflösung wird mit zerstoßenem Alaun 'durcheinander gedrückt', also gründlich vermischt. Der Alaun (Kaliumaluminiumsulfat) wirkt dabei als Beizmittel - er hilft, den Farbstoff auf der Faser zu fixieren, ein in der spätmittelalterlichen Textilfärberei gut belegtes Standardverfahren. Ein Hitzeschritt oder Kochen wird im Text nicht erwähnt.

Praxis. Zerstoßenen Alaun gründlich in die Farblösung einarbeiten, bis eine homogene Mischung entsteht, dann Tuch oder Garn darin tränken. Menge, Einwirkzeit und Spülvorgang nennt das Original nicht - hier ist man auf färberisches Erfahrungswissen angewiesen.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-155-orig" n="dimpten" resp="#fyndling">Frühneuhochdeutsche Form von Tinte, von lateinisch tinctura (Farbstoff, Färbung). In Handschriften auch als dimpte, dinte oder dintten belegt. Hier keine Schreibtinte, sondern eine Farbstofflösung, die zusammen mit Alaun als Beize ein gutes Grün ergibt.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-155-orig" n="gestossen Allaun" resp="#fyndling">Alaun (Kaliumaluminiumsulfat) als Beize (Mordant): fixiert Farbstoff auf der Faser und verbessert Farbechtheit, gut belegtes Standardverfahren der spätmittelalterlichen Textilfärberei. Hier direkt mit der Farblösung vermischt.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-155-orig" n="zue tuoch oder zue garen" resp="#fyndling">'Für Tuch oder Garn' - eindeutig Textilfärbung. Das Original lässt keinen Zweifel am Verwendungszweck.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mha-155-orig" n="dimpten" resp="#fyndling">Tinte - frühneuhochdeutsche Form von tinctura (Farbstofflösung). Keine Pflanze.</note>
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