<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0">
  <teiHeader>
    <fileDesc>
      <titleStmt>
        <title>Schlichter Schlehen-Kompost mit Quitten und Birnen</title>
        <author>Anonymus</author>
        <respStmt>
          <resp>Modernisierung, Übersetzung, Anmerkungen</resp>
          <name xml:id="fyndling">Fyndling.de</name>
        </respStmt>
      </titleStmt>
      <publicationStmt>
        <publisher>Fyndling.de</publisher>
        <availability>
          <licence target="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/">CC BY-SA 4.0 (Übersetzung &amp; Anmerkungen)</licence>
        </availability>
        <date when="2026-07-17">2026-07-17</date>
        <idno type="url">https://fyndling.de/rezepte/mha-168/</idno>
      </publicationStmt>
      <sourceDesc>
        <bibl>
          <title>Maister Hannsen des von Wirtenberg Koch</title>
          <date when="1460">1460</date>
          <idno type="URI">https://gams.uni-graz.at/o:corema.bs1/TEI_SOURCE.2021-01-15</idno>
          <note>Transkription: Astrid Böhm &amp; Helmut W. Klug, CoReMA TEI-Edition (Uni Graz, 2021, CC BY 4.0); Sekundäredition: Anton Birlinger, Alemannia 1, Bonn 1865 (Public Domain)</note>
        </bibl>
      </sourceDesc>
    </fileDesc>
    <encodingDesc>
      <schemaRef type="interchangeODD" url="https://fyndling.de/rezepte-data/tei/fyndling.odd"/>
      <schemaRef type="interchangeRNG" url="https://fyndling.de/rezepte-data/tei/fyndling.rng"/>
    </encodingDesc>
    <profileDesc>
      <langUsage>
        <language ident="fnhd">Frühneuhochdeutsch (alemannisch-schwäbisch, 1460)</language>
        <language ident="de">Neuhochdeutsch (Übersetzung)</language>
      </langUsage>
    </profileDesc>
  </teiHeader>
  <text>
    <body>
      <div type="recipe" xml:id="mha-168">
        <head>Schlichter Schlehen-Kompost mit Quitten und Birnen</head>
        <div type="original" xml:id="mha-168-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mha-168-trans">
          <p>wiltu ain schlechten kumpost machen Item wiltu schlechten kumpost machen So nym ainen gepickten hafen vnd full den voller slehen vnd geuss wein oder wasser daran als vil du wild oder mugest daran pringen vnd geuss das wider darauf vnd missz das vnd als vil mass du missest Als vil honig nym dar zue vnd thue das In ainen kessel . vnd lass es sieden piss es ein siede Als vil des hoenigs gewesen sej vnd lass es woll erkallten vnd nymm dann kutten . vnd frisch regel pieren vnd lass ein wenig erwallen vnd schneid die zue klainen schniczlein . Auch nym die kindlach die pej den kraucz kroepffen stenn vnd die auspriessen oder ausschiessen vnd erwoelle die vnd thue ein wenig darein Vnd leg dann die vngesotten schlehen ain legk vnd strae dann kutten oder pieren schnicz ain legk vnd der kroepff auch ain legk vnd dann aber schlehen vnd thue das pisz das der hafen vol werde So geuss dann den ge= soten wein oder ein masz hoenig daran mit dem hoenig vnd ver= pind den hafen vnnz das er sich vergart So hastu ainen guoten kum post wann du wild So thue wurcz In den wein .</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mha-168-trans" xml:lang="de" corresp="#mha-168-orig">
          <p>Willst du einen schlichten Kompost machen, nimm einen gepichten Topf (innen mit Pech abgedichtet, damit er dicht und haltbar ist) und fülle ihn voller Schlehen. Gieße Wein oder Wasser darüber, so viel du willst oder unterbringen kannst, und schütte diese Flüssigkeit noch einmal darauf. Merke dir genau, wie viel Maß du hineingegossen hast.</p>
          <p>Nimm nun ebenso viel Honig, wie du an Flüssigkeit gemessen hast, und gib beides zusammen in einen Kessel. Lass es sieden, bis es um so viel eingekocht ist, wie der Honig ausgemacht hat, und lass die Masse danach gut erkalten.</p>
          <p>Nimm Quitten und frische Birnen, lass sie kurz aufwallen und schneide sie zu kleinen Schnitzen. Nimm außerdem die kleinen Sprösslinge, die bei den Krautköpfen stehen und dort aussprießen, lass auch diese kurz aufwallen und gib ein wenig davon bei.</p>
          <p>Lege nun die ungekochten Schlehen lagenweise in den Topf: eine Lage Schlehen, darüber eine Lage Quitten- oder Birnenschnitze, dann eine Lage der Kohlsprossen, und wieder eine Lage Schlehen. So schichte immer weiter, bis der Topf voll ist.</p>
          <p>Gieße dann den gesottenen Wein - oder ein Maß Honig - darüber, zusammen mit dem Honig, und binde den Topf fest zu, bis sich alles gesetzt hat. So hast du einen guten Kompost. Magst du, gib noch Gewürz in den Wein.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="slehen">Schlehen</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="wein oder wasser">Wein oder Wasser</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="honig">Honig</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="kutten">Quitten</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="frisch regel pieren">Birnen, frisch</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="kindlach die pej den kraucz kroepffen stenn vnd die auspriessen oder ausschiessen">Kohlsprossen (kleine Sprösslinge bei den Krautköpfen)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="wurcz">Gewürz (optional)</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
    </body>
    <back>
      <div type="annotations">
        <note type="preparation_tip" target="#mha-168-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Dieser Kompost ist kein süßes Tafelkompott, sondern ein mit Wein-Honig-Sud eingelegtes, haltbares Vorratsgut aus Schlehen, Quitten, Birnen und Kohl-Seitensprossen für die Speisekammer. Er reiht sich in die Familie der eingelegten Gewürzfrüchte ein, wie sie - in Honig- oder Essig-Sud angesetzt - bis heute als Käse- oder Wildbeilage gemacht werden. Der Zwilling Schlech gumpost aus dem Menagier-Kochbuch (Cgm 384) belegt dasselbe Grundverfahren unabhängig und zeigt, dass es sich nicht um eine Einzel-Erfindung handelt, sondern um einen über mehrere Handschriften belegten Rezepttyp.

Der Sud. Wein oder Wasser wird zweimal über die eingefüllten Schlehen gegossen und die Gesamtmenge gemessen, um das tatsächliche Flüssigkeitsvolumen um die Früchte herum zu bestimmen. Zu gleichen Teilen Honig dazugegeben und im Kessel eingekocht, bis die Flüssigkeit um das zugefügte Honigvolumen reduziert ist - danach muss der Sud vollständig auskühlen, bevor er über die Früchte gegossen wird, damit die rohen Schlehen und die nur kurz blanchierten Quitten, Birnen und Kohlsprossen nicht nachgaren.

Vergart - setzen oder gären? Das Schlusswort vergart bleibt im Original uneindeutig: es kann ein bloßes Setzen/Klären der geschichteten Masse meinen oder eine beginnende Gärung durch Honig, Frucht und Wein im verschlossenen Gefäß. Der Text nennt keine Zeitspanne dafür - Tage oder Wochen sind beide denkbar, ohne dass sich das aus dem Rezept entscheiden ließe.

Praxis. Sud vorkochen und vollständig abkühlen lassen (lässt sich vorbereiten), Quitten und Birnen kurz blanchieren und in Schnitze schneiden, die Kohlsprossen ebenfalls kurz blanchieren. Rohe Schlehen und die vorbereiteten Zutaten abwechselnd in einen sauberen, fest verschließbaren Vorratstopf schichten - statt eines historisch gepichten Tongefäßes eignet sich heute ein sterilisiertes Einmachglas -, mit dem kalten Sud übergießen, fest verschließen und an einem kühlen Ort ziehen lassen, bis sich alles gesetzt hat. Nach Belieben Gewürz in den Wein geben.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-168-orig" n="kumpost" resp="#fyndling">Kein süßes Kompott, sondern ein eingelegtes, haltbares Vorratsgut aus Obst und Gemüse, verwandt mit lateinisch compositum. Eine Vorform des Sauergemüses/Sauerobstes für die Speisekammer.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-168-orig" n="gepickten hafen" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#hafen">‚Gepichter' Topf (von fnhd. bechen, mit Pech überziehen), also innen mit Pech (Baumharz-Gemisch) abgedichtet, damit Flüssigkeit nicht durch das Gefäß dringt. Historisch übliche Methode, Tongefäße dicht zu machen.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-168-orig" n="kindlach die pej den kraucz kroepffen stenn" resp="#fyndling">Kleine Sprösslinge, die an den Krautköpfen (Kohlköpfen) wachsen und aussprießen, also Seitentriebe des Kohls, ähnlich modernen Rosenkohl-Röschen.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-168-orig" n="vergart" resp="#fyndling">Wahrscheinlich ‚sich setzen/klären' oder ‚sich vergären' im Sinne des Reifens/Absetzens der eingelegten Masse im verschlossenen Topf.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mha-168-orig" n="kindlach die pej den kraucz kroepffen stenn vnd die auspriessen oder ausschiessen" resp="#fyndling">Kleine Seitensprossen, die an Kohlköpfen (Krautköpfen) wachsen und aussprießen, gestützt durch die CoReMA-Sachglosse, die diese Phrase mit dem Wikidata-Eintrag ‚Sprout' verlinkt.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mha-168-orig" n="vergart" resp="#fyndling">‚Sich setzen/klären' im verschlossenen Topf, als Abschluss des Einlege-Vorgangs.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mha-168-orig" n="regel pieren" resp="#fyndling">Eine Sorte oder Bezeichnung frischer Birnen, hier einfach als ‚frische Birnen' übersetzt, da eine gesicherte Sortenidentifikation fehlt.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mha-168-orig" n="geuss dann den ge=soten wein oder ein masz hoenig daran mit dem hoenig" resp="#fyndling">Der abgekühlte Wein-Honig-Sud wird über die Schichtung gegossen; ‚oder ein masz hoenig' liest sich als zusätzlicher, im Text nicht klar von dem bereits eingekochten Sud abgegrenzter Hinweis auf noch ein Maß Honig.</note>
      </div>
    </back>
  </text>
</TEI>
