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        <title>Goldbuchstaben auflegen (Buchmalerei)</title>
        <author>Anonymus</author>
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          <resp>Modernisierung, Übersetzung, Anmerkungen</resp>
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        <publisher>Fyndling.de</publisher>
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        <date when="2026-07-17">2026-07-17</date>
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          <title>Maister Hannsen des von Wirtenberg Koch</title>
          <date when="1460">1460</date>
          <idno type="URI">https://gams.uni-graz.at/o:corema.bs1/TEI_SOURCE.2021-01-15</idno>
          <note>Transkription: Astrid Böhm &amp; Helmut W. Klug, CoReMA TEI-Edition (Uni Graz, 2021, CC BY 4.0); Sekundäredition: Anton Birlinger, Alemannia 1, Bonn 1865 (Public Domain)</note>
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        <language ident="fnhd">Frühneuhochdeutsch (alemannisch-schwäbisch, 1460)</language>
        <language ident="de">Neuhochdeutsch (Übersetzung)</language>
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      <div type="recipe" xml:id="mha-173">
        <head>Goldbuchstaben auflegen (Buchmalerei)</head>
        <div type="original" xml:id="mha-173-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mha-173-trans">
          <p>Auf gelegt puochstaben von golde Item wer grob auff gelegt puochstaben wolle machen von gold der nem ain wenig kreiden vnd Saffran vnd temperirs damit lauter vnd rain vnd formier den puochstaben als er sein sol vnd lass sy trucken werden So schab ain wenig den grunt vnd Balier In mit ainen zannd vnd leg dann das gold darauf mit ainer dunnen ayer klar vnd lass es trucken werden vnd Balier es hubschlich vnd maister= lich mit dem zannd So wirt es ge= recht vnd schon .</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mha-173-trans" xml:lang="de" corresp="#mha-173-orig">
          <p>Wer grob aufgelegte Buchstaben aus Gold machen will, nehme ein wenig Kreide und Safran und rühre beides klar und rein zusammen. Damit forme den Buchstaben, wie er sein soll, und lasse ihn trocknen.</p>
          <p>Dann schabe den Untergrund ein wenig ab und poliere ihn mit einem Zahn (einem Glättwerkzeug für Vergoldungsarbeiten). Lege danach das Blattgold darauf, mit einem dünnen Eiweiß als Klebemittel, und lass es trocknen.</p>
          <p>Poliere es zuletzt hübsch und meisterlich mit dem Zahn nach. So wird es recht und schön.</p>
        </div>
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            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="kreiden">Kreide</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="Saffran">Safran</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="gold / golde">Blattgold</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="ayer klar">Eiweiß</ingredient>
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      <div type="annotations">
        <note type="preparation_tip" target="#mha-173-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Kein Speiserezept, sondern eine Anleitung aus der Buchmalerei: Zierbuchstaben werden mit einer Kreide-Safran-Grundierung geformt, getrocknet, angeschliffen, mit dünnem Eiweiß (Glair) beklebt und mit Blattgold belegt, das anschließend mit einem „Zahn" glattgerieben wird. Die lebende Verwandtschaft liegt nicht in der Küche, sondern im traditionellen Vergolderhandwerk - Buchrestauratoren und Ikonenmaler arbeiten bis heute nach demselben Grundmuster aus Bolus-Grund, Glair-Kleber, Blattgold und Achat-Politur.

Der „zannd", mit dem hier zweimal poliert wird, ist über die Sachglosse zur Handschriftenstelle eindeutig als Werkzeug bestätigt, nicht als bloßes Material - ein zahnförmig geschliffenes Poliertool aus Achat, Horn oder echtem Tierzahn, mit dem aufgelegtes Blattgold geglättet und zum Glänzen gebracht wird.

Praxis. Kreide und Safran zu einer klebrigen, leicht gelblichen Paste anrühren und damit die gewünschte Buchstabenform auftragen; trocknen lassen. Die getrocknete Grundierung leicht abschaben und mit dem Poliertool glätten, damit das Blattgold später auf einer ebenen statt rauen Fläche haftet. Dünnes Eiweiß als Klebemittel auftragen, das Blattgold darauflegen und wieder trocknen lassen. Zuletzt das Blattgold mit dem Poliertool nachpolieren, bis es glänzt. Mengen und Trockenzeiten nennt die Vorlage nicht - für ein Handwerksrezept dieser Zeit typisch knapp.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-173-orig" n="puochstaben" resp="#fyndling">Mhd./fnhd. 'buochstap' = Buchstabe. Hier gemeint sind gemalte Initialen bzw. Zierbuchstaben in einer Handschrift, die vergoldet werden sollen.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-173-orig" n="zannd" resp="#fyndling">Ein 'Zahn' war in der Buchmalerei und Vergoldertechnik ein Polierwerkzeug, oft ein tatsächlicher Tierzahn oder ein zahnförmig geschliffenes Stück Achat/Horn, mit dem Blattgold nach dem Auflegen glatt und glänzend gerieben wurde.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-173-orig" n="kreiden vnd Saffran" resp="#fyndling">Kreide und Safran wurden zu einer klebrigen, leicht gelblichen Grundierung ('Bolus'-ähnlicher Untergrund) angerührt, auf der das Blattgold besser haftete und einen warmen Untergrundton erhielt.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-173-orig" n="ayer klar" resp="#fyndling">Eiweiß diente als Klebemittel (Glair), auf das das dünne Blattgold aufgelegt wurde, bevor es getrocknet und poliert wurde.</note>
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