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        <title>Tinte aus Essig-Bodensatz</title>
        <author>Anonymus</author>
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          <resp>Modernisierung, Übersetzung, Anmerkungen</resp>
          <name xml:id="fyndling">Fyndling.de</name>
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        <publisher>Fyndling.de</publisher>
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          <licence target="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/">CC BY-SA 4.0 (Übersetzung &amp; Anmerkungen)</licence>
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        <date when="2026-07-17">2026-07-17</date>
        <idno type="url">https://fyndling.de/rezepte/mha-174/</idno>
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          <title>Maister Hannsen des von Wirtenberg Koch</title>
          <date when="1460">1460</date>
          <idno type="URI">https://gams.uni-graz.at/o:corema.bs1/TEI_SOURCE.2021-01-15</idno>
          <note>Transkription: Astrid Böhm &amp; Helmut W. Klug, CoReMA TEI-Edition (Uni Graz, 2021, CC BY 4.0); Sekundäredition: Anton Birlinger, Alemannia 1, Bonn 1865 (Public Domain)</note>
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        <language ident="fnhd">Frühneuhochdeutsch (alemannisch-schwäbisch, 1460)</language>
        <language ident="de">Neuhochdeutsch (Übersetzung)</language>
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      <div type="recipe" xml:id="mha-174">
        <head>Tinte aus Essig-Bodensatz</head>
        <div type="original" xml:id="mha-174-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mha-174-trans">
          <p>Ain dimpten mach Item Nym ain guoten essich also . vnd geuss den In ain pecke vnd lass den In dem pecke stan als lanng pis es an dem podem heffen gewynne So nym dann die selben heffen In ain horen vnd temperir das mit ayer klar wann du schreiben wild So ist es gar gerecht .</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mha-174-trans" xml:lang="de" corresp="#mha-174-orig">
          <p>Nimm einen guten Essig und gieße ihn in ein Becken. Lass ihn dort so lange stehen, bis sich am Boden ein Bodensatz (Hefen) bildet.</p>
          <p>Nimm dann diesen Bodensatz und fülle ihn in ein Tintenhorn. Temperiere ihn mit Eiklar, wenn du schreiben willst. So ist er ganz recht.</p>
        </div>
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          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ain guoten essich">Essig</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="ayer klar">Eiklar</ingredient>
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      <div type="annotations">
        <note type="preparation_tip" target="#mha-174-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Kein Speiserezept, sondern eine Anleitung zur Herstellung von Schreibtinte aus dem Bodensatz von stehendem Essig, angerührt mit Eiklar als Bindemittel. Die Handschrift des Meisters Hans enthält neben Speiserezepten auch solche Haushaltsanleitungen; im selben Corpus finden sich mit mha-155 und mha-157 zwei Textilfärbe-Rezepte, die ebenfalls diese Tinte ("dimpten") als Rohstoff verwenden. Die heutige lebende Verwandtschaft sind einfache Naturtinten-Anleitungen aus der Kalligrafie- und Reenactment-Praxis - eine niedrigschwellige Vorstufe zu den aufwändigeren Eisengallustinten.

"Heffen" - Bodensatz oder Bierhefe? Annotation und Glossar setzen "heffen" hier als Bodensatz/Essigmutter an, nicht als zugesetzte Back- oder Bierhefe. Die CoReMA-Sachglosse für genau diese Rezept-Instanz (bs1.174) verlinkt das Wort zwar mit dem Wikidata-Begriff für Bierhefe - vermutlich, weil kein präziseres Konzept für Essig-Bodensatz vorhanden ist. Der Text selbst spricht von einer Ablagerung "an dem podem" (am Boden), was eher zur schwereren Essigmutter passt als zu obenauf treibender Bierhefe. Beide Deutungen könnten am Ende denselben physischen Bodensatz meinen; die Bodensatz-Lesart bleibt hier die plausiblere.

Praxis. Guten, unfiltrierten Essig in eine flache Schale füllen und offen mehrere Tage stehen lassen, bis sich am Boden sichtbar ein Bodensatz absetzt - der Text nennt keine feste Frist, nur "so lange, bis...". Diesen Bodensatz abschöpfen und in ein kleines Gefäß (Tintenhorn) füllen. Erst unmittelbar vor dem Schreiben mit Eiklar verrühren, nicht auf Vorrat anrühren, da die fertige Mischung sonst verdirbt. Der Text selbst verspricht nur eine bescheiden brauchbare Tinte ("gar gerecht") - keine tiefschwarze Schönschreib-Tinte wie bei den aufwändigeren Eisengallustinten, da kein Eisenvitriol oder Gallapfel zugesetzt wird.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-174-orig" n="dimpten" resp="#fyndling">Tinte. Die CoReMA-Edition verlinkt das Wort direkt mit dem Sachbegriff 'ink' (Tinte), nicht mit einem Speisebegriff.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-174-orig" n="heffen" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#heffen">Hier der Bodensatz (Ablagerung), der sich am Boden des stehenden Essigs bildet - vergleichbar der 'Essigmutter'. Die CoReMA-Sachglosse taggt 'heffen' für genau diese Rezept-Instanz (bs1.174) allerdings wörtlich als 'brewer's yeast' (Bierhefe) - vermutlich weil kein präziseres Wikidata-Konzept für Essig-Bodensatz existiert. Da der Text ausdrücklich 'an dem podem' (am Boden) sagt und literale Bierhefe als Tinten-Farbträger wenig Sinn ergäbe, bleibt die Bodensatz-/Essigmutter-Lesart hier die plausiblere - beide Deutungen könnten am Ende denselben physischen Referenten meinen.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-174-orig" n="pecke" resp="#fyndling">Ein flaches Becken oder Gefäß, in das der Essig zum Stehen gegossen wird.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-174-orig" n="horen" resp="#fyndling">Tintenhorn bzw. Tintenfass, das kleine Gefäß, in das der fertige Farbstoff zum Gebrauch gefüllt wird.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-174-orig" n="temperir" resp="#fyndling">Anrühren, in der richtigen Konsistenz mischen - hier: den Bodensatz mit Eiklar zur schreibfähigen Tinte verrühren.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mha-174-orig" n="heffen" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#heffen">Bodensatz/Ablagerung (Essigmutter), die sich am Boden des stehenden Essigs bildet - so auch von der CoReMA-Sachglosse (objektspezifisch für diese Rezept-Instanz bs1.174) mit dem Begriff 'brewer's yeast' verknüpft, vermutlich mangels präziseren Konzepts für Essig-Bodensatz. Der Text spricht ausdrücklich von einer Ablagerung 'am Boden', nicht von obenauf treibender Bierhefe, weshalb hier 'Ablagerung' statt Back- oder Bierhefe angesetzt wird.</note>
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