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        <title>Gelbe Malfarbe aus Arsenicum</title>
        <author>Anonymus</author>
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          <resp>Modernisierung, Übersetzung, Anmerkungen</resp>
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        <publisher>Fyndling.de</publisher>
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        <date when="2026-07-17">2026-07-17</date>
        <idno type="url">https://fyndling.de/rezepte/mha-175/</idno>
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          <title>Maister Hannsen des von Wirtenberg Koch</title>
          <date when="1460">1460</date>
          <idno type="URI">https://gams.uni-graz.at/o:corema.bs1/TEI_SOURCE.2021-01-15</idno>
          <note>Transkription: Astrid Böhm &amp; Helmut W. Klug, CoReMA TEI-Edition (Uni Graz, 2021, CC BY 4.0); Sekundäredition: Anton Birlinger, Alemannia 1, Bonn 1865 (Public Domain)</note>
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        <language ident="fnhd">Frühneuhochdeutsch (alemannisch-schwäbisch, 1460)</language>
        <language ident="de">Neuhochdeutsch (Übersetzung)</language>
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      <div type="recipe" xml:id="mha-175">
        <head>Gelbe Malfarbe aus Arsenicum</head>
        <div type="original" xml:id="mha-175-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mha-175-trans">
          <p>Gelbe farb die mach also . Item gelbe farbe wiltu die machen So nymm arfenicum das ist ruosz das reib auf ainem stain mit ayer klar vnd thue den tottern darein ein wenig .</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mha-175-trans" xml:lang="de" corresp="#mha-175-orig">
          <p>Um gelbe Farbe herzustellen, nimm Arsenicum, das man auch als Ruß bezeichnet. Reibe es auf einem Stein an und vermenge es mit Eiklar. Gib danach ein wenig vom Eigelb dazu.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="arfenicum das ist ruosz">Arsenicum (Auripigment, gelbes Pigment)</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="ayer klar">Eiklar</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="den tottern">Eigelb</ingredient>
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        <note type="preparation_tip" target="#mha-175-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? mha-175 ist kein Speiserezept, sondern eine Werkstattanleitung zur Herstellung von gelber Malfarbe: Pigment auf dem Reibstein zerreiben, mit Eiklar anrühren, mit etwas Eigelb binden. Das entspricht im Grundprinzip der Ei-Tempera-Technik, wie sie bis heute in der Ikonenmalerei und Buchrestaurierung angewendet wird - kein kulinarischer, sondern ein bis heute lebendiger Handwerksvorgang. Im eigenen Buch steht das Rezept nicht allein: mha-172 (Goldtinte), mha-173 (Goldbuchstaben auflegen), mha-174 (Tinte) und mha-176 (grüne Malfarbe) bilden zusammen einen Werkstatt-Cluster für Buchmalerei-Zubehör.

Arfenicum. Der Schreiber nennt die Zutat „arfenicum“ - paläographisch nahe an „arsenicum“ (Verwechslung von f und langem s), gemeint wäre dann Auripigment, ein giftiges gelbes Arsensulfid-Pigment. Die CoReMA-Edition selbst führt den Begriff jedoch als ungeklärt; die Arsenicum-Lesart ist plausibel, aber nicht editionsseitig bestätigt.

Ruosz. Der Text setzt „arfenicum“ mit „ruosz“ (wörtlich Ruß, Kohlenschwärze) gleich - ein schwarzes Material, das zum Titel „gelbe Farbe“ nicht passt. Ob damit die dunkle Rohform des Minerals vor dem Verreiben gemeint ist oder ein Schreibfehler vorliegt, lässt sich aus dem Text nicht auflösen; der Wörterbuchbeleg für „ruosz“ bestätigt nur die wörtliche Bedeutung Ruß, nicht die inhaltliche Klärung.

Praxis. Das Pigment wird auf einem Reibstein zerkleinert - das verringert die Partikelgröße für einen gleichmäßigen, deckenden Farbauftrag - und mit Eiklar verrührt; danach kommt etwas Eigelb dazu, das zusätzlich als Bindemittel wirkt. Mengenangaben fehlen im Text vollständig, was für Werkstattrezepte dieser Zeit üblich ist, eine reale Nachstellung damit aber unbemessbar macht. Da Auripigment als Arsenverbindung giftig ist, ist jeder Kontakt mit Lebensmitteln oder Speisegeschirr ausgeschlossen - für eine ungiftige moderne Nachstellung eignen sich Ersatzpigmente wie Ockergelb.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-175-orig" n="arfenicum" resp="#fyndling">Paläographisch als 'arsenicum' zu lesen (f/s-Verwechslung durch das lange s). Gemeint ist Auripigment, ein giftiges gelbes Mineralpigment (Arsentrisulfid), das seit dem Mittelalter in der Buch- und Tafelmalerei verwendet wurde. Die CoReMA-Edition selbst führt den Begriff als ungeklärt (unsolved).</note>
        <note type="gloss" target="#mha-175-orig" n="ruosz" resp="#fyndling">Wörtlich 'Ruß' (Kohlenschwärze), im Lexer-Wörterbuch unter dem Lemma 'fuligo' belegt. Ungewöhnlich für ein gelbes Pigment - vermutlich beschreibt der Schreiber hier die rohe, pulvrig-dunkle Rohform des Minerals vor dem Verreiben, nicht die fertige Farbe. Bleibt letztlich ungeklärt.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-175-orig" n="stain" resp="#fyndling">Reib- oder Mahlstein, das übliche Werkzeug zum Feinreiben von Pigmenten in der Maler-Werkstatt.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-175-orig" n="ayer klar" resp="#fyndling">Eiklar diente als Bindemittel für Temperafarben (Eiklar-Tempera), damit das Pigment auf Pergament oder Holz haftet.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mha-175-orig" n="arfenicum" resp="#fyndling">Arsenicum (Auripigment, gelbes Arsensulfid-Pigment) - gestützt durch die paläographische Nähe von 'f' und langem 's'.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mha-175-orig" n="ruosz" resp="#fyndling">Wörtlich 'Ruß' übernommen, als Beschreibung der dunklen, pulvrigen Rohform des Minerals vor der Verarbeitung.</note>
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