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        <title>Gefülltes Gericht mit Reisschale</title>
        <author>Anonymus</author>
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          <resp>Modernisierung, Übersetzung, Anmerkungen</resp>
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        <publisher>Fyndling.de</publisher>
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        <date when="2026-07-06">2026-07-06</date>
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          <title>Maister Hannsen des von Wirtenberg Koch</title>
          <date when="1460">1460</date>
          <idno type="URI">https://gams.uni-graz.at/o:corema.bs1/TEI_SOURCE.2021-01-15</idno>
          <note>Transkription: Astrid Böhm &amp; Helmut W. Klug, CoReMA TEI-Edition (Uni Graz, 2021, CC BY 4.0); Sekundäredition: Anton Birlinger, Alemannia 1, Bonn 1865 (Public Domain)</note>
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        <language ident="fnhd">Frühneuhochdeutsch (alemannisch-schwäbisch, 1460)</language>
        <language ident="de">Neuhochdeutsch (Übersetzung)</language>
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      <div type="recipe" xml:id="mha-209">
        <head>Gefülltes Gericht mit Reisschale</head>
        <div type="original" xml:id="mha-209-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mha-209-trans">
          <p>Das gemuess

Item vach oder mach In ainen kopff wiltu es machen In ainen kopff den mach von mel oder von ayren vnd prenn In ab wiltu ein plat grun oder weiss auss reiss Mach du ain weiss plat grun das hastu wann du wild .</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mha-209-trans" xml:lang="de" corresp="#mha-209-orig">
          <p>Item: Fange damit an, oder mache es gleich in einer Form. Willst du es in einer Form machen, so bereite diese aus Mehl oder aus Eiern zu und backe oder brate sie ab.</p>
          <p>Willst du dazu einen grünen oder weißen Reisfladen, so färbe einen weißen Reisfladen grün - das steht dir frei, wann immer du magst.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="mel">Mehl</ingredient>
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            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ayren">Eier</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="reiss">Reis</ingredient>
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      <div type="annotations">
        <note type="preparation_tip" target="#mha-209-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Das Rezept beschreibt keine eigenständige Speise, sondern die Herstellung zweier Komponenten: eine gebackene Hülle aus Mehl- oder Eierteig in einer Form (‚kopff') und einen separat gefärbten Reisfladen (‚plat auss reiss'). Beide dienen offenbar als Präsentationsrahmen für ein im Titel genanntes, aber nicht näher beschriebenes ‚gemuess'. Verwandte Konstruktionen, bei denen Teig oder Ei zugleich Hülle und Backform sind, finden sich auch in ant-106 (Erbsen im Teigbecher) und ant-068 (Forelle im Teigmantel). Der Reisfladen ist dabei kein Gefäß, sondern - wie der Korpus-Parallelbeleg m5919-087 (‚mach ain plat von ayren ... pach es in smaltz') zeigt, wo dasselbe Wort ‚plat' eindeutig einen flachen, in Schmalz gebackenen Eierkuchen bezeichnet - ein flacher Fladen.

Die Hülle aus Mehl oder Eiern. Für die Mehlvariante wird ein fester Teig aus Mehl und Wasser oder Ei in eine Form gegeben und abgebacken oder abgebraten, bis er fest ist. Die Eier-Variante ist eine kräftig verquirlte, in einer Form gestockte Eierspeise. Der Text nennt weder Mengen noch Garzeiten noch eine Wandstärke - das bleibt der eigenen Erfahrung überlassen. ‚Prenn In ab' heißt schlicht: backe oder brate es fertig.

Der Reisfladen. Rundkornreis wird gar gekocht und zu einem flachen Fladen verarbeitet, der wahlweise weiß belassen oder grün gefärbt wird. Der Text nennt kein Färbemittel; naheliegend und period-treu wäre Petersiliensaft, belegt ist das hier aber nicht. Wie der Reis genau in Fladenform gebracht wird, bleibt offen - die Bindung dürfte allein durch die Stärke des klebrig gekochten Reises erfolgen.

Praxis. Für die Hülle einen festen Mehlteig oder verquirlte Eier in eine gefettete, hitzefeste Form geben und in der Pfanne oder im Ofen abbacken, bis die Masse fest und leicht gebräunt ist. Für den Reisfladen Rundkornreis in reichlich Wasser weich und klebrig kochen, abtropfen lassen und zu einem flachen Fladen formen; für die grüne Variante feingehackte Petersilie oder ihren ausgepressten Saft unterheben. Was als ‚gemuess' dazugehört, sagt der Text nicht - hier bleibt Raum für eine eigene, zeittypische Füllung nach Wahl.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-209-orig" n="kopff" resp="#fyndling">Hier eindeutig 'Form/Schüssel' (Backform), nicht 'Kopf' als Körperteil - der Satzbau ('den mach von mel oder von ayren') schließt die wörtliche Lesart aus. Korpusweit ist 'kopff' aber ein Homograph: in mha-231 und kkm-054 bezeichnet dasselbe Wort einen echten Tier-/Schweinskopf.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-209-orig" n="vach oder mach" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#vach-oder-mach">Satzeröffnende Disjunktion: 'vach' (vâhen = fangen/anfangen, gestützt durch den Zwillingsbeleg mon-083 'vach den Swayß' = 'fang das Blut auf') stellt zwei alternative Herangehensweisen nebeneinander - etwas beginnen/anfangen versus es direkt machen ('mach'). Im MHDBDB ist 'vach' als Adjektiv mit den Bedeutungsfeldern Gewässer/Handarbeit/Jagd belegt, ein eindeutiger Beleg für 'beginnen' fehlt jedoch.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-209-orig" n="prenn In ab" resp="#fyndling">Frühneuhochdeutsch für 'backe oder brate es ab', also das Fertiggaren der Hülle.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-209-orig" n="plat auss reiss" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#plat">Ein flacher Fladen aus Reis, kein Gefäß - der Korpus-Parallelbeleg m5919-087 ('mach ain plat von ayren ... pach es in smaltz') zeigt dasselbe Wort eindeutig als flachen, gebackenen Eierkuchen.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-209-orig" n="grun oder weiss" resp="#fyndling">Bezieht sich auf die Farbe des Reisfladens, der entweder weiß belassen oder grün gefärbt werden kann.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-209-orig" n="gemuess" resp="#fyndling">In den sieben übrigen Korpusbelegen (mha-144, mha-192, mha-207, mha-211, mha-239, mha-241, mha-252) bezeichnet 'gemuess' durchgängig ein gekochtes Mus, nicht 'Gemüse' im modernen Sinn. mha-209 selbst ist strukturell kein Mus-Rezept, sondern beschreibt nur Hülle und Reisfladen - die genaue Bedeutung hier bleibt daher unsicher (siehe interpretive_choices).</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mha-209-orig" n="Das gemuess" resp="#fyndling">Der Titel 'Das gemuess' wird als allgemeiner Begriff für ein zubereitetes (Mus-)Gericht verstanden, dessen Komponenten hier beschrieben werden, ohne die Füllung explizit zu nennen.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mha-209-orig" n="vach oder mach" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#vach-oder-mach">Die Disjunktion am Satzanfang stellt zwei alternative Herangehensweisen nebeneinander: etwas beginnen/anfangen ('vach', vâhen) oder es direkt machen ('mach').</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mha-209-orig" n="In ainen kopff" resp="#fyndling">Die Phrase 'In ainen kopff' wird als Anweisung verstanden, eine Form oder Schüssel zu verwenden, um eine gebackene Hülle herzustellen.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mha-209-orig" n="plat grun oder weiss auss reiss" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#plat">Dies wird als flacher Reisfladen interpretiert, der entweder weiß belassen oder grün gefärbt wird - gestützt durch den Parallelbeleg m5919-087, wo 'plat' eindeutig einen flachen, gebackenen Eierkuchen bezeichnet.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mha-209-orig" n="gemuess" resp="#fyndling">Gericht/Mus</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mha-209-orig" n="prenn" resp="#fyndling">braten/backen</note>
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