<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0">
  <teiHeader>
    <fileDesc>
      <titleStmt>
        <title>Kapaun mit Würzsauce</title>
        <author>Anonymus</author>
        <respStmt>
          <resp>Modernisierung, Übersetzung, Anmerkungen</resp>
          <name xml:id="fyndling">Fyndling.de</name>
        </respStmt>
      </titleStmt>
      <publicationStmt>
        <publisher>Fyndling.de</publisher>
        <availability>
          <licence target="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/">CC BY-SA 4.0 (Übersetzung &amp; Anmerkungen)</licence>
        </availability>
        <date when="2026-07-21">2026-07-21</date>
        <idno type="url">https://fyndling.de/rezepte/mha-223/</idno>
      </publicationStmt>
      <sourceDesc>
        <bibl>
          <title>Maister Hannsen des von Wirtenberg Koch</title>
          <date when="1460">1460</date>
          <idno type="URI">https://gams.uni-graz.at/o:corema.bs1/TEI_SOURCE.2021-01-15</idno>
          <note>Transkription: Astrid Böhm &amp; Helmut W. Klug, CoReMA TEI-Edition (Uni Graz, 2021, CC BY 4.0); Sekundäredition: Anton Birlinger, Alemannia 1, Bonn 1865 (Public Domain)</note>
        </bibl>
      </sourceDesc>
    </fileDesc>
    <encodingDesc>
      <schemaRef type="interchangeODD" url="https://fyndling.de/rezepte-data/tei/fyndling.odd"/>
      <schemaRef type="interchangeRNG" url="https://fyndling.de/rezepte-data/tei/fyndling.rng"/>
    </encodingDesc>
    <profileDesc>
      <langUsage>
        <language ident="fnhd">Frühneuhochdeutsch (alemannisch-schwäbisch, 1460)</language>
        <language ident="de">Neuhochdeutsch (Übersetzung)</language>
      </langUsage>
    </profileDesc>
  </teiHeader>
  <text>
    <body>
      <div type="recipe" xml:id="mha-223">
        <head>Kapaun mit Würzsauce</head>
        <div type="original" xml:id="mha-223-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mha-223-trans">
          <p>Von kappaunn gib damit ein condiment Item Nym den koppawn vnd solt Im das haubt nit ab schlahen Du solt Im den halls fullen vnd praten vnd wann er gepraten sey So gib dar pey ain galle= mentum oder ain Condiment .</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mha-223-trans" xml:lang="de" corresp="#mha-223-orig">
          <p>Zum Kapaun gib eine Würzsauce dazu.</p>
          <p>Nimm den Kapaun und schlage ihm den Kopf nicht ab. Fülle ihm den Hals und brate ihn. Wenn er fertig gebraten ist, reiche dazu ein Gallementum oder eine Würzsauce.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="koppawn">Kapaun</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="den halls fullen">Füllung für den Hals</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="galle=mentum oder ain Condiment">Würzsauce (Gallementum oder Condiment)</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
    </body>
    <back>
      <div type="annotations">
        <note type="preparation_tip" target="#mha-223-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein ganzer Kapaun wird mit Kopf am Tier gebraten, der Hals gefüllt und mit einer Würzsauce (Gallementum oder Condiment) serviert - die Vorstufe des klassischen ganzen Bratvogels mit Sauce, wie er bis heute als Brathähnchen mit Bratensoße fortlebt, nur mit Kapaun statt Huhn und dem Kopf als bewusstem Erkennungsmerkmal bei Tisch.

Die Garmethode. Der Text nennt nur „praten"/„gepraten" - ein generisches Wort für braten oder rösten. Weder Spieß noch Ofen noch Rost werden erwähnt, und auch sonst kommt das Wort „Spieß" in keinem anderen Rezept des Kochbuchs vor. Für einen ganzen gefüllten Vogel ist Spießbraten eine plausible, aber unbelegte Vermutung.

Die Halsfüllung. „Den Hals füllen" bedeutet, die Halshaut mit einer Masse zu füllen, um Feuchtigkeit und Geschmack zuzufügen - eine im Mittelalter wie heute übliche Technik. Der Inhalt bleibt im Text unbenannt.

Praxis. Kapaun (ersatzweise große Poularde oder junger Hahn) mit Kopf am Tier vorbereiten, die Halshaut mit einer Füllung nach eigener Wahl befüllen und den ganzen Vogel braten - im Ofen ist das genauso im Sinne des Rezepts wie am Spieß oder Rost, da der Text die Methode offenlässt. Für einen ganzen Vogel realistisch mit 1,5-2 Stunden Garzeit rechnen. Dazu eine kräftige Würzsauce reichen, ersatzweise eine Pfeffer- oder Senfsauce aus dem eigenen Repertoire.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-223-orig" n="haubt nit ab schlahen" resp="#fyndling">Der Kopf des Kapauns wird beim Braten NICHT abgeschlagen. Das war eine bewusste Präsentationsform: mit Kopf am Tier war für die Tafelgesellschaft sofort erkennbar, dass es sich um den teuren Kapaun handelt und nicht um ein gewöhnliches Huhn.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-223-orig" n="galle=mentum oder ain Condiment" resp="#fyndling">Beide Begriffe meinen hier dasselbe: eine Würzsauce zum gebratenen Kapaun. 'Condiment' ist im Kochbuch ein Standardwort für Sauce, 'gallementum' ist seltener und könnte mit der aus Frankreich bekannten Galantine-Sauce verwandt sein, einer pikanten Essig-Gewürz-Sauce zu Geflügel.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-223-orig" n="praten / gepraten" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#gepraten">Generisches Wort für braten oder rösten. Der Text nennt keine konkrete Garmethode - weder Spieß noch Ofen noch offenes Feuer werden erwähnt; auch sonst kommt das Wort „Spieß" in keinem anderen Rezept des Kochbuchs vor.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mha-223-orig" n="gallementum" resp="#fyndling">Als Synonym zu 'Condiment' gelesen, also Würzsauce zum gebratenen Kapaun - so auch von der CoReMA-Sachglosse (Wikidata: sauce) gestützt.</note>
      </div>
    </back>
  </text>
</TEI>
