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        <title>Braun gefärbtes Apfel-Birnen-Mus</title>
        <author>Anonymus</author>
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          <resp>Modernisierung, Übersetzung, Anmerkungen</resp>
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        <publisher>Fyndling.de</publisher>
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        <date when="2026-07-22">2026-07-22</date>
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          <title>Maister Hannsen des von Wirtenberg Koch</title>
          <date when="1460">1460</date>
          <idno type="URI">https://gams.uni-graz.at/o:corema.bs1/TEI_SOURCE.2021-01-15</idno>
          <note>Transkription: Astrid Böhm &amp; Helmut W. Klug, CoReMA TEI-Edition (Uni Graz, 2021, CC BY 4.0); Sekundäredition: Anton Birlinger, Alemannia 1, Bonn 1865 (Public Domain)</note>
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        <language ident="fnhd">Frühneuhochdeutsch (alemannisch-schwäbisch, 1460)</language>
        <language ident="de">Neuhochdeutsch (Übersetzung)</language>
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      <div type="recipe" xml:id="mha-242">
        <head>Braun gefärbtes Apfel-Birnen-Mus</head>
        <div type="original" xml:id="mha-242-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mha-242-trans">
          <p>Ain praune farbe zue gemuesz Item Nym oppfell weinper pieren wiltu nunn die varb haben So nym geriben leczellten hoenig zucker vnd guoten wein vnd gewurcz auch dar an salcz es zue massen Also magstu das muoss machen praun oder schwarcz wie du wild .</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mha-242-trans" xml:lang="de" corresp="#mha-242-orig">
          <p>Item: Äpfel, Weintrauben und Birnen nehmen.</p>
          <p>Wer nun die Farbe haben will, gibt geriebenen Lebkuchen, Honig, Zucker sowie guten Wein und Gewürz dazu. Nach Bedarf salzen.</p>
          <p>So kannst du das Mus braun oder schwarz machen, ganz wie du willst.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="oppfell">Äpfel</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="weinper">Weintrauben</ingredient>
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            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="pieren">Birnen</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="geriben leczellten">Lebkuchen, gerieben</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="hoenig">Honig</ingredient>
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            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="zucker">Zucker</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="guoten wein">Wein, guter</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="gewurcz">Gewürz</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="salcz">Salz</ingredient>
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      <div type="annotations">
        <note type="preparation_tip" target="#mha-242-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein dunkel gefärbtes Frucht-Mus aus Äpfeln, Birnen und Weintrauben (oder Rosinen), bei dem geriebener Lebkuchen vor allem als Färbe- und Bindemittel dient. Der Rezepttitel „Ain praune farbe zue gemuesz“ - eine braune Farbe für ein Mus - zeigt, dass hier in erster Linie eine Färbetechnik beschrieben wird, kein vollständiges Grundrezept. Als fertiges Fruchtmus erinnert es an heutiges Apfel-Birnen-Kompott mit Lebkuchengewürz; als Technik - gemahlenes Gebäck zum gleichzeitigen Binden und Dunkelfärben - lebt das Prinzip lose im Rheinischen Sauerbraten fort, dessen Sauce traditionell mit Lebkuchen oder Printen gebunden wird. Diese zweite Verbindung ist eine allgemeine kulinarhistorische Analogie, kein direkt belegter Abstammungsstrang dieses konkreten Rezepts.

Bei „weinper“ bleibt offen, ob frische Weintrauben oder getrocknete Rosinen gemeint sind: Die rezeptspezifische CoReMA-Glosse liest die Stelle als frische Traube, beide bekannten Zwillingsrezepte lesen dieselbe Wortposition dagegen als Rosinen. Beide Lesarten sind küchentechnisch plausibel - wer nachkocht, kann nach Belieben zu einer der beiden Varianten greifen.

Auffällig ist zudem, dass die beiden Zwillingsfassungen an dieser Stelle „praten“/„prayten leczelten“ (gebratener bzw. gerösteter Lebkuchen) lesen, während der vorliegende Text „geriben leczellten“ (geriebener Lebkuchen) hat. Beide Lesarten ergeben für sich genommen Sinn - geröstetes Gebäck bräunt kräftiger, einfach geriebenes wirkt milder -, ohne dass sich hier entscheiden ließe, welche Fassung ursprünglicher ist.

Praxis. Der Text nennt für die Früchte kein Kochverb - nur „nym“ (nehmen) - und auch keine Zeit- oder Hitzeangabe. Da ein Mus aus rohen Äpfeln und Birnen aber nicht ohne Erhitzen entsteht, werden die geschälten, gewürfelten Früchte in der Praxis in wenig Wasser oder Wein weich gekocht, bis sie sich zu einem Mus zerdrücken lassen - das ist eine küchenlogische Ergänzung, keine wörtliche Textstelle. Anschließend geriebenen Lebkuchen, Honig, Zucker, einen guten Schluck Wein und Gewürz (etwa Zimt, Nelken, Ingwer, etwas Pfeffer) unterrühren und mit Salz abschmecken. Über die zugegebene Lebkuchenmenge lässt sich die Farbe von hellem Braun bis fast Schwarz steuern - mehr Lebkuchen ergibt einen dunkleren, kräftigeren Ton.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-242-orig" n="leczellten" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#leczellten">Geriebener Lebkuchen (Gewürzgebäck mit Honig) diente hier nicht als Süßspeise, sondern als Würz- und Färbemittel: seine dunklen Gewürze (Zimt, Nelken) und die gebackene Krume geben dem Mus Farbe und Bindung zugleich.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-242-orig" n="weinper" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#weinper">Kann Weintrauben oder getrocknete Weinbeeren (Rosinen) bedeuten - hier nach der rezeptspezifischen CoReMA-Sachglosse als frische Weintrauben gelesen, da die Zutatenliste sonst nur frisches Kernobst nennt. Die beiden bekannten Zwillingsrezepte lesen dieselbe Stelle als Rosinen - ein bislang ungeklärter Interpretationskonflikt zwischen Objektglosse und Parallelüberlieferung.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-242-orig" n="gewurcz" resp="#fyndling">Unspezifische Sammelbezeichnung für Gewürz. Die Zusammensetzung ist nicht genannt, typisch wäre eine Mischung aus Zimt, Ingwer, Nelke und Pfeffer.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mha-242-orig" n="weinper" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#weinper">Weintrauben (frisch), gestützt durch die CoReMA-Sachglosse, die diese Stelle als 'grape' verlinkt</note>
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