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      <titleStmt>
        <title>Lamprete in Wein zubereiten</title>
        <author>Anonymus</author>
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          <resp>Modernisierung, Übersetzung, Anmerkungen</resp>
          <name xml:id="fyndling">Fyndling.de</name>
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        <publisher>Fyndling.de</publisher>
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        <date when="2026-07-22">2026-07-22</date>
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          <title>Maister Hannsen des von Wirtenberg Koch</title>
          <date when="1460">1460</date>
          <idno type="URI">https://gams.uni-graz.at/o:corema.bs1/TEI_SOURCE.2021-01-15</idno>
          <note>Transkription: Astrid Böhm &amp; Helmut W. Klug, CoReMA TEI-Edition (Uni Graz, 2021, CC BY 4.0); Sekundäredition: Anton Birlinger, Alemannia 1, Bonn 1865 (Public Domain)</note>
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        <language ident="fnhd">Frühneuhochdeutsch (alemannisch-schwäbisch, 1460)</language>
        <language ident="de">Neuhochdeutsch (Übersetzung)</language>
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      <div type="recipe" xml:id="mha-248">
        <head>Lamprete in Wein zubereiten</head>
        <div type="original" xml:id="mha-248-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mha-248-trans">
          <p>von einem lamprecht ze beraitten Item lamprecht ist ein guoter visch Als ich dich das weisen wil wiltu mit lamprechten bestenn So muostu guoten heff wein dar zue haben der mag nit zue guot sein dauon kumpt ein mirwas pluot In den wein soltu den lamprecht legen das sy kumpt von Irem leben Du solt haben ain haiss wasser da soltu sy ein stoessen vnd mach sy des schwaiss schleins rain wann du sy gelucket hast So wasch an der stat So wirt die lamprecht Rain vnd wann sy nun rain ist So legs fur dich vf ainen tisch das haubt schneid Ir ab vnd den schwanncz lass also gancz das das annder mach also ganncz zue dreyen stucken vnd seuds In wein vnd seud das haubt vnd des schwanncz ain tayl sein waschen vnd prats vnd das mach praun vnd stoesz das In ainem morser vnd seich es durch ein tuoch mit sein selbs prue das es Innen gesoten sey vnd mach es ab mit guotem ge= wurcz .</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mha-248-trans" xml:lang="de" corresp="#mha-248-orig">
          <p>Die Lamprete ist ein guter Fisch. Wie ich dir zeigen will: Willst du mit Lampreten umgehen, brauchst du einen kräftigen Hefewein dazu, der darf nicht zu fein sein - davon tritt reichlich Blut aus. Lege die Lamprete in den Wein, darin lässt sie ihr Leben.</p>
          <p>Halte heißes Wasser bereit und tauche die Lamprete hinein, so wird sie von Schweiß und Schleim befreit. Hast du sie so abgeschabt, wasche sie an der Stelle ab, dann ist die Lamprete rein.</p>
          <p>Ist sie rein, lege sie vor dich auf einen Tisch. Schneide ihr das Haupt ab und lass den Schwanz ganz. Den übrigen Leib teile ebenfalls im Ganzen in drei Stücke. Diese Stücke siede in Wein.</p>
          <p>Das Haupt und einen Teil des Schwanzes siede gesondert, wasche und brate beides braun. Stoße das Gebratene im Mörser und seihe es durch ein Tuch, vermischt mit der eigenen Brühe, in der es gesotten wurde. Würze zum Schluss mit gutem Gewürz ab.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="lamprecht">Neunauge (Lamprete)</ingredient> - 1</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="heff wein">Hefewein</ingredient>
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            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="haiss wasser">heißes Wasser</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="guotem gewurcz">Gewürz</ingredient>
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      <div type="annotations">
        <note type="preparation_tip" target="#mha-248-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Lamprete (Neunauge), lebend im Wein getötet, mit getrennt gegartem Kopf- und Schwanzstück zu einer im Mörser gestoßenen, durchs Tuch gepressten Sauce aus der eigenen Brühe verarbeitet. Das ist kein Einzelfall: Der Zwilling sev-061 (Böhmisches Kochbuch, Severin 1535) teilt das seltene Kerndetail, das Tier lebend in Wein zu töten, bevor beide Rezepte in der Weiterverarbeitung auseinandergehen. Die Grundidee - Neunauge in einer aus dem eigenen Blut gebundenen Sauce - ist die Vorstufe der bis heute in der Bordeaux-Region zubereiteten Lamproie à la Bordelaise.

Zum Töten im Wein. Der Text nennt eine Bedingung, keine Steigerung: Der Hefewein darf nicht zu fein sein, dann tritt beim Sterben reichlich Blut aus ("ein mirwas pluot" - ein seltenes Hapax, hier als "reichliches Blut" gelesen). Gemeint ist kräftiger, trüber Wein statt geklärtem, nicht ein "je mehr, desto mehr".

Zur Reinigung. "schwaiss" meint hier Schweiß/Schleim auf der Haut, nicht Blut. Das heiße Wasser löst den Schleim, der danach abgeschabt wird.

Zum Kopf-Schwanz-Verfahren. Der Quelltext selbst bleibt hier unscharf: Der Schwanz wird zunächst "ganz" gelassen, dann werden die drei Rumpfstücke in Wein gesotten - der Schwanz wird an dieser Stelle nicht mehr erwähnt. Kurz darauf gart aber "des schwanncz ain tayl" (ein Teil des Schwanzes) gesondert mit dem Haupt. Diese Doppelverwendung löst das Original nicht eindeutig auf; wir übernehmen sie so unaufgelöst, statt sie glattzubügeln.

Praxis. Kopf und Schwanzstück werden zunächst weichgekocht (macht das knorpelig-knöcherne Material stoßbar), danach braun angebraten (Röstaromen für die Sauce) und im Mörser oder Blender zu einer Masse verarbeitet, die durch ein Tuch mit der eigenen Kochbrühe zur gebundenen Sauce gepresst wird - eine mehlfreie Bindetechnik über püriertes Fleisch statt Brot oder Mandeln. Die Hauptzutat ist legal nicht zu beschaffen; wer die Technik mit Wels oder Makrele nachstellt, gart Kopf-Ersatz und Filet getrennt nach demselben Muster und presst die Sauce ebenso durchs Tuch.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-248-orig" n="lamprecht" resp="#fyndling">Neunauge/Lamprete, eine primitive, aalähnliche Fischart. Wird oft mit dem Aal verwechselt, ist aber zoologisch eigenständig. Heute in DE/EU streng geschützt.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-248-orig" n="heff wein" resp="#fyndling">Hefewein: junger, noch trüber Wein mit Hefe-/Trubresten, kräftiger und rustikaler im Geschmack als geklärter Wein.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-248-orig" n="morser" resp="#fyndling">Großer Fleisch-/Fischmörser aus Stein oder Metall, nicht der kleine Gewürzmörser. Diente als mittelalterliche Küchenmaschine zum Zerstoßen von Kopf und Schwanzstück zu einer feinen Masse.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-248-orig" n="guotem gewurcz" resp="#fyndling">Sammelbegriff für eine Gewürzmischung, deren genaue Zusammensetzung der Text offenlässt. Typisch für die höfische Küche der Zeit wären Pfeffer, Ingwer, Galgant, Nelke oder Muskat.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mha-248-orig" n="mirwas pluot" resp="#fyndling">Als '(ein) reichliches/kräftiges Blut' gelesen: Ist der Wein nicht zu fein, tritt beim Sterben der Lamprete reichlich Blut aus.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mha-248-orig" n="stoessen / stoesz" resp="#fyndling">Erste Stelle ('da soltu sy ein stoessen') als 'hineinstoßen/eintauchen' ins heiße Wasser gelesen; zweite Stelle ('stoesz das In ainem morser') als 'stoßen/zerstampfen' im Mörser.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mha-248-orig" n="gelucket" resp="#fyndling">Als 'abgeschabt' gelesen, im Sinn von 'nachdem du den Schleim abgeschabt hast', passend zum vorangehenden Reinigungsschritt.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mha-248-orig" n="an der stat" resp="#fyndling">Räumlich gelesen: 'an der Stelle' (dort, wo die Reinigung gerade stattfindet) wird die Lamprete noch abgewaschen.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mha-248-orig" n="schwaiss" resp="#fyndling">Als 'Schweiß/Schleim' gelesen, also der klebrige Schleimbelag auf der Haut der Lamprete, der vor dem Zerteilen entfernt werden muss.</note>
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