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        <title>Sieben Farben für Festspeisen</title>
        <author>Anonymus</author>
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          <resp>Modernisierung, Übersetzung, Anmerkungen</resp>
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        <publisher>Fyndling.de</publisher>
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        <date when="2026-07-22">2026-07-22</date>
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          <title>Maister Hannsen des von Wirtenberg Koch</title>
          <date when="1460">1460</date>
          <idno type="URI">https://gams.uni-graz.at/o:corema.bs1/TEI_SOURCE.2021-01-15</idno>
          <note>Transkription: Astrid Böhm &amp; Helmut W. Klug, CoReMA TEI-Edition (Uni Graz, 2021, CC BY 4.0); Sekundäredition: Anton Birlinger, Alemannia 1, Bonn 1865 (Public Domain)</note>
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        <language ident="fnhd">Frühneuhochdeutsch (alemannisch-schwäbisch, 1460)</language>
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        <head>Sieben Farben für Festspeisen</head>
        <div type="original" xml:id="mha-256-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mha-256-trans">
          <p>Von einem fromdem gemuess ze machen Item In dem Sumer heb ich an vnd lass dann In dem winter dauon Wir wollen vnd sullen betrachten vmb fromde gemusz die werden In dem winter guot So tracht das du siben farb habest So magstu mit eren wol bestan schwarcz guot plab muostu han Gell weiss rot praunn kund wir das zue samen pringen wann du die farb wild vinden plab koren plumen muost du haben Die nym In dem sumer abe vnd solt die derren In ainem ofen der sol nicht zue haiss sein vnd stoess sie gar schon vnd behalt sy zue lon Grun lass vnns nit vergessen ob der petersill war verganngen . So hab wir grun waiczein sanngen oder Saffran Da wirt es gell von Die rott prawn varb geet von weichseln zue wann die zeittig werden die soltu ab den stinglein prechen Schlahe sy durch ain sib vnd lass sy durch sieden vnncz das sy die keren lassen vnd den dritten tayl nym honig darein So soltu sy sieden lassen wann es dan gesoten ist So lass es dann kalt werden wiltu es bewaren So thue es In ainen hafen der Innen verglast sey Daran pistu der farbe frey So machtu die behalten ain ganncz Iar das sy die varb nit verlieren Das soltu bedenncken schon Das der tunst nicht gee dauon .</p>
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        <div type="translation" xml:id="mha-256-trans" xml:lang="de" corresp="#mha-256-orig">
          <p>Sieben Farben für die Küche: Im Sommer beginnt die Arbeit an diesen Farben, im Winter lässt man wieder davon ab. Wir wollen und sollen bedenken: Es geht um besondere Speisen, die auch im Winter gut sein sollen. Wer mit Ehren bestehen will, sollte sieben Farben auf Vorrat haben: ein gutes Schwarz, dazu Blau, Gelb, Weiß, Rot und Braun sowie Grün.</p>
          <p>Blau: Für Blau nimm Kornblumen. Pflücke sie im Sommer, dörre sie in einem Ofen, der nicht zu heiß sein darf, und stoße sie danach ganz fein. Bewahre das Pulver sorgsam auf, bis du es brauchst.</p>
          <p>Grün: Grün darf nicht vergessen werden. Ist die Petersilie schon verwelkt oder außer Saison, nimm stattdessen junge grüne Weizensprossen.</p>
          <p>Gelb: Oder nimm Safran, davon wird die Speise gelb.</p>
          <p>Rot-Braun: Die rotbraune Farbe kommt von Weichseln. Wenn sie reif werden, brich sie von den Stielen, schlage sie durch ein Sieb und lass sie so lange sieden, bis sie ihre Farbe abgeben. Gib dann Honig hinzu, etwa ein Drittel der Menge, und lass alles weiter sieden. Ist es gar gesotten, lass es kalt werden.</p>
          <p>Aufbewahren: Willst du die Farbe länger halten, fülle sie in einen innen glasierten Topf. So bist du der Farbe sicher und kannst sie ein ganzes Jahr aufbewahren, ohne dass sie verliert. Achte dabei darauf, dass der Dunst nicht entweicht.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
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              <ingredient en="" commodity="" orig="koren plumen">Kornblumen</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="petersill">Petersilie</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="grun waiczein sanngen">Grüne Weizensprossen</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="Saffran">Safran</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="weichseln">Weichseln (Sauerkirschen)</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="honig">Honig</ingredient>
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        <note type="preparation_tip" target="#mha-256-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Kein einzelnes Gericht, sondern eine Anleitung zum Ansetzen von vier der sieben Speisefarben, mit denen eine höfische Küche festliche Gerichte einfärbte: Blau aus Kornblumen, Grün aus Weizensprossen (Ersatz für Petersilie), Gelb aus Safran, Rot-Braun aus mit Honig eingekochten Weichseln. Das Prinzip lebt bis heute fort - Kornblumenextrakt und Safran werden noch immer als natürliche Lebensmittelfarben verwendet.

Kornblumen-Blau. Das Dörren im milden Ofen und das feine Zerstoßen zu Pulver dienen der Konservierung und Farbkonzentration - zu starke Hitze würde das Pigment zerstören. Kornblumenblau ist chemisch ein empfindliches Anthocyan-Pigment: Es verblasst beim Trocknen merklich und kippt bei Säurekontakt eher ins Graue oder Violette als kräftig blau zu bleiben. Ein sattes, stabiles Blau wie im Text angedeutet gelingt in der Praxis nur selten.

„Schlahe durch ain sib“. Gemeint ist Passieren - die reifen Weichseln werden durch ein Sieb gestrichen, um Kerne und Stiele vom Fruchtfleisch zu trennen, nicht geschlagen oder gerührt im heutigen Sinn.

„Bis sy die keren lassen“. Offen bleibt, ob die Weichseln damit ihre Farbe abgeben (die hier gewählte Lesart) oder wörtlich ihre Kerne lösen. CoReMA verneint für diese Stelle zwar ausdrücklich die Kern-Lesart, endgültig entschieden ist die Frage damit nicht.

Aufbewahrung im glasierten Topf. Innen glasierte Tonware ist nicht porös und verhindert, dass die säurehaltige Kirschmasse den Ton angreift oder Feuchtigkeit und Aroma entweichen - genau das verlangt der Text mit „das der tunst nicht gee dauon“.

Praxis. Kornblumenblüten im Sommer sammeln oder getrocknet kaufen, bei niedriger Ofentemperatur nachtrocknen und im Mörser fein zerstoßen, dann luftdicht lagern. Für Rot-Braun entkernte, passierte Weichseln (ersatzweise Sauerkirschsaft) mit etwa einem Drittel ihrer Menge Honig langsam einkochen, bis sich die Farbe löst, dann erkalten lassen. Safran direkt in die zu färbende Speise geben, für Grün junge Weizensprossen bzw. Weizengras frisch untermischen. Weichsel-Sirup und Safran halten sich verschlossen und kühl gelagert über Wochen, das Kornblumenpulver trocken sogar monatelang.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-256-orig" n="koren plumen" resp="#fyndling">Kornblumen (Centaurea cyanus), getrocknet und fein gestoßen die Basis für ein blaues Färbepulver. Der Name „Kornblume“ bezeichnet regional-dialektal auch die giftige Kornrade (Agrostemma githago) - hier durch die Farbangabe „plab“ (blau) und den Kontext eindeutig als Centaurea cyanus auszuschließen.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-256-orig" n="weichseln" resp="#fyndling">Weichseln, also Sauerkirschen (Prunus cerasus) - ihr Saft, mit Honig eingekocht, ergibt die rotbraune Farbe.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-256-orig" n="hafen" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#hafen">Hier ein (innen glasierter) Kochtopf zur Aufbewahrung, nicht der kleine Gewürzmörser.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-256-orig" n="verglast" resp="#fyndling">Innen glasierte Tonware - wichtig, damit die säurehaltige Kirschmasse den Topf nicht angreift und die Farbe rein bleibt.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-256-orig" n="gell" resp="#fyndling">Mittelhochdeutsch für Gelb, hier gleichgesetzt mit der Safranfärbung.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-256-orig" n="tunst" resp="#fyndling">Dunst bzw. Dampf/Aroma, das beim luftdichten Verschließen des Topfes nicht entweichen soll.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-256-orig" n="grun waiczein sanngen" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#grun">Grüne Weizensprossen bzw. junges Weizengras als Ersatz für welke oder außersaisonale Petersilie - ein Grimm-Wörterbuchbeleg („waitzein sanngen“) stützt diese Lesart; einzelne Glossar-Verknüpfungen deuten alternativ auf „Weizenähren“, die Frage ist nicht abschließend geklärt (siehe interpretive_choices).</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mha-256-orig" n="guot" resp="#fyndling">Qualitätsangabe zum Schwarz ('gutes Schwarz musst du haben'), keine eigenständige achte Farbe.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mha-256-orig" n="stinglein" resp="#fyndling">Stiele bzw. Stängel, von denen die reifen Weichseln abgepflückt werden.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mha-256-orig" n="keren" resp="#fyndling">Sie geben ihre Farbe bzw. ihren Saft ab (verwandt mit 'kehren' im Sinn von 'freigeben, herausgeben').</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mha-256-orig" n="grun" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#grun">Die Farbe Grün, eine der sieben genannten Farben, nicht 'roh' oder 'unverarbeitet'.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mha-256-orig" n="behalt sy zue lon" resp="#fyndling">Bewahre sie sorgsam für den späteren Gebrauch auf.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mha-256-orig" n="grun waiczein sanngen" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#grun">Grüne Weizensprossen bzw. junges Weizengras als Petersilie-Ersatz.</note>
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