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      <titleStmt>
        <title>Gepresstes Milch-Eier-Mus mit Safran</title>
        <author>Anonymus</author>
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          <resp>Modernisierung, Übersetzung, Anmerkungen</resp>
          <name xml:id="fyndling">Fyndling.de</name>
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        <publisher>Fyndling.de</publisher>
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        <date when="2026-06-29">2026-06-29</date>
        <idno type="url">https://fyndling.de/rezepte/mon-020/</idno>
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          <title>Graz, Universitätsbibliothek, Ms. 1609 (CoReMA GR1)</title>
          <date when="1480">1480</date>
          <idno type="URI">https://gams.uni-graz.at/o:corema.gr1/TEI_SOURCE</idno>
          <note>Transkription: CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages, Helmut W. Klug (Hg.), Universität Graz, Ms. GR1 (CC BY 4.0)</note>
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      <langUsage>
        <language ident="fnhd">Frühneuhochdeutsch (bairisch-österreichisch, 15. Jh.)</language>
        <language ident="de">Neuhochdeutsch (Übersetzung)</language>
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      <div type="recipe" xml:id="mon-020">
        <head>Gepresstes Milch-Eier-Mus mit Safran</head>
        <div type="original" xml:id="mon-020-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mon-020-trans">
          <p>ITem wildw ein guet gmuß machen So nymb ain guet tail ainer milich vnd sewds vnd slach dar nach xx air in dy milich daz sy aber vor chlain geslagen sein salz es vnd mach es ab mit saffrann vnd ander gburcz vnd wan dy milich sewdt so thue dy air drein vnd laß auff einer glud sten schut es dar nach als mit ein ander auff ein tuech vnd halt das tuech vast zesam vnd leg ein prett dar auff das das wasser dar auss gee vnd wan es erkalt So sneyd es czw langen snytten vnd thue czu= cker dar auff etc.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mon-020-trans" xml:lang="de" corresp="#mon-020-orig">
          <p>Wenn du ein gutes Mus zubereiten möchtest, nimm einen guten Teil Milch und siede sie.</p>
          <p>Schlage danach zwanzig Eier in die Milch, nachdem sie zuvor fein verquirlt wurden. Salze die Milch und würze sie mit Safran und anderen Gewürzen ab. Sobald die Milch siedet, gib die Eier hinein und lass die Mischung auf einer Glut stehen, damit sie sanft stockt.</p>
          <p>Schütte das Ganze danach auf ein Tuch und halte das Tuch fest zusammen. Lege ein Brett darauf, damit das Wasser herausgepresst wird. Wenn es erkaltet ist, schneide es zu langen Schnitten und bestreue es mit Zucker.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ain guet tail ainer milich">Kuhmilch</ingredient>
            </item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="xx air">Eier</ingredient> - 20</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="salz">Salz</ingredient>
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            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="saffrann">Safran</ingredient>
            </item>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="ander gburcz">Andere Gewürze</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="czu=cker">Zucker</ingredient>
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      <div type="annotations">
        <note type="preparation_tip" target="#mon-020-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Eine spätmittelalterliche "gepresste Milch" - ein safrangelber, gestockter Milch-Ei-Custard, der unter einem beschwerten Brett zu einer festen, käseartigen Masse entwässert, kalt in lange Schnitten geschnitten und mit Zucker bestreut wird. Es ist der reine Dessert-Pol einer im deutschsprachigen Raum weit verbreiteten Gerichtsfamilie: Die rheinfränkische gebraten mylch und das Eier-Mus aus dem Cgm 384 beschreiben dasselbe Kernverfahren, braten die gepressten Scheiben anschließend aber noch herzhaft auf dem Rost. Mondsee lässt diesen Bratschritt weg und endet süß - die kalte, gezuckerte Schwester der "gebratenen Milch". Geschmacklich ein fester Safran-Eierstich, technisch der nächste Verwandte von Frischkäse und Topfen (Auspressen unter Gewicht).

Stocken über sanfter Glut. Die heikelste Stelle. Die Milch wird zuerst aufgekocht, Safran, Salz und Gewürze gehen früh hinein, damit der Safran in der heißen Flüssigkeit ausblutet und Farbe wie Aroma abgibt. Dann kommen die verquirlten Eier dazu, und die Masse stockt über sanfter Glut, nicht über Flamme. Eiprotein gerinnt bei zu großer Hitze körnig - dann schlägt die glatte Pressmasse in Rührei-Krümel um. Der Quelltext meint mit "auf einer Glut stehen lassen" genau diese Restwärme. Die Schwesterfassung aus dem Rheinfränkischen Kochbuch löst dasselbe Problem robuster mit einem Wasserbad (Topf im siedenden Kessel); wer unsicher ist, gart besser so statt direkt über der Glut.

Pressen und Schneiden. Die gestockte Masse wird auf ein Tuch geschüttet, das Tuch straff zusammengehalten und mit einem Brett beschwert, bis die wässrige Phase austritt - dieselbe Logik wie bei der Frischkäse- oder Topfengewinnung. Zurück bleibt eine feste, schnittfähige Masse. Erst nach dem Erkalten ist sie fest genug, um sauber in lange Streifen geschnitten zu werden; der Zucker obendrauf macht sie zum Dessert.

Praxis. Die zwanzig Eier sind bewusst viel - die Bindung muss kräftig genug sein, damit die Masse presbar wird. Als Richtwert aus der rheinfränkischen Fassung etwa zwei Eier je 100 ml, zwanzig Eier verlangen also gut einen Liter Milch. Zu viel Milch und die Masse bindet nicht presbar, zu wenig und sie wird gummiartig. Eier verquirlen, in die heiße gewürzte Milch geben und bei niedrigster Hitze unter Aufmerksamkeit stocken lassen (im Zweifel im Wasserbad). Auf ein feuchtes Tuch geben, fest verschnüren, mit Brett und Gewicht beschweren, abkühlen lassen. Press- und Kühlzeit großzügig kalkulieren - bis zur sauberen Schnittfähigkeit vergehen real eher zwei bis drei Stunden als eine. Kalt in lange Schnitten teilen, mit Zucker bestreuen.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-020-orig" n="gburcz" resp="#fyndling">Frühneuhochdeutsche Schreibweise für ‚Gewürz‘. Die genaue Mischung ist nicht spezifiziert, aber typisch wären Pfeffer, Ingwer, Zimt oder Muskatblüte.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-020-orig" n="glud" resp="#fyndling">‚Glut‘. Das Gericht soll auf indirekter, sanfter Hitze stocken, ähnlich einem Wasserbad oder einem langsamen Garen auf Restwärme - bei zu großer Hitze gerinnt das Ei körnig.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-020-orig" n="gmuß" resp="#fyndling">Bairisch-österreichische Schreibung von ‚Mus‘ (mhd. muos); bezeichnet eine breiige bis feste Speise, hier durch Pressen sogar schnittfähig. Nicht im Sinne von Obstmus, sondern als gestockte Milch-Ei-Masse zu verstehen.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-020-orig" n="vast zesam" resp="#fyndling">‚fest zusammen‘ (mhd. vaste); das Tuch wird straff zusammengehalten, damit das Wasser unter dem Brettgewicht austritt - dieselbe Logik wie bei der Frischkäse- und Topfengewinnung.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-020-orig" n="snytten" resp="#fyndling">‚Schnitten, Scheiben‘ (mhd. snîden). Die erkaltete, gepresste Masse wird in lange Streifen geschnitten - Voraussetzung dafür ist die feste, käseartige Konsistenz nach dem Auspressen.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-020-orig" n="prett" resp="#fyndling">‚Brett‘. Hier wird ein Brett als Gewicht verwendet, um die Flüssigkeit aus dem Mus zu pressen und eine feste Konsistenz zu erreichen.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-020-orig" n="milich" resp="#fyndling">Kuhmilch. Da kein Fastenkontext oder die Zutat ‚Mandel‘ explizit genannt wird, ist tierische Milch die wahrscheinlichste Lesart.</note>
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