<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0">
  <teiHeader>
    <fileDesc>
      <titleStmt>
        <title>Gebackene Strauben aus der Pfanne</title>
        <author>Anonymus</author>
        <respStmt>
          <resp>Modernisierung, Übersetzung, Anmerkungen</resp>
          <name xml:id="fyndling">Fyndling.de</name>
        </respStmt>
      </titleStmt>
      <publicationStmt>
        <publisher>Fyndling.de</publisher>
        <availability>
          <licence target="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/">CC BY-SA 4.0 (Übersetzung &amp; Anmerkungen)</licence>
        </availability>
        <date when="2026-06-30">2026-06-30</date>
        <idno type="url">https://fyndling.de/rezepte/mon-032/</idno>
      </publicationStmt>
      <sourceDesc>
        <bibl>
          <title>Graz, Universitätsbibliothek, Ms. 1609 (CoReMA GR1)</title>
          <date when="1480">1480</date>
          <idno type="URI">https://gams.uni-graz.at/o:corema.gr1/TEI_SOURCE</idno>
          <note>Transkription: CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages, Helmut W. Klug (Hg.), Universität Graz, Ms. GR1 (CC BY 4.0)</note>
        </bibl>
      </sourceDesc>
    </fileDesc>
    <encodingDesc>
      <schemaRef type="interchangeODD" url="https://fyndling.de/rezepte-data/tei/fyndling.odd"/>
      <schemaRef type="interchangeRNG" url="https://fyndling.de/rezepte-data/tei/fyndling.rng"/>
    </encodingDesc>
    <profileDesc>
      <langUsage>
        <language ident="fnhd">Frühneuhochdeutsch (bairisch-österreichisch, 15. Jh.)</language>
        <language ident="de">Neuhochdeutsch (Übersetzung)</language>
      </langUsage>
    </profileDesc>
  </teiHeader>
  <text>
    <body>
      <div type="recipe" xml:id="mon-032">
        <head>Gebackene Strauben aus der Pfanne</head>
        <div type="original" xml:id="mon-032-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mon-032-trans">
          <p>ITem wil dw machen ein pachens als ein schussel So mach ein taig als czw strawben dan daz er dick sey vnd secz ein phann vber den herdt vnd nym ein eysnen loffl vnd gewß den taig aussen dar auff mit einem anderen loffel vnd hab dan den eysnen loffel in dy phann</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mon-032-trans" xml:lang="de" corresp="#mon-032-orig">
          <p>Willst du ein Gebackenes als Gericht zubereiten, so mache einen Teig, wie er für Strauben üblich ist, und zwar dick. Stelle eine Pfanne auf den Herd und nimm einen eisernen Löffel. Gieße den Teig mit einem zweiten Löffel außen darauf und halte dann den eisernen Löffel in die Pfanne.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ein taig">Teig für Strauben</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="">Weizenmehl</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="">Eier</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="">Milch oder Wasser</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="">Salz</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="">Schmalz oder Pflanzenöl</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
    </body>
    <back>
      <div type="annotations">
        <note type="preparation_tip" target="#mon-032-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Das ist das Grundrezept der Strauben - das süddeutsch-österreichische Schmalzgebäck, bei dem dünnflüssiger Teig in heißes Fett gegossen und knusprig ausgebacken wird. Heute leben die Strauben als Kirtag- und Jahrmarktsgebäck in Tirol, Bayern und Österreich weiter (Spiral- oder Nestform, mit Puderzucker und Kompott oder Preiselbeeren); ihre technische Schwester über dem Atlantik ist der amerikanische funnel cake. Im Mondseer Kochbuch ist dieser Eintrag das Mutterrezept: Die übrigen Strauben-Rezepte setzen den Teig bloß voraus ("Teig wie zu Strauben"), hier wird er und vor allem die Gießtechnik selbst beschrieben.

Der Teig wird bewusst dick angesetzt. Das ist der entscheidende Parameter: Zu dünn zerläuft der Strang im Fett zu einem formlosen Netz, zu dick fließt er gar nicht erst sauber vom Löffel. Richtig ist er, wenn er zäh-reißend abläuft. Gebunden wird allein über Mehl und Ei, das beim Ausbacken stockt - keine Mehlschwitze, das wäre für die Zeit untypisch.

Die Zwei-Löffel-Technik ist der Kern: Mit dem einen Löffel gießt du den Teig ins Fett, der zweite, eiserne Löffel dient als Anschlag und Hilfe, an dem du den fließenden Strang führst und in Form hältst. Da der eiserne Löffel in der heißen Pfanne sekundenschnell selbst heiß und fettbenetzt ist, arbeitet man eher mit kurzen, führenden Stupf-Bewegungen als mit einem ruhend liegenden Werkzeug.

Praxis. Rühre einen dicken Pfannkuchenteig aus Weizenmehl, Ei und etwas Milch oder Wasser mit einer Prise Salz - so zäh, dass er reißend vom Löffel fällt. Erhitze reichlich Schmalz (ersatzweise Pflanzenöl) in einer schweren Pfanne oder einem Reindl auf etwa 170 Grad. Lass den Teig mit einem Löffel in kreisenden Bahnen ins Fett laufen und führe ihn mit einem zweiten Löffel zur Spiral- oder Nestform. Goldbraun ausbacken, wenden, auf Küchenpapier abtropfen lassen und warm mit Puderzucker servieren. Der Quelltext nennt das Schmalz und das Garende nicht ausdrücklich - beides ist aus dem Straubenteig und den Schwesterrezepten ergänzt, etwa ri15632-053 mit "strawben tayg", "heys schmalcz" und dem vorsichtigen Abziehen. Am offenen Feuer ist das Frittieren der heikelste Schritt: Halte die Glut gleichmäßig, das Fett im Griff und rechne mit Spritzern.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-032-orig" n="pachens" resp="#fyndling">‚Gebackenes‘ oder ‚Frittiertes‘ (mhd. gebackenes); Sammelbegriff für in Fett ausgebackene Speisen. Im Korpus mehrfach belegt (mha-039, mha-041, mon-002, ri15632-045).</note>
        <note type="gloss" target="#mon-032-orig" n="schussel" resp="#fyndling">Hier im Sinne von ‚Gericht‘ oder ‚Speise‘, die in einer Schüssel serviert wird.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-032-orig" n="herdt" resp="#fyndling">Der Herd, die Feuerstelle zum Kochen.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-032-orig" n="strawben" resp="#fyndling">Strauben - in heißes Fett gegossenes Schmalzgebäck; bairisch-österreichisch bis heute (Tiroler Strauben). Lesart korpusweit abgesichert (koe-022, mon-013, mon-023, ri15632-053); die Alternativlesart ‚Erdbeeren‘ ist auszuschließen (Mondsee schreibt Erdbeeren ‚bresteling‘).</note>
        <note type="gloss" target="#mon-032-orig" n="eysnen loffl" resp="#fyndling">Eiserner Löffel - hier nicht zum Schöpfen, sondern als Hilfe beim Führen des mit einem zweiten Löffel gegossenen Teigstrangs in der Pfanne. Handwerkliche Vorstufe des späteren Straubentrichters.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-032-orig" n="strawben" resp="#fyndling">‚Strauben‘ - in heißes Fett gegossenes, frittiertes Schmalzgebäck; passt zur beschriebenen Gießtechnik und ist korpusweit gesichert.</note>
      </div>
    </back>
  </text>
</TEI>
