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        <title>Sauce aus sauren Äpfeln</title>
        <author>Anonymus</author>
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          <resp>Modernisierung, Übersetzung, Anmerkungen</resp>
          <name xml:id="fyndling">Fyndling.de</name>
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        <publisher>Fyndling.de</publisher>
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        <date when="2026-06-30">2026-06-30</date>
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          <title>Graz, Universitätsbibliothek, Ms. 1609 (CoReMA GR1)</title>
          <date when="1480">1480</date>
          <idno type="URI">https://gams.uni-graz.at/o:corema.gr1/TEI_SOURCE</idno>
          <note>Transkription: CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages, Helmut W. Klug (Hg.), Universität Graz, Ms. GR1 (CC BY 4.0)</note>
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        <language ident="fnhd">Frühneuhochdeutsch (bairisch-österreichisch, 15. Jh.)</language>
        <language ident="de">Neuhochdeutsch (Übersetzung)</language>
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      <div type="recipe" xml:id="mon-033">
        <head>Sauce aus sauren Äpfeln</head>
        <div type="original" xml:id="mon-033-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mon-033-trans">
          <p>ITem wil dw machen ein salssen von weinling So thue sy in einen haffen vnd laß sy sieden vnd das sy nicht ckalt werden streich sy dar nach durch ein tuechel vnd thue sy aber in den haffen vnd secz auf ein gluedt vnd laß wol sieden vnd ruer sy vncz das sy dick wirdt vnd thue dar vnter honich vnd griben pratt nagel vnd guet gburcz vnd thue sy darnach in ein vaffel so beleyben trew oder vier Iar</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mon-033-trans" xml:lang="de" corresp="#mon-033-orig">
          <p>Willst du eine Sauce aus Weinlingen (sauren Äpfeln) zubereiten, so gib sie in einen Topf und lass sie sieden. Achte darauf, dass sie nicht kalt wird. Streiche sie danach durch ein Tuch und gib sie wieder in den Topf. Setze den Topf auf eine Glut und lass die Sauce gut sieden. Rühre sie, bis sie dick wird.</p>
          <p>Gib dann Honig, geriebene Nelken und gute Gewürze hinzu. Fülle die fertige Sauce danach in ein Gefäß, so bleibt sie drei oder vier Jahre haltbar.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
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              <ingredient en="" commodity="" orig="weinling">Weinling (saure Äpfel)</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="honich">Honig</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="griben pratt nagel">Nelken, gerieben</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="guet gburcz">Gewürze</ingredient>
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        <note type="preparation_tip" target="#mon-033-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Im Kern eine eingekochte, mit Honig und Nelken haltbar gemachte Apfel-Reduktion - der lebende Verwandte ist das rheinische Apfelkraut beziehungsweise das englische apple butter. Keine frische Tafelsauce, sondern eine konzentrierte Fruchtpaste (Latwerge) zum Würzen von Braten und Wild. Anders als die im Korpus verwandten Salsen aus sauren Äpfeln, die rohe Weintrauben und Äpfel zu einer sauren Verjus-Sauce verpressen, zielt mon-033 bewusst auf die süße, vorratswirtschaftliche Variante: eine Ein-Frucht-Reduktion, durch Honig gesüßt und auf Jahre konserviert.

Warum nicht kalt werden lassen? Die Äpfel werden zuerst im Topf weichgesotten, damit das Fruchtfleisch durchs Tuch passierbar wird. Der Hinweis, sie nicht kalt werden zu lassen, ist praxisecht: Kaltes Apfelmus geliert über sein Pektin und setzt sich fest, warm streicht es deutlich flüssiger durch. Das Passieren trennt Schalen, Kerngehäuse und Fasern ab und muss vor dem Reduzieren geschehen, sonst kochen die Schalen zäh und bitter mit ein.

Warum die Glut, warum Honig erst zum Schluss? Das zweite, lange Sieden geschieht über Glut, nicht über offener Flamme - die sanfte, gleichmäßige Hitze reduziert das Mus, ohne dass die zuckernde Paste anbrennt. Hier liegt das eigentliche Konservierungsprinzip: Wasserentzug und Zuckerkonzentration. Gebunden wird rein physikalisch durch die Reduktion und das natürliche Apfelpektin - kein Mehl, kein Bindemittel, zeittypisch sauber. Honig, geriebene Nelken und die übrigen Gewürze kommen erst ans fertig eingedickte Mus, damit Honigaroma und flüchtige Gewürzöle nicht zerkochen.

Praxis. Du brauchst nur Topf, Tuch, Holzlöffel und ein gleichmäßiges Glutbett. Rechne mit einem deutlichen Vielfachen an rohen Äpfeln für das fertige Glas - aus viel Frucht wird wenig Paste. Über Glut sind realistisch eher zwei bis zweieinhalb Stunden Einkochen einzuplanen, dazu fast ununterbrochenes Rühren, sobald die Masse dick wird und am Boden zu kleben beginnt. Streichfähig und dunkel eingedickt ist sie fertig. Die Mehrjahres-Angabe der Quelle ist optimistisch gerundet: Eine saure, zuckerreiche, dick eingekochte Fruchtpaste hält kühl und dunkel real lange, aber ohne moderne Sterilabfüllung sollte man sie eher in Monaten als in Jahren denken.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-033-orig" n="weinling" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#weinling">‚Weinling‘ bezeichnet weinsäuerliche, herbe Apfelsorten, die sich wegen ihrer Säure und Festigkeit besonders zum Einkochen und Konservieren eigneten. Der Begriff ist in der Wörterbuch-Tradition (Goetze, Pritzel, Grimm) belegt, im Rezeptkorpus jedoch nur hier - eine seltene, dialektal oberdeutsche Vokabel.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-033-orig" n="haffen" resp="#fyndling">Ein ‚Haffen‘ ist ein Topf oder Kessel, typischerweise aus Keramik oder Metall, der über dem Feuer oder auf Glut verwendet wurde.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-033-orig" n="tuechel" resp="#fyndling">Ein ‚Tuch‘, hier zum Passieren der gekochten Früchte, um eine feine, glatte Sauce zu erhalten. Dies entspricht dem heutigen Passieren durch ein Sieb oder eine Flotte Lotte.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-033-orig" n="griben pratt nagel" resp="#fyndling">‚Bratnägel‘ (auch ‚Bratnägelein‘) ist die geläufige frühneuhochdeutsche Bezeichnung für Gewürznelken - benannt nach ihrer nagelartigen Form (lat. clavus = Nagel). Das ‚griben‘ davor (zu mhd. rîben, reiben) meint die geriebenen, zerstoßenen, nicht die ganzen Nelken; gemahlen ziehen sie gleichmäßiger durch.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-033-orig" n="vaffel" resp="#fyndling">Hier im Sinne von ‚Gefäß‘, genauer ein Fässlein oder Fässchen - eine Schreibervariante zu mhd. ‚vaz‘ (Faß, Behältnis), Diminutiv ‚vässel‘. Ein kleines Einlagerfaß passt zur mehrjährigen Aufbewahrung. Die formgleiche Wörterbuch-Lesart ‚vaffel = Reibeisen‘ ist ein Homograph und im Kontext einer einzulagernden Sauce ausgeschlossen.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-033-orig" n="gburcz" resp="#fyndling">‚Gewürz‘ - Die Schreibung ‚gb‘ für anlautendes ‚gw‘ ist eine wiederkehrende bairisch-österreichische Lautvariante im Frühneuhochdeutschen.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-033-orig" n="griben pratt nagel" resp="#fyndling">‚geriebene Bratnägel‘, also zerstoßene Gewürznelken (‚griben‘ zu mhd. rîben = reiben/gerieben; ‚pratt nagel‘ = Bratnägel = Nelken).</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-033-orig" n="vaffel" resp="#fyndling">‚Gefäß‘, konkret ein Fässlein/Fässchen (zu mhd. ‚vaz‘, Diminutiv ‚vässel‘) zum Einlagern. Im Kontext der mehrjährigen Aufbewahrung die mit Abstand plausibelste Lesart.</note>
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