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        <title>Kalter Lebkuchen-Wein-Sud (Lebkuchen-Pfeffer)</title>
        <author>Anonymus</author>
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          <resp>Modernisierung, Übersetzung, Anmerkungen</resp>
          <name xml:id="fyndling">Fyndling.de</name>
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        <publisher>Fyndling.de</publisher>
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        <date when="2026-07-02">2026-07-02</date>
        <idno type="url">https://fyndling.de/rezepte/mon-053/</idno>
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          <title>Graz, Universitätsbibliothek, Ms. 1609 (CoReMA GR1)</title>
          <date when="1480">1480</date>
          <idno type="URI">https://gams.uni-graz.at/o:corema.gr1/TEI_SOURCE</idno>
          <note>Transkription: CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages, Helmut W. Klug (Hg.), Universität Graz, Ms. GR1 (CC BY 4.0)</note>
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        <language ident="fnhd">Frühneuhochdeutsch (bairisch-österreichisch, 15. Jh.)</language>
        <language ident="de">Neuhochdeutsch (Übersetzung)</language>
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      <div type="recipe" xml:id="mon-053">
        <head>Kalter Lebkuchen-Wein-Sud (Lebkuchen-Pfeffer)</head>
        <div type="original" xml:id="mon-053-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mon-053-trans">
          <p>ITem wil dw guettew kostel machen wil dw es machen guet So nym wein vnd esseich vnd honig vnd gueten leczelten vnd stoz das durch ein tuech vnd sewd es vnd so gewss dar nach vnd iss so es chalt werdt</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mon-053-trans" xml:lang="de" corresp="#mon-053-orig">
          <p>Wenn du eine gute Speise zubereiten möchtest, und sie gut machen willst, dann nimm Wein, Essig und Honig. Gib auch guten Lebkuchen hinzu.</p>
          <p>Stoße diese Mischung durch ein Tuch und siede sie. Gieße den Sud danach in ein Gefäß und iss ihn, wenn er kalt geworden ist.</p>
        </div>
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          <list type="ingredients">
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              <ingredient en="" commodity="" orig="wein">Wein</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="esseich">Essig</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="honig">Honig</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="gueten leczelten">Lebkuchen</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="tuech">Passiertuch</ingredient>
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      <div type="annotations">
        <note type="preparation_tip" target="#mon-053-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Eine kalte, süß-saure Sauce aus Wein, Essig, Honig und Lebkuchen - im engsten Zwilling des Korpus (m384-035) ausdrücklich als Galrei (Gelee) bezeichnet, kein Getränk. Das ist ein Lebkuchen-Pfeffer: eine eigene Gattung süß-saurer, mit Lebkuchen gebundener Saucen, die zu Wild, Geflügel, Fisch und Eiern gereicht wurde - m384-035 nennt ausdrücklich "gebratenes Fleisch oder Fisch" als Begleitung. Lebkuchen diente hier nicht als Süßgebäck, sondern als Binde- und Würzmittel - eine Funktion, die in der heutigen Küche kaum noch bekannt ist.

Warum durchs Tuch pressen? Der zerkrümelte Lebkuchen wird zusammen mit Wein, Essig und Honig gestoßen und dann durch ein Tuch gepresst. Das entfernt gröbere Krumenstücke, presst aber zugleich das feine Lebkuchenmehl als Bindemittel in die Flüssigkeit - vergleichbar mit einer zeittypischen Brotbindung, nicht mit einer Mehlschwitze.

Praxis. Lebkuchen fein zerkrümeln und mit Wein, Essig und Honig verrühren. Die Mischung durch ein feines Tuch oder Sieb pressen, damit sie glatt wird. Kurz aufsieden lassen, dann in ein Gefäß abfüllen und vollständig auskühlen lassen, bevor der Sud gegessen oder getrunken wird.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-053-orig" n="leczelten" resp="#fyndling">Frühneuhochdeutsche Bezeichnung für Lebkuchen, hier als Würz- und Bindezutat für den Sud eingesetzt, nicht als Süßgebäck - die klassische Bindung des Lebkuchen-Pfeffers, einer eigenen Sauce-Gattung.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-053-orig" n="stoz das durch ein tuech" resp="#fyndling">Wörtlich ‚stoße das durch ein Tuch‘ - dies bedeutet, die Mischung durch ein feines Tuch zu passieren oder zu pressen, um sie zu klären und eine glatte Konsistenz zu erhalten.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-053-orig" n="Galrei" resp="#fyndling">Der wortidentische Zwilling m384-035 bezeichnet dieses Rezept ausdrücklich als ‚Galrei‘ (Gelee, von lateinisch gelata) - das ordnet den Sud kulturhistorisch in die mittelalterliche Gelee-/Galantine-Tradition ein statt in eine reine Getränke-Kategorie.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-053-orig" n="leczelten" resp="#fyndling">‚Lebkuchen‘ - basierend auf dem Korpus-Glossar und der historischen Verwendung von gewürztem Gebäck in solchen Zubereitungen.</note>
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