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        <title>Versalzenes Essen wiederherstellen</title>
        <author>Anonymus</author>
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          <resp>Modernisierung, Übersetzung, Anmerkungen</resp>
          <name xml:id="fyndling">Fyndling.de</name>
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        <publisher>Fyndling.de</publisher>
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        <date when="2026-07-02">2026-07-02</date>
        <idno type="url">https://fyndling.de/rezepte/mon-065/</idno>
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          <title>Graz, Universitätsbibliothek, Ms. 1609 (CoReMA GR1)</title>
          <date when="1480">1480</date>
          <idno type="URI">https://gams.uni-graz.at/o:corema.gr1/TEI_SOURCE</idno>
          <note>Transkription: CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages, Helmut W. Klug (Hg.), Universität Graz, Ms. GR1 (CC BY 4.0)</note>
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        <language ident="fnhd">Frühneuhochdeutsch (bairisch-österreichisch, 15. Jh.)</language>
        <language ident="de">Neuhochdeutsch (Übersetzung)</language>
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      <div type="recipe" xml:id="mon-065">
        <head>Versalzenes Essen wiederherstellen</head>
        <div type="original" xml:id="mon-065-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mon-065-trans">
          <p>ITem wie man das versalczen essen wider pringt So secz das heffen mit der chost von verren czw dem fewr das sied vnd teck mit einem schon tuech czwe pindt es gar woll vnd nym ein gawffen vol salz vnd legs oben auff das essen das dw verpunden hast vnd wardt das die prue nit vber gee an das tuech so czewcht das ober salcz das vntter auß auß vnd wirdt guet vnd gerecht</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mon-065-trans" xml:lang="de" corresp="#mon-065-orig">
          <p>Wenn du versalzenes Essen wiederherstellen willst: Setze den Topf mit dem Gericht von weitem ans Feuer, sodass es siedet. Decke es mit einem schönen Tuch zu und binde es gut fest. Nimm eine Handvoll Salz und lege sie oben auf das Tuch über das Essen, das du verbunden hast. Achte darauf, dass die Brühe nicht über das Tuch steigt. So zieht das obere Salz das untere, überschüssige Salz aus dem Gericht heraus, und es wird wieder gut und richtig im Geschmack.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
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              <ingredient en="" commodity="" orig="das versalczen essen">Versalzenes Essen</ingredient>
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            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ein schon tuech">Tuch</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="ein gawffen vol salz">Salz</ingredient>
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      <div type="annotations">
        <note type="preparation_tip" target="#mon-065-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Kein eigentliches Gericht, sondern ein Küchen-Rettungstrick: Ein versalzener Topf wird mit einem Tuch abgedeckt, obenauf kommt eine Handvoll Salz, die dem Gericht angeblich sein überschüssiges Salz wieder entzieht. Der lebende Verwandte dieses Verfahrens ist die bis heute kolportierte Küchenweisheit, eine rohe Kartoffel oder eine Handvoll Salz ziehe das Salz aus einer zu stark gesalzenen Suppe - hier noch ohne Kartoffel (die erst nach 1500 nach Europa kommt), dafür mit Salz als Zugmittel. Es gehört damit eher in die Familie der Notfall-Hausmittel als in eine Rezept-Traditionslinie.

Der im Text behauptete Mechanismus - oberes Salz zieht unteres Salz aus der Brühe - lässt sich kochtechnisch nicht bestätigen. Gelöstes Salz wandert nicht durch ein trockenes Tuch hindurch in eine Salzschicht hinein; ein Konzentrationsgefälle allein bewegt hier nichts. Plausibler ist, dass der aufsteigende Dampf das Tuch anfeuchtet, das aufliegende Salz anlöst und als zusätzliche Salzlösung zurücktropft - im ungünstigen Fall wird das Essen dadurch salziger statt milder. Das Original behauptet den Effekt, erklärt aber keinen Mechanismus dafür; es handelt sich um eine zeitgenössische Küchenüberzeugung nach dem Prinzip "Salz zieht Salz", nicht um ein belegtes Verfahren.

Die einzige technisch tragfähige Anweisung im Text ist die Warnung, dass die Brühe das Tuch nicht erreichen darf: Schwappt sie doch hinauf, trägt sie zusätzliches Salz ein statt welches abzugeben - das Gegenteil des gewünschten Effekts.

Praxis. Den Topf mit dem versalzenen Essen auf kleiner, indirekter Flamme sanft köcheln lassen. Ein sauberes Tuch straff über die Topföffnung spannen und festbinden, sodass es nicht in die Brühe einsinkt. Eine Handvoll Salz mittig auf das Tuch geben. Den Siedegrad so niedrig halten, dass die Brühe deutlich unter dem Tuch bleibt. Ob sich der Salzgehalt dadurch tatsächlich mindert, darf man mit Neugier statt Erwartung testen - als Rettungsversuch schadet die Methode zumindest nicht, sofern die Brühe wirklich unten bleibt.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-065-orig" n="versalczen" resp="#fyndling">Das Verb 'versalzen' beschreibt den Zustand des Essens, das zu viel Salz enthält.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-065-orig" n="heffen" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#heffen">Ein 'Heffen' (mhd. hefen, heffen) ist ein Kochgefäß, ein Topf oder Kessel, der über dem Feuer verwendet wird.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-065-orig" n="chost" resp="#fyndling">'Chost' (mhd. kost) bezeichnet hier das zubereitete Gericht oder Essen.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-065-orig" n="czw / czwe" resp="#fyndling">Orthographische Varianten von mhd./bairisch 'zuo' = 'zu' (im Korpus vielfach belegt). Im Rezept zweimal verwendet: 'czw dem fewr' (zu dem Feuer) und 'teck ... czwe' (decke ... zu) - beide Male als Präposition/Partikel 'zu', nicht als eigenständiges Zahlwort oder Verbal-Präfix.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-065-orig" n="gawffen" resp="#fyndling">Eine 'Gawffen' (bairisch 'Gaufen') ist eine alte Maßeinheit, die einer Handvoll entspricht.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-065-orig" n="czewcht" resp="#fyndling">Das Verb 'ziehen' (mhd. ziehen) beschreibt den im Text behaupteten Vorgang, bei dem das Salz auf dem Tuch das überschüssige Salz aus dem Gericht ziehen soll - eine zeitgenössische Küchenüberzeugung, kein nachweislich funktionierender Mechanismus.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-065-orig" n="guet vnd gerecht" resp="#fyndling">Die Formulierung bedeutet, dass das Gericht wieder 'gut und richtig' im Geschmack ist, also erfolgreich entsalzen wurde.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-065-orig" n="czw dem fewr / teck ... czwe" resp="#fyndling">'zu dem Feuer' / 'decke ... zu' - 'czw' und 'czwe' sind dieselbe orthographische Variante von mhd./bairisch 'zuo' (= 'zu'), einmal als Präposition vor 'fewr', einmal als Verbpartikel zu 'teck' (zudecken). Danach beginnt mit 'pindt es gar woll' ein neuer Hauptsatz ('binde es sehr gut').</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-065-orig" n="czewcht" resp="#fyndling">'zieht heraus' - Das Verb 'ziehen' (mhd. ziehen) beschreibt hier den im Text behaupteten Vorgang, bei dem das Salz auf dem Tuch das überschüssige Salz aus dem Gericht herausziehen soll.</note>
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