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        <title>Kernenmus von Mandeln mit Weinbeeren</title>
        <author>Anonymus</author>
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          <resp>Modernisierung, Übersetzung, Anmerkungen</resp>
          <name xml:id="fyndling">Fyndling.de</name>
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        <publisher>Fyndling.de</publisher>
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        <date when="2026-07-03">2026-07-03</date>
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          <title>Graz, Universitätsbibliothek, Ms. 1609 (CoReMA GR1)</title>
          <date when="1480">1480</date>
          <idno type="URI">https://gams.uni-graz.at/o:corema.gr1/TEI_SOURCE</idno>
          <note>Transkription: CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages, Helmut W. Klug (Hg.), Universität Graz, Ms. GR1 (CC BY 4.0)</note>
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        <language ident="fnhd">Frühneuhochdeutsch (bairisch-österreichisch, 15. Jh.)</language>
        <language ident="de">Neuhochdeutsch (Übersetzung)</language>
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      <div type="recipe" xml:id="mon-087">
        <head>Kernenmus von Mandeln mit Weinbeeren</head>
        <div type="original" xml:id="mon-087-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mon-087-trans">
          <p>ITem wil dw ein cheren muß machen So nym mandel vnd weinper darczw + vnd gueten wein vnd thue czucker genug dar ein so wirdt das mueß guett vnd versalcz nit</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mon-087-trans" xml:lang="de" corresp="#mon-087-orig">
          <p>Willst du ein Kernenmus zubereiten, so nimm Mandeln und Weinbeeren dazu. Gib guten Wein und genug Zucker hinzu. So wird das Mus gut, und versalze es nicht.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
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              <ingredient en="" commodity="" orig="mandel">Mandeln, gemahlen</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="weinper">Weinbeeren (Rosinen)</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="gueten wein">Wein, rot oder weiß</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="czucker genug">Zucker</ingredient>
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      <div type="annotations">
        <note type="preparation_tip" target="#mon-087-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Trotz der älteren Übersetzung ist dies kein Kirschenmus, sondern ein Kernenmus - ein Mus aus Mandelkernen mit Weinbeeren, Wein und Zucker. Es gehört in die Familie der mittelalterlichen Mandel-Mus-Desserts, bei denen ausgestoßene Mandeln statt Milch die Bindung und Cremigkeit liefern - fastenkonform und ohne tierisches Milchprodukt. Mit dem Blancmanger (Geflügel oder Fisch in Mandelmilch) hat das nur die Mandelbasis gemein, nicht die Zutatenkomposition: mon-087 enthält kein Fleisch und keine Mandelmilch, sondern ganze gemahlene Mandeln, Weinbeeren, Wein und Zucker. Am engsten verwandt ist es mit den Rezepten Mus mit Weinbeeren und Mandeln (mha-241) und einem fast wortgleich überlieferten Kernmus (m5919-039): gleiche Zutaten, gleiches Verfahren, gleiche Schlusswarnung vor dem Übersalzen.

Die Schlusswarnung. ‚Und versalze es nicht‘ ist eine reine Warnung, keine Kochanweisung mit Salzmenge - das Rezept nennt Salz an keiner Stelle als Zutat. Es handelt sich um eine stehende Schlussformel bei süßen Mus-Gerichten dieses Kochbuchs, vergleichbar der Vorstellung, dass auch süße Speisen durch eine winzige Salznote runder schmecken, wenn man sie nicht übertreibt.

Praxis. Gemahlene Mandeln werden mit gutem Wein zu einer Mandelmilch ausgestoßen - Wein statt Wasser, damit die Masse zugleich Säure und Aroma bekommt. Weinbeeren (Rosinen) werden untergerührt und die Mischung bei mittlerer Hitze eingekocht, bis sie sämig wird - die fein vermahlenen Mandeln binden von selbst, ein zusätzliches Bindemittel braucht es nicht. Zucker nach Geschmack einrühren, bis das Mus rund schmeckt, und am Ende nicht salzen.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-087-orig" n="cheren muß" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#cheren">‚Cheren‘ ist eine Schreibvariante von ‚kernen‘ (Kerne) - kein Wort für Kirschen. Beleg im Korpus: mha-022 trägt selbst den Titel ‚Ain keren‘ und erläutert ‚ain keren muosz von mandel‘ (ein Kernmus aus Mandeln); m5919-039 überliefert einen nahezu wortgleichen Text als ‚kernen mus‘. ‚Cheren muß‘ ist damit ein Mandelkern-Mus, kein Kirschenmus.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-087-orig" n="versalcz nit" resp="#fyndling">‚Und versalze es nicht‘ ist eine reine Warnung vor dem Übersalzen - keine Anweisung, Salz zuzugeben. Salz wird an keiner Stelle des Rezepts als Zutat genannt. Die Formel ist eine stehende Schlusswendung bei süßen Mus-Gerichten des Korpus (u. a. auch mon-023) und begegnet dort unabhängig davon, ob überhaupt gesalzen wird.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-087-orig" n="weinper" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#weinper">Weinbeeren = Rosinen (getrocknete Weinbeeren). Standardlesart für ‚weinper‘ im Korpus: auch die engsten Zwillinge mha-241 und m5919-039 lesen dasselbe Wort an identischer Stelle als Weinbeeren, beide ohne jeden Frisch-Marker im Text - genau wie hier.</note>
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