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        <title>Gesülzter Fisch in Essig-Sud</title>
        <author>Anonymus</author>
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          <resp>Modernisierung, Übersetzung, Anmerkungen</resp>
          <name xml:id="fyndling">Fyndling.de</name>
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        <publisher>Fyndling.de</publisher>
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        <date when="2026-07-03">2026-07-03</date>
        <idno type="url">https://fyndling.de/rezepte/mon-096/</idno>
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          <title>Graz, Universitätsbibliothek, Ms. 1609 (CoReMA GR1)</title>
          <date when="1480">1480</date>
          <idno type="URI">https://gams.uni-graz.at/o:corema.gr1/TEI_SOURCE</idno>
          <note>Transkription: CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages, Helmut W. Klug (Hg.), Universität Graz, Ms. GR1 (CC BY 4.0)</note>
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        <language ident="fnhd">Frühneuhochdeutsch (bairisch-österreichisch, 15. Jh.)</language>
        <language ident="de">Neuhochdeutsch (Übersetzung)</language>
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      <div type="recipe" xml:id="mon-096">
        <head>Gesülzter Fisch in Essig-Sud</head>
        <div type="original" xml:id="mon-096-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mon-096-trans">
          <p>ITem wil dw sulcz visch machen so nym rains wasser vnd esseich geleich vnd sewdt visch dar Innen vnd gburcz vnd wermibs vnd gewß an vnd laß chalt werden</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mon-096-trans" xml:lang="de" corresp="#mon-096-orig">
          <p>Wenn du gesülzten Fisch zubereiten möchtest, nimm reines Wasser und Essig zu gleichen Teilen. Siede den Fisch darin mit Gewürzen und Wermutkraut. Gieße den Sud über den Fisch und lass ihn kalt werden, damit er geliert.</p>
        </div>
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          <list type="ingredients">
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              <ingredient en="" commodity="" orig="rains wasser">Wasser</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="esseich">Essig</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="visch">Fisch</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="gburcz">Gewürze</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="wermibs">Wermutkraut</ingredient>
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      <div type="annotations">
        <note type="preparation_tip" target="#mon-096-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Gesülzter Fisch in Essig-Sud ist der unmittelbare Vorfahr der heute noch im Fischgeschäft erhältlichen Fischsülze bzw. des Fisch-in-Aspik: Der Kollagengehalt von Fischhaut und -gräten liefert beim Auskühlen dieselbe natürliche Gelierung wie moderne Gelatine, nur ganz ohne Zusatz. Ein fast wortgleiches Schwesterrezept findet sich in Clm 15632 (ri15632-009), dort mit Wein und Safran statt Wermutkraut - mon-096 ist die schlichtere, weinlose Variante desselben Grundrezepts.

Der Essig-Wasser-Sud. Wasser und Essig zu gleichen Teilen bilden zugleich Gar- und Konservierungsmedium: Die Säure senkt den pH-Wert und liefert die Basis für die spätere Sülze. Der Fisch wird darin mit Gewürzen und Wermutkraut gesiedet - ein Schritt, der Garprozess und Aromatisierung verbindet. Das lange Sieden löst zugleich Kollagen aus Haut und Gräten, wodurch die spätere Gelierung ganz ohne zusätzliches Bindemittel gelingt.

Praxis. Fisch in der Essig-Wasser-Lösung bei schwachem Sieden garen, mit Gewürzen und etwas Wermutkraut versehen. Den Sud anschließend über den Fisch geben (oder gegen Ende der Garzeit im selben Gefäß nachgießen) und vollständig auskühlen lassen, bis die Sülze fest wird. Die Zubereitung selbst gelingt problemlos am offenen Feuer; der limitierende Faktor ist allein die Kühlphase danach - ohne Erdkeller, kaltes Fließwasser oder kühle Jahreszeit zieht sich das Gelieren im Sommerlager hin oder bleibt unzuverlässig. Wer vorführen möchte, setzt den Sud am Vortag an und stellt ihn über Nacht kühl.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-096-orig" n="sulcz visch" resp="#fyndling">‚Gesülzter Fisch‘ oder ‚Fisch in Sülze‘. Eine traditionelle Methode, Fisch durch Kochen in Essig-Sud haltbar zu machen und zu gelieren.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-096-orig" n="geleich" resp="#fyndling">‚Gleich‘ oder ‚zu gleichen Teilen‘. Hier bezieht es sich auf das Verhältnis von Wasser und Essig.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-096-orig" n="sewdt" resp="#fyndling">Eine bairisch-österreichische Variante von ‚sieden‘, also kochen oder köcheln.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-096-orig" n="gburcz" resp="#fyndling">Eine regionale Schreibweise für ‚Gewürz‘. Die genaue Mischung wird nicht spezifiziert, was dem Koch freie Hand lässt. Typisch wären Pfeffer, Ingwer, Nelken oder Muskatblüte.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-096-orig" n="gewß an" resp="#fyndling">‚Gieße an‘ oder ‚übergieße‘. Hier die Anweisung, den Sud über den Fisch zu gießen, damit er darin geliert.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-096-orig" n="wermibs" resp="#fyndling">Hapax legomenon - nur in mon-096 belegt, kein weiterer Korpus- oder Wörterbuch-Treffer. Die Lesart ‚Wermutkraut‘ stützt sich auf den bairischen b/w-Lautwandel (vgl. ‚gburcz‘, ‚gewß‘ im selben Text) und auf die strukturelle Parallele zum Zwillingsrezept ri15632-009, das an derselben Satzposition ‚saffran‘ nennt.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-096-orig" n="wermibs" resp="#fyndling">‚Wermutkraut‘ (Artemisia absinthium). Aufgrund phonetischer Ähnlichkeit zu ‚Wermut‘, des im Text selbst belegten bairischen b/w-Lautwandels (vgl. ‚gburcz‘, ‚gewß‘) und der Verwendung von Wermut als Bittermittel in der mittelalterlichen Küche.</note>
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