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      <titleStmt>
        <title>Feigensülze mit Lebkuchen und Wein</title>
        <author>Anonymus</author>
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          <resp>Modernisierung, Übersetzung, Anmerkungen</resp>
          <name xml:id="fyndling">Fyndling.de</name>
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        <publisher>Fyndling.de</publisher>
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        <date when="2026-07-03">2026-07-03</date>
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          <title>Graz, Universitätsbibliothek, Ms. 1609 (CoReMA GR1)</title>
          <date when="1480">1480</date>
          <idno type="URI">https://gams.uni-graz.at/o:corema.gr1/TEI_SOURCE</idno>
          <note>Transkription: CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages, Helmut W. Klug (Hg.), Universität Graz, Ms. GR1 (CC BY 4.0)</note>
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        <language ident="fnhd">Frühneuhochdeutsch (bairisch-österreichisch, 15. Jh.)</language>
        <language ident="de">Neuhochdeutsch (Übersetzung)</language>
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      <div type="recipe" xml:id="mon-097">
        <head>Feigensülze mit Lebkuchen und Wein</head>
        <div type="original" xml:id="mon-097-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mon-097-trans">
          <p>ITem wil dw ein veigen sulz machen So steck ye vj veigen an ain spisel so vil dw wilt vnd sewcz in einem chessel= lein oder in einem haffen vnd gewß wein dar an prott vnd leczelten geriben vnd thue an dy suppen von den veigen vnd honig vnd esseich vnd streich es durch ein sib gburcz vnd geverbs vnd erbels das alles durch ein ander vnd leg dy veigen in ain rains wasser vnd gewß dan das dar an vnd wenn dw das an richtest so bestra es mit erbellten synibellen weinper vnd iss+ also chalt</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mon-097-trans" xml:lang="de" corresp="#mon-097-orig">
          <p>Willst du eine Feigensülze zubereiten, so stecke jeweils sechs Feigen auf ein Spießchen, so viele du möchtest. Koche sie dann in einem kleinen Kessel oder in einem Topf.</p>
          <p>Gieße Wein dazu, gib geriebenes Brot und geriebenen Lebkuchen hinzu. Füge dies alles zu dem Sud der Feigen, zusammen mit Honig und Essig. Streiche die gesamte Mischung durch ein Sieb.</p>
          <p>Würze es, färbe es und lass es alles miteinander aufwallen. Lege die Feigen in reines Wasser und gieße dann den Sud darüber. Wenn du es anrichtest, bestreue es mit aufgekochten, prallen Weinbeeren und iss es kalt.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="vj veigen an ain spisel so vil dw wilt">Feigen</ingredient> - 6</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="wein">Wein</ingredient>
            </item>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="prott geriben">Brot, gerieben</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="leczelten geriben">Lebkuchen, gerieben</ingredient>
            </item>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="honig">Honig</ingredient>
            </item>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="esseich">Essig</ingredient>
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            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="gburcz">Gewürz</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="erbellten synibellen weinper">Weinbeeren (Rosinen), aufgekocht</ingredient>
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      <div type="annotations">
        <note type="preparation_tip" target="#mon-097-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Eine gewürzte, mit Lebkuchen und Brot gebundene Wein-Honig-Essig-Sauce über pochierten Feigen, kalt serviert und mit aufgekochten, prallen Weinbeeren bestreut - eine mittelalterliche Sülze im Sinne einer sämigen Kompott-Sauce, nicht einer Gelatine-Sülze. Nächste lebende Verwandte sind das weihnachtliche Feigen- oder Birnenkompott mit Lebkuchengewürz sowie süß-saure Frucht-Mostarden. Das nahezu wortgleiche Zwillingsrezept m5919-006 (Cgm 5919) bestätigt Rezeptidentität und -technik über zwei Handschriften hinweg.

‚Erbels‘ heißt aufwallen, nicht klären. ‚Gburcz vnd geverbs vnd erbels das alles durch ein ander‘ ist eine Verb-Trias: würzen, färben, aufwallen lassen. ‚Erbels‘ ist die bairische b-für-w-Schreibung von ‚erwellen‘ (aufkochen) - kein Klärverfahren mit Eiweiß oder Schaumabschöpfen, sondern schlicht das letzte gemeinsame Aufkochen der gewürzten, gefärbten Masse. Derselbe Lautwechsel begegnet im Korpus mehrfach (m5919-011) und im Zwilling m384-076 an exakt derselben Stelle (‚erwels als vnder ain andren‘).

Die Weinbeeren werden rund und prall, nicht ‚Sinnbeeren‘ hinzugefügt. ‚Erbellten synibellen weinper‘ ist keine Aufzählung zweier Beerensorten, sondern eine Doppel-Beschreibung der Weinbeeren selbst: aufgekocht (erbellten) und rund/prall geworden (synibellen, von sinwel/sinbel). Das Buch belegt diese Lesart selbst in mon-023, wo Weinbeeren beim Aufwallen ausdrücklich ‚sinbell‘ werden. Es braucht also keine zweite, unbelegte Fruchtsorte als Garnitur - nur Rosinen, die beim Aufkochen aufquellen.

Praxis. Feigen zu je sechs auf ein Spießchen stecken und im Kessel oder Topf in Wein weichkochen. Geriebenes Brot und geriebenen Lebkuchen in den Feigensud rühren, Honig und Essig zugeben und durch ein Sieb streichen, um Kerne und Fasern zu entfernen. Die passierte Masse würzen (Pfeffer, Ingwer, Zimt), mit period-treuer Farbe (etwa Safran) einfärben und noch einmal kurz gemeinsam aufkochen lassen. Die Feigen ins Anrichtegefäß legen, den Sud darübergießen und auskühlen lassen. Rosinen separat kurz aufkochen, bis sie prall aufgequollen sind, und vor dem Servieren darüberstreuen. Kalt servieren.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-097-orig" n="sulz" resp="#fyndling">Eine ‚Sülze‘ bezeichnete im Mittelalter oft eine dickflüssige, gewürzte Sauce oder einen Brei, der kalt serviert wurde und durch Reduktion oder Bindemittel eine sämige bis gelierte Konsistenz erhielt. Nicht immer war ein Geliermittel im modernen Sinne (wie Gelatine) enthalten.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-097-orig" n="leczelten" resp="#fyndling">‚Leczelten‘ oder ‚Lebzelten‘ ist die frühneuhochdeutsche Bezeichnung für Lebkuchen oder gewürztes Gebäck (vgl. Nürnberger Lebkuchen-Würze). Er wurde oft gerieben als Bindemittel und Gewürzträger in Saucen und Süßspeisen verwendet. Siehe m725-002 für ein eigenes Lebkuchen-Rezept aus dem Korpus.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-097-orig" n="gburcz" resp="#fyndling">‚Gburcz‘ ist eine bairisch-österreichische Variante von ‚Gewürz‘. Die genaue Mischung ist nicht spezifiziert, aber typisch für süße Speisen wären Zimt, Ingwer, Nelken oder Muskatblüte.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-097-orig" n="erbels" resp="#fyndling">‚Erbels‘ ist nicht ‚erhelle/kläre‘, sondern eine bairische b-für-w-Schreibung von ‚erwellen‘ = aufkochen, aufwallen lassen. Derselbe Lautwechsel begegnet im Korpus mehrfach (u.a. m5919-011: ‚weinpir erbels dan‘ = ‚lass die Weinbeeren aufwallen‘) und im nahezu wortgleichen Zwillingsrezept m384-076, das an derselben Stelle ‚erwels als vnder ain andren‘ liest.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-097-orig" n="synibellen" resp="#fyndling">‚Synibellen‘ ist keine eigene Beerensorte, sondern eine Schreibvariante von ‚sinwel/sinbel‘ = rund, kugelrund, prall - wieder mit b für w. Beschreibt gemeinsam mit ‚erbellten‘ (aufgekocht) den Zustand der Weinbeeren nach dem Aufwallen: aufgekocht und rund/prall geworden. Das Buch selbst belegt diese Lesart in mon-023, wo Weinbeeren beim Aufwallen ausdrücklich ‚sinbell‘ werden. Der Zwilling m5919-006 bestätigt zusätzlich dieselbe Wortfolge (‚sinbelen erbelten weinper‘) an identischer Stelle.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-097-orig" n="sewcz" resp="#fyndling">‚siede es‘ - die Feigen in Flüssigkeit kochen.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-097-orig" n="rains wasser" resp="#fyndling">‚reines Wasser‘ - die Feigen werden vor dem Übergießen mit dem Sud in klares Wasser gelegt.</note>
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