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        <title>Gefüllte Krebse in Schmalz gebacken</title>
        <author>Anonymus</author>
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          <resp>Modernisierung, Übersetzung, Anmerkungen</resp>
          <name xml:id="fyndling">Fyndling.de</name>
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        <publisher>Fyndling.de</publisher>
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          <licence target="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/">CC BY-SA 4.0 (Übersetzung &amp; Anmerkungen)</licence>
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        <date when="2026-07-05">2026-07-05</date>
        <idno type="url">https://fyndling.de/rezepte/mon-135/</idno>
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          <title>Graz, Universitätsbibliothek, Ms. 1609 (CoReMA GR1)</title>
          <date when="1480">1480</date>
          <idno type="URI">https://gams.uni-graz.at/o:corema.gr1/TEI_SOURCE</idno>
          <note>Transkription: CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages, Helmut W. Klug (Hg.), Universität Graz, Ms. GR1 (CC BY 4.0)</note>
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        <language ident="fnhd">Frühneuhochdeutsch (bairisch-österreichisch, 15. Jh.)</language>
        <language ident="de">Neuhochdeutsch (Übersetzung)</language>
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      <div type="recipe" xml:id="mon-135">
        <head>Gefüllte Krebse in Schmalz gebacken</head>
        <div type="original" xml:id="mon-135-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mon-135-trans">
          <p>ITem gepachen chrewssen seucz an dy statt vnd schels dar nach mach ein ayr full mit gwucz vnd mit smalcz vnd fuls ein vnd dy ckragel mach schon vnd stoz an den chrewssen als vorer vnd pachs Inn haissem smalz vnd richt es also annn</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mon-135-trans" xml:lang="de" corresp="#mon-135-orig">
          <p>Nimm gebratene Krebse. Lege sie beiseite und schäle sie danach. Bereite eine Eierfüllung mit Gewürz und Schmalz zu und fülle sie ein. Und das Ckragel (den Kragen-/Halsbereich) reinige gründlich, und setze es an die Krebse an wie zuvor. Backe sie in heißem Schmalz und richte sie so an.</p>
        </div>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="chrewssen">Krebse</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="ayr">Eier</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="gwucz">Gewürze (z.B. Pfeffer, Ingwer)</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="smalcz / smalz">Schmalz</ingredient>
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        <note type="preparation_tip" target="#mon-135-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Mon-135 ist die spätmittelalterliche Vorstufe der klassischen farcierten Krebse: Flusskrebse werden gegart, das Fleisch - vor allem aus dem Kragenbereich - gepult, gereinigt und wieder an die leeren Panzer angesetzt, zusammen mit einer Ei-Gewürz-Füllung, dann in heißem Schmalz ausgebacken. Ihre nächste lebende Verwandte ist die französische écrevisses farcies; im Ausback-Schritt ist sie außerdem eine Verwandte heutiger Krebs- und Krabbenbeignets. Im Mondseer Kochbuch selbst steht ihr mon-134 ("Gebratene gefüllte Krebse") sehr nahe - fast dasselbe Verfahren, nur mit Braten statt Ausbacken als letztem Schritt.

Die Reihenfolge im Originaltext ist enger als es die bisherige Übersetzung vermuten ließ: Zuerst wird die Ei-Gewürz-Füllung angesetzt und in die geschälten Panzer gefüllt, erst danach wird vom übrigen Krebsfleisch (dem "ckragel", vermutlich der Kragen-/Halspartie) die Rede - es wird gereinigt und an die bereits gefüllten Krebse angesetzt, so wie zuvor beschrieben. Das Krebsfleisch wird also nicht, wie man beim ersten Lesen meinen könnte, zerstoßen und in die Ei-Masse eingerührt, sondern eher als zweite Lage aufgesetzt beziehungsweise aufgesteckt, ähnlich wie beim Wiederzusammensetzen der Schalenhälften in den Zwillingsrezepten. "Ckragel" (Kragen-/Halsbereich) ist als Wort selbst kein Hapax - 'kragel/kregelin' ist bei Lexer, Grimm und Idiotikon belegt -, nur im Korpus einmalig verwendet. Ob damit hier Fleisch aus dieser Zone (gestützt durch kkm-012, das 'Hälß' als eigens verarbeiteten Krebsteil nennt) oder ein intaktes Schalenstück mit Scheren gemeint ist, das nach dem Füllen zur optischen Rekonstruktion wieder angesteckt wird, lässt sich aus dem Text allein nicht entscheiden.

Praxis. Krebse zunächst vorgaren (kurz abkochen oder braten), damit sich die Panzer leichter unbeschädigt lösen lassen - dies ist über die ganze Rezeptfamilie hinweg (rfk-008, m384-027, kkm-012) die Standardreihenfolge. Danach schälen und die leeren Schalen aufbewahren. Aus Eiern, Gewürz und etwas Schmalz eine gebundene Füllung anrühren und in die Schalen einfüllen. Das übrige Krebsfleisch - besonders die Halspartie - sauber auslösen und an die gefüllten Schalen ansetzen, ähnlich dem Zusammenfügen der Schalenhälften bei den verwandten Rezepten. Zum Schluss in reichlich heißem Schmalz ausbacken, bis die Füllung gestockt und die Oberfläche leicht gebräunt ist.

Verwandte Technik, andere Schale. Dasselbe Grundprinzip - eine hohle Naturschale füllen, verschließen und in Schmalz ausbacken - findet sich im Korpus auch bei gefüllten Eiern (dort halbe Eierschalen statt Krebspanzer als Hülle).</note>
        <note type="gloss" target="#mon-135-orig" n="gepachen chrewssen" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#chrewssen">Hier als ‚gebratene Krebse' übersetzt, da der Text später das Backen/Braten in Schmalz beschreibt. Es könnte sich um vorgekochte oder bereits gebratene Krebse handeln, die dann weiterverarbeitet werden.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-135-orig" n="ckragel" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#ckragel">Kragen-/Halsbereich des Krebses - 'kragel/kregelin/kraglein' (Diminutiv zu 'Kragen') ist bei Lexer, Grimm und Idiotikon belegt, im Korpus selbst aber nur hier verwendet. Ob Fleisch aus dieser Zone (gestützt durch kkm-012, das 'Hälß' als eigens verarbeiteten Krebsteil nennt) oder ein intaktes Schalenstück mit Scheren/Beinen gemeint ist, bleibt aus dem Text allein offen.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-135-orig" n="stoz an" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#stoz-an">‚Stoz an' bedeutet hier ‚ansetzen/anstecken/hineinstecken', nicht ‚zerstoßen'. Belegt durch dieselbe Wendung in mon-088 (‚stoz an spissel' = auf Spieße stecken), mon-018/rfk-047 (‚stosz sie an ein spisselin') und mon-062 (‚stoz das hawp in dy ful' = den Kopf in die Füllung stecken). Wäre ‚zerstoßen/zerkleinern' gemeint, stünde im Korpus durchgängig ‚stoz klein' oder ‚gestossen' (vgl. mon-031, mon-052, mon-053, mon-060).</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-135-orig" n="gwucz" resp="#fyndling">Gewürz.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-135-orig" n="ckragel" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#ckragel">Kragen-/Halsbereich des Krebses - Fleisch aus dieser Zone, gestützt durch kkm-012 ('Hälß' als eigens verarbeiteter Krebsteil).</note>
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