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      <titleStmt>
        <title>Gefüllte Fasten-Krapfen</title>
        <author>Anonymus</author>
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          <resp>Modernisierung, Übersetzung, Anmerkungen</resp>
          <name xml:id="fyndling">Fyndling.de</name>
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        <publisher>Fyndling.de</publisher>
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          <licence target="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/">CC BY-SA 4.0 (Übersetzung &amp; Anmerkungen)</licence>
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        <date when="2026-07-05">2026-07-05</date>
        <idno type="url">https://fyndling.de/rezepte/mon-136/</idno>
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          <title>Graz, Universitätsbibliothek, Ms. 1609 (CoReMA GR1)</title>
          <date when="1480">1480</date>
          <idno type="URI">https://gams.uni-graz.at/o:corema.gr1/TEI_SOURCE</idno>
          <note>Transkription: CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages, Helmut W. Klug (Hg.), Universität Graz, Ms. GR1 (CC BY 4.0)</note>
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      <langUsage>
        <language ident="fnhd">Frühneuhochdeutsch (bairisch-österreichisch, 15. Jh.)</language>
        <language ident="de">Neuhochdeutsch (Übersetzung)</language>
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      <div type="recipe" xml:id="mon-136">
        <head>Gefüllte Fasten-Krapfen</head>
        <div type="original" xml:id="mon-136-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mon-136-trans">
          <p>Item zuo krapfen In der vasten Stos nuskeren vnd feygen vnder ain ander in einem morser vnd gwurcz das woll vnd ferib es vnd leg es In ein phannen vnd gewß oll dar ab vnd er woll es vnd machss In krappen geweiß In erhabpten taig vnd packs woll in oll vnd gibs kaldt zw essen</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mon-136-trans" xml:lang="de" corresp="#mon-136-orig">
          <p>Nusskerne und Feigen in einem Mörser zusammenstoßen. Würze dies gut und färbe es. Lege die Masse in eine Pfanne, gieße Öl darüber und koche es gut auf.</p>
          <p>Forme die Masse dann in Krapfen-ähnlicher Weise. Hülle diese Füllung in erhobenen Teig und backe die Krapfen gut in Öl aus. Serviere sie kalt zum Essen.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="nuskeren">Nusskerne</ingredient>
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            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="feygen">Feigen</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="gwurcz das woll">Gewürze</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="oll">Pflanzenöl</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="erhabpten taig">Erhobener Teig</ingredient>
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      </div>
    </body>
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      <div type="annotations">
        <note type="preparation_tip" target="#mon-136-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein in siedendem Öl ausgebackener, gefüllter Krapfen aus gehobenem (Hefe-)Teig mit einer Nuss-Feigen-Paste als Füllung - der unmittelbare Vorfahr des heutigen gefüllten Berliners, nur fastentauglich (kein Ei, keine Milch, sondern Öl) und mit einer Trockenobst-Nuss-Fülle statt Marmelade. Ein nahezu wortgleicher Zwilling findet sich im Rheinfränkischen Kochbuch (ri15632-005), was zeigt, dass dieses Fasten-Krapfen-Rezept im bairisch-österreichischen Raum des 15. Jahrhunderts offenbar verbreitetes Gemeingut war. Dieselbe Krapfen-Grundidee mit anderer Füllung (Walnuss-Apfel statt Nuss-Feige) zeigt bgs-060 - offenbar eine Füllungs-Variante innerhalb derselben Fasten-Krapfen-Familie, nicht ein eigenständiges Gericht.

Was bedeutet "färbe es"? Das Verb an dieser Stelle ist "ferib", ein Imperativ von "ferben/verben" (färben), nicht von "verreiben". Der Zwilling ri15632-005 färbt an derselben Stelle explizit "mit saffran" goldgelb; mon-136 selbst nennt kein Färbemittel, die Anweisung zu färben bleibt aber bestehen - naheliegend ebenfalls mit Safran, wie es für süße Füllungen dieser Zeit üblich war.

Praxis. Nusskerne (Walnuss oder Haselnuss) und getrocknete Feigen im Mörser zu einer groben Paste zerstoßen - die Feige liefert durch ihre Klebrigkeit die Bindung, ohne Ei oder Mehlschwitze. Kräftig würzen (Zimt, Ingwer, Nelken, etwas Pfeffer) und mit etwas Safran gelb färben. Die Masse in einer Pfanne mit Öl kurz aufkochen, das macht sie fester und formbar - dieser Schritt ist kein bloßes Vorwegnehmen des späteren Frittierens, sondern nötig, damit sich die Füllung zu Kugeln formen lässt, ohne zu zerlaufen. Aus aufgegangenem Hefeteig Krapfen formen, mit der Nuss-Feigen-Masse füllen und in heißem Öl goldbraun ausbacken. Kalt servieren - das ist im Text so vorgegeben und für die Lagerküche praktisch, da sich die Krapfen gut vorbereiten lassen; frisch gebacken sind sie aromatisch reichhaltiger, aber genauso überliefert.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-136-orig" n="In der vasten" resp="#fyndling">„In der Fastenzeit“ - dieses Rezept ist für die christliche Fastenzeit gedacht, in der der Verzehr von Fleisch und tierischen Produkten (außer Fisch) verboten war. Nüsse, Feigen und Pflanzenöl sind fastentauglich.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-136-orig" n="morser" resp="#fyndling">Ein Mörser bezeichnete im Mittelalter oft einen großen Fleischmörser aus Stein oder Metall, der zum Zerkleinern und Pürieren von Zutaten diente. Für Nüsse und Feigen ist ein solcher Mörser ideal, alternativ kann eine moderne Küchenmaschine verwendet werden.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-136-orig" n="Krapfen" resp="#fyndling">Mittelalterliche Krapfen waren meist gefüllte Teigtaschen, die in Fett ausgebacken wurden. Sie konnten sowohl süß als auch herzhaft sein.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-136-orig" n="erhabpten taig" resp="#fyndling">„Erhobener Teig“ bedeutet einen Teig, der durch Hefe oder Sauerteig aufgegangen ist. Dies ist ein Hinweis auf die Verwendung von Triebmitteln, die den Teig luftiger und leichter machen. Der Zwilling ri15632-005 verwendet an gleicher Stelle die Formulierung „erhaben taig“ und stützt damit diese Lesart.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-136-orig" n="ferib" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#ferib">„Ferib“ ist Imperativ von „ferben/verben“ = färben, nicht von „verreiben“. Die CoReMA-Objektseite glossiert das Wort explizit als Färben; der Zwilling ri15632-005 färbt an gleicher Stelle „mit saffran“ - mon-136 selbst nennt kein Färbemittel, die Anweisung zu färben bleibt jedoch bestehen.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-136-orig" n="Stols" resp="#fyndling">Als Verb 'stoße' (Imperativ von stoßen) gelesen. Dies ist eine plausible dialektale Variante oder ein Schreibfehler für 'stoß', passend zum Kontext des Zerkleinerns in einem Mörser. Der Zwilling ri15632-005 hat an gleicher Stelle unzweideutig 'stoß'.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-136-orig" n="nuskeren" resp="#fyndling">Als 'Nusskerne' (Plural von Nusskern) gelesen. Dies passt zum Kontext der Feigen und des Zerkleinerns im Mörser.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-136-orig" n="gwurcz" resp="#fyndling">Als Verb 'würze' (Imperativ von würzen) gelesen. Dies ist eine übliche Form für Anweisungen in Kochrezepten.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-136-orig" n="ferib" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#ferib">Als Verb 'färbe' (Imperativ von ferben/verben = färben) gelesen, nicht von 'verreiben'. Belegt durch die CoReMA-Objektseite (glossiert 'ferib' als Färben) sowie durch die Zwillinge ri15632-005 ("gilbs mit saffran" an gleicher Satzposition) und mon-141 ("ferib den halbin mitt saffran", dort selbst korrekt als 'färbe' übersetzt). mon-136 nennt kein konkretes Färbemittel, die Anweisung zu färben bleibt aber unabhängig davon bestehen.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-136-orig" n="er woll es" resp="#fyndling">Als 'koche es gut auf' gelesen, wobei 'er' als Teil des Verbs 'erwellen' (aufkochen, aufquellen lassen) interpretiert wird. Dies passt zum Erhitzen der Masse in Öl in einer Pfanne und wird durch zahlreiche Korpusbelege (u.a. mon-097/099 erbelten/erbell) sowie den Zwilling ri15632-005 ('erwell ez wol') gestützt.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-136-orig" n="machss" resp="#fyndling">Als 'mache es' (Imperativ von machen) gelesen. Die Endung '-ss' ist eine dialektale oder verkürzte Form für 'es'.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-136-orig" n="geweiß" resp="#fyndling">Als 'Weise' (Art und Weise) gelesen. 'In Krapfen-Weise' bedeutet 'in der Art von Krapfen'.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-136-orig" n="erhabpten" resp="#fyndling">Als 'erhabenem' (Partizip von erheben, hier: aufgegangen, gelockert durch Hefe oder Sauerteig) gelesen. Dies beschreibt die Eigenschaft des Teigs.</note>
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