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        <title>Gewürzter Honigsenf</title>
        <author>Anonymus</author>
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          <resp>Modernisierung, Übersetzung, Anmerkungen</resp>
          <name xml:id="fyndling">Fyndling.de</name>
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        <publisher>Fyndling.de</publisher>
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        <date when="2026-07-05">2026-07-05</date>
        <idno type="url">https://fyndling.de/rezepte/mon-137/</idno>
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          <title>Graz, Universitätsbibliothek, Ms. 1609 (CoReMA GR1)</title>
          <date when="1480">1480</date>
          <idno type="URI">https://gams.uni-graz.at/o:corema.gr1/TEI_SOURCE</idno>
          <note>Transkription: CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages, Helmut W. Klug (Hg.), Universität Graz, Ms. GR1 (CC BY 4.0)</note>
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        <language ident="fnhd">Frühneuhochdeutsch (bairisch-österreichisch, 15. Jh.)</language>
        <language ident="de">Neuhochdeutsch (Übersetzung)</language>
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      <div type="recipe" xml:id="mon-137">
        <head>Gewürzter Honigsenf</head>
        <div type="original" xml:id="mon-137-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mon-137-trans">
          <p>Item nym seniff samen vnd sawber den vnd stos den In ainem morser gar klain vnd treib es dan durich ein tuoech vnd stos zw pulffer vnd mi= sch vnder den sennpff vnd ruer es mitt honig sam vast vnder ain ander recht als der wachss vnd wenn dw wilet so nym das selb ein wenig vnd reib es mitt wein so hastu seniff</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mon-137-trans" xml:lang="de" corresp="#mon-137-orig">
          <p>Nimm Senfsaat und reinige sie. Zerstoße sie in einem Mörser sehr fein und streiche die entstandene Paste dann durch ein Tuch. Stoße etwas zu Pulver (vermutlich Zimtblüte, siehe Anmerkung) und mische es unter die zuvor passierte Senfpaste.</p>
          <p>Rühre die Senfpaste mit Honig so kräftig untereinander, dass sie die Konsistenz von Wachs annimmt. Wenn du möchtest, nimm etwas davon und reibe es mit Wein an, so hast du Senf.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="seniff samen">Senfsaat</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="honig">Honig</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="wein">Wein</ingredient>
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      <div type="annotations">
        <note type="preparation_tip" target="#mon-137-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Kein fertiger Tafelsenf, sondern ein haltbares Senf-Konzentrat - die Vorstufe dazu. Das Rezept beschreibt zwei Stufen: zuerst eine feste, wachsartige Honig-Senf-Masse als Vorrat, die sich lange hält, dann das portionsweise Anrühren mit Wein zum fertigen, streichfähigen Senf erst kurz vor dem Gebrauch. Diese Formel ist keine Mondseer Eigenheit, sondern zirkulierte im 15. Jahrhundert buchübergreifend fast wortgleich - die engsten Fassungen finden sich unter mha-013 und m5919-017.

Zerstoßen und Passieren. Die Senfsaat wird zunächst im Mörser sehr fein zerstoßen und durch ein Tuch gestrichen. Das Zerkleinern bricht die Samenschale auf und setzt erst dadurch die Schärfe frei; das Passieren durch das Tuch trennt Schalen- und Faserreste ab und ergibt eine glatte Basis.

Das zweite Pulver. An dieser Stelle nennen gleich drei Fassungen ausdrücklich Zimtblüte als das Pulver, das untergemischt wird: mha-013 ("zimen plue"), m5919-017 ("zimad plud") - und, am gewichtigsten, mon-098 ("zymeid plue"), das zweite Senfrezept desselben Mondseer Kochbuchs. In mon-137 selbst fehlt die Zutatenbenennung - der Text sagt nur "stos zw pulffer", ohne zu sagen, was zu Pulver zerstoßen wird. Dass ausgerechnet der eigene Schreiber des Buchs die Zutat an anderer Stelle klar benennt, macht ein Abschreibversehen (ausgefallener Gewürzname) deutlich wahrscheinlicher als eine bewusst andere Zubereitung mit einer zweiten Senfsaat-Portion.

Praxis. Senfsaat im Mörser fein zerstoßen und durch ein Tuch streichen, damit alle Schalenreste ausbleiben. Mit Honig kräftig verrühren, bis eine feste, wachsartige Masse entsteht - das gelingt rein durch mechanisches Einarbeiten, ganz ohne Erhitzen. Diese Masse hält sich als Vorrat gut, weil Honig selbst feuchteentziehend und keimhemmend wirkt. Zum Gebrauch jeweils eine kleine Menge abnehmen und mit Wein zu einem streichfähigen Senf anreiben - genau diese Zweistufigkeit macht das Rezept auch für die Lagerküche praktikabel: nur Mörser, Tuch und Rührschüssel nötig, kein Feuer, keine Kühlung.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-137-orig" n="seniff samen" resp="#fyndling">Im Mittelalter wurde Senf oft frisch aus der Saat zubereitet, was eine intensivere Schärfe und ein komplexeres Aroma ergab als fertiger Senf.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-137-orig" n="morser" resp="#fyndling">Ein großer Mörser war im Mittelalter eine gängige Küchenmaschine, um Zutaten zu feinen Pasten oder Pulvern zu verarbeiten. Für Senfsaat ist ein kleinerer Gewürzmörser ausreichend.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-137-orig" n="treib es dan durich ein tuoech" resp="#fyndling">Das Passieren durch ein Tuch (oder Sieb) diente dazu, eine besonders feine und glatte Senfpaste ohne grobe Schalenreste zu erhalten.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-137-orig" n="stos zw pulffer" resp="#fyndling">Gleich drei Fassungen nennen an dieser Stelle ausdrücklich Zimtblüte als das untergemischte Pulver: mha-013 ('zimen plue'), m5919-017 ('zimad plud') und - am gewichtigsten, weil aus demselben Buch - mon-098 ('zymeid plue'), das Mondseer Kochbuchs eigenes zweites Senfrezept. In mon-137 fehlt diese Zutatenbenennung im Text - vermutlich eine Verkürzung beim Abschreiben, nicht eine andere Zubereitung.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-137-orig" n="wachss" resp="#fyndling">Die angestrebte wachsartige Konsistenz war typisch für mittelalterliche Senfzubereitungen. Sie ermöglichte eine längere Haltbarkeit und eine flexible Verwendung, da der Senf bei Bedarf mit Flüssigkeit (hier Wein) angerührt werden konnte.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-137-orig" n="stos zw pulffer vnd mi= sch vnder den sennpff" resp="#fyndling">Gemeint ist vermutlich Zimtblüte als das untergemischte Pulver, auch wenn mon-137 selbst die Zutat nicht benennt. Gleich drei Fassungen nennen an dieser Stelle ausdrücklich Zimtblüte: mha-013 ('zimen plue'), m5919-017 ('zimad plud') - und, am gewichtigsten, mon-098 aus demselben Mondseer Kochbuch ('zymeid plue'). Ein beim Abschreiben ausgefallener Zutatenname ist damit deutlich wahrscheinlicher als eine zweite Senfsaat-Portion.</note>
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